Warum Vorarlbergs Gemeinden bei der Verschuldung Spitzenreiter sind

Vorarlbergs Gemeinden sind pro Kopf höher verschuldet als jene der anderen Bundesländer. Eine Gemeinde ist sogar Österreichs Spitzenreiter. Das Land Vorarlberg hingegen ist geringer verschuldet als andere Bundesländer. Eine Spurensuche.
Schwarzach Als die VN im Juli beim Gemeindeverband nach den Aussichten anfragte, sah Gemeindeverbandspräsident Walter Gohm Gewitterwolken am Horizont. Die Belastung der Kommunen sei alarmierend, immer mehr Gemeindestuben sähen sich bürokratisch und finanziell überlastet.
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Gemeinden als Spitzenreiter
Ein Blick in die Statistik zeigt: nicht ganz unbegründet. In keinem Bundesland sind die Gemeinden so stark verschuldet wie in Vorarlberg. 2024 betrug die gesammelte Schuld der 96 Kommunen im Land 1503 Millionen Euro, berechnete die Statistik Austria. Die 411.784 Einwohnerinnen und Einwohner starteten somit mit 2556 Euro Gemeindeschulden pro Person in das Jahr 2025. Ignoriert man Wien, in dem Land und Stadt eine Einheit bilden, ist dies die höchste Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden aller Bundesländer.
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Mit Warth stellt man noch einen weiteren Spitzenreiter: Zwar ist die Gemeinde 2023 mit nur 7,2 Millionen Euro verschuldet gewesen – für die zweitkleinste Gemeinde des Landes bedeutete dies jedoch eine Pro-Kopf-Verschuldung von 43.957 Euro. Trotz einer Schuldenreduktion zum Vorjahr war dies die höchste Quote aller Gemeinden Österreichs.
Schulden lasten vor allem auf Gemeinden
Insgesamt sind die sparsamen Vorarlberger, gemessen an der Bevölkerung, eher im Mittelfeld. Summiert man Landes- und Gemeindeschulden, stehen Tirol, Oberösterreich und auch Salzburg besser da. Von diesen summierten Schulden entfallen aber nur knapp 40 Prozent auf das Land – alle anderen Bundesländer haben jeweils mehr Schulden als alle Gemeinden des jeweiligen Landes summiert. 2012 entfielen aber noch drei Viertel aller Schulden auf die Gemeinden, das Land schultert immer mehr der Schuldenlast. Hier folgt man Tirol und Oberösterreich, die seit 2021 ebenfalls mehr Schulden haben als ihre Gemeinden summiert.
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Dieses Alleinstellungsmerkmal ist auch historisch gewachsen, erklärt Karoline Mitterer vom Zentrum für Verwaltungsforschung. “Nur in Vorarlberg ist der Regionalverkehr in dieser Dimension durch die Gemeinden finanziert”, zeigt Mitterer ein Beispiel auf. Der Ausbau des Nahverkehrs ist eines der Paradebeispiele für Gemeindekooperationen, bei denen Vorarlberg als Vorreiter gilt. Dieser Zugang ist zwar eine Erklärung für den hohen und bürgernahen Ausbaugrad des Netzes, zerrt aber auch an den Gemeindekassen.
Eine Frage der Spielräume
Ein zweites starkes Erklärmuster: In Vorarlberg fließen viele Transferzahlungen zwischen Kommunen und Land. So beteiligen sich die Gemeinden relativ stark am Gesundheitsfonds, andererseits fördert das Land den geforderten Ausbau der Elementarpädagogik. 2023 flossen etwa laut Gemeindefinanzstatistik von Bund, Land und Kammern 198,66 Millionen Euro an die Gemeinden. Die Kommunen gaben aber 269,21 Millionen Euro in die andere Richtung aus. Dieser Saldo ist besser als in manch anderem Bundesland. So mancher Zuschuss des Landes an die Gemeinden ist aber mit einer Investition verbunden. Sie sind daher eher mit Ausgabensteigerungen als mit dem Erhalt des Status quo verbunden.
Das Fazit: Unterm Strich ist das langfristige Vermögen in Form von Grund, Gebäuden und Bauten das höchste nach dem der Tiroler Gemeinden. In Tirol ist die Schuldenlast pro Einwohner aller Gemeinden jedoch nur bei 1364 Euro.
Angesichts bundesweit verschlechternder Rahmenbedingungen ist fraglich, ob Österreichs Kommunen so zukunftsfähig sind. “Der durchschnittlichen Vorarlberger Gemeinde fehlen die Spielräume”, warnt Mitterer. Sie sind oft Abgangsgemeinden und verschulden sich immer stärker. Damit sind sie in Österreich nicht allein. Finanzierungsentflechtungen und die Stärkung von Gemeindeabgaben wie die Leerstandsabgabe könnten den Druck laut Mitterer mildern. Die Frage bleibe aber, wo Gemeinden sparen und wo sie durch Land und Bund entlastet werden können.