Ein Raum für Zukunftsideen

Die REGIO Großes Walsertal bietet mit dem Tal/Studio einen offenen Begegnungsort.
St. Gerold „Ein Ort für dich, für mich, für uns – Treffen, Diskutieren, Sein“ steht auf der Glastür im Eingangsbereich des Johannishofs in St. Gerold. Damit sind die Kerngedanken des durch den REGIOManager Ingo Türtscher initiierten Projekts „Tal/Studio“ grundsätzlich schon zusammengefasst: „Wir wollten mit dem Tal/Studio einen freien, offenen und zugänglichen Ort der Begegnung schaffen, der konsumfrei gestaltet wird.“
Es sei nicht einfach gewesen, einen solchen Ort zu finden und zu gestalten, der einen offenen Charakter behalten sollte und nicht von vornherein für ausschließlich einen Verwendungszweck determiniert ist: „Uns lag daran, einen Prozess zu starten, der Verschiedenstes zulässt.“ Der Johannishof ist ein klassischer, sehr alter Holzbau in Walserarchitektur, der an der linken Seite an den Gasthof Kreuz angelehnt steht. Die Wohnräume sind dementsprechend niedrig, der zugehörige Neubau rechts datiert aus den 1980er-Jahren. Bevor das Tal/Studio hier durch die temporäre Zurverfügungstellung der Eigentümer-Familie Summer Platz fand, diente dieses ehemalige Hotel als Unterkunft für Asylsuchende.
Der Name Tal/Studio beinhaltet die Vielseitigkeit des ambitionierten Projekts: „Er bezeichnet ein Zusammenspiel von verschiedenen Akteuren. Ganz zentral steht jedoch das Tal und dessen nachhaltiges Entwicklungspotenzial. Der Begriff Studio sollte nicht einen Proberaum verdeutlichen, sondern eher einen offenen Zugang zum gemütlichen Beisammensein, Diskutieren, Arbeiten oder auch eben zum Musizieren bieten“, erklärt Türtscher.
Partizipatorische Idee
So sollten in diesen Räumen die Themen und Prozesse im Tal sichtbar und transparent gemacht werden. Aktuell wird konkret der Klimawandel aufgegriffen, dem eine kleine Ausstellung mit Fokus auf regionale Anpassungsmaßnahmen im Großen Walsertal gewidmet ist. Im Rahmen des Förderprogramms KLAR! des Klima- und Energiefonds wurde eine regionale Strategie erarbeitet, um den Klimafolgen zu begegnen und in den nächsten zwei Jahren konkrete Maßnahmen im Tal umzusetzen. Diese zielen auf die Schwerpunkte Schutzwald, klimafittes Bauen und Infrastruktur, nachhaltiger Tourismus sowie Berglandwirtschaft ab.
Das Tal/Studio bietet somit neben einem freien Raum auch aktuelle Informationen, Ausstellungen und initiiert Begegnungsformate, um sich mit Themen gemeinschaftlich auseinanderzusetzen. Alle Bewohner des Tales und jene, die am Tal interessiert sind, sind zum Besuch oder der aktiven Mitgestaltung eingeladen. Dies entspricht der partizipatorischen Idee des Biosphärenparks, die Zivilgesellschaft zu aktivieren und breit einzubinden. Gemeinsam mit Energiemanager Andreas Bertel und Anna Weber, Managerin des Biosphärenparks, wird die Frage gestellt: Wie wollen wir im Tal leben und gemeinsam als Region ein gutes und nachhaltiges Leben gestalten?
Entwicklungs- und Verhandlungsort
Die inhaltliche Komponente gestaltet sich vielschichtig: „Die Räume sollen sowohl von der REGIO als Ermöglicher, aber vor allem von Privatpersonen, Initiativen und Organisationen für Projekte im Tal genutzt werden. Grundsätzlich soll das Tal/Studio als Entwicklungsort gesehen werden, wobei der Johannishof derzeit die räumliche Basis dafür bietet. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, in weiterer Folge einen anderen Ort oder Platz hierfür zu nutzen“, führt Ingo Türtscher weiter aus.
Das Tal/Studio sei zudem ein Verhandlungsort: „Der Prozess zur institutionellen Zusammenarbeit im Tal wurde vor fünfzig Jahren mit der Gründung der REGIO im Jahr 1972 gestartet. Es dürfen ruhig auch tiefergreifende Fragen aufgeworfen werden, wie etwa, ob die damaligen Rahmenbedingungen heute noch entsprechen und wie mögliche Übergänge gestaltet werden können.“ Aber auch Jugendliche und die Schulen sollen stark in die Diskussion miteinbezogen werden.
Aktuelle Projekte
Von 1. bis 2. April findet die Planungsklausur des Energieteams Großes Walsertal im Tal/Studio statt. Hierbei wird an den Themen und Maßnahmen zum Klimaschutz für die nächsten drei Jahre im Biosphärenpark Großes Walsertal gearbeitet und die energiepolitischen Weichen für die Zukunft gestellt. Trotz allen Herausforderungen unserer Zeit sieht Ingo Türtscher die Zukunft positiv, denn „sie kommt nicht einfach, sie ist gestaltbar!“ BI
„Wir wollen mit dem Tal/Studio einen freien, offenen Ort der Begegnung schaffen.“
