Auffällige Knoten: Rinderseuche sorgt für Nervosität

Politik / 29.07.2025 • 12:43 Uhr
Auffällige Knoten: Rinderseuche sorgt für Nervosität
Bisher kam es in Österreich noch zu keinen Fällen. Doch die Seuche näherte sich bereits bis auf 180 Kilometer an die Grenze. APA/Bruckenberger

Lumpy Skin Disease-Fälle in Frankreich und Norditalien: Österreich bereitet sich vor. Vorarlberg beobachtet die Lage.

Schwarzach Die Kühe haben vergrößerte Lymphknoten, Fieber, wirken matt und haben keinen Appetit. Am auffälligsten sind jedoch die namensgebenden Hautknoten am Körper. Die sogenannte Lumpy Skin Disease (LSD) bei Rindern sorgt derzeit für Nervosität, auch in Österreich. Denn in Italien und auch in Frankreich hat es bereits Fälle gegeben. “So nah war die Lumpy Skin Disease noch nie vor den Toren Österreichs”, erklärte Florian Fellinger aus dem Gesundheitsministerium über das Vorkommen in der Lombardei. Medikamente gibt es keine, dafür eine Impfung. Das Land beobachtet die Lage in den betroffenen Regionen genau, rechnet aber aktuell nicht mit einem plötzlichen Auftreten in Vorarlberg.

Kategorie A der Tierseuchen

Robert Griss, Präsident der Vorarlberger Tierärztekammer, spricht von einer gefährlichen Krankheit mit einer hohen Priorität. Sie gehört nach europäischem Recht zur Kategorie A der Tierseuchen, dazu zählt beispielsweise auch die Maul- und Klauenseuche. “Vielleicht hilft der Brenner als natürliche Barriere”, sagt Griss. Dieser könnte eine Einschleppung nach Österreich erschweren. Doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Österreich und Vorarlberg von einem Ausbruch betroffen sind? “Wenn, dann kommt es über den Tierhandel”, ist der Tierärztekammerpräsident überzeugt. So dürfte die Seuche auch von Sardinien ins nördliche Italien gelangt sein.

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“Da bisher kein Viehverkehr aus aktuell betroffenen Regionen nach Vorarlberg festgestellt wurde, ist das plötzliche Auftreten der Lumpy Skin Disease derzeit als unwahrscheinlich einzustufen”, sagt eine Sprecherin von Agrarlandesrat Christian Gantner (ÖVP) auf VN-Anfrage. Die Lage in den Gebieten in Italien und Frankreich werde aber genau beobachtet. Die Vorbereitungen in Österreich konzentrierten sich auf die Bundesländer Tirol, Salzburg und Kärnten. In Vorarlberg ist, wie auch in ganz Österreich, bisher noch kein Fall nachgewiesen worden.

Für Menschen ungefährlich

Die Rinderkrankheit ist hochansteckend und in vielen afrikanischen Ländern weit verbreitet. Man geht davon aus, dass sie wohl aus Afrika zunächst nach Sardinien kam. Insekten gelten als Überträger. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich, sie können gar nicht an LSD erkranken. Anders sieht es bei den Wiederkäuern aus. Zunächst, am 23. Juni, hatte Italien einen Ausbruch in einem Betrieb in Sardinien gemeldet, am 25. Juni folgte die Lombardei, und am 30. Juni Frankreich mit der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

Auffällige Knoten: Rinderseuche sorgt für Nervosität
Tierärztekammerpräsident Robert Griss spricht von einer gefährlichen Krankheit. VN/Paulitsch

Aus beiden Ländern würden weitere Ausbrüche gemeldet, sagt Florian Fellinger, der im Ministerium für Verbrauchergesundheit und Veterinärwesen zuständig ist. Die Seuche werde mit Impfungen, Keulung, also der Tötung der Tiere, und mit Überwachungsmaßnahmen bekämpft. Von einer Krise wollte Fellinger nicht sprechen, immerhin sei die Krankheit noch mehr als 150 Kilometer von der Landesgrenze entfernt. “Aber wir bereiten uns darauf vor.” Laut Gesundheits- und Konsumentenschutzministerin Korinna Schumann (SPÖ) wird die Bundesbeschaffungsagentur zu einem Verfahren beauftragt, um Impfstoffe zu beschaffen und zu bevorraten.

Die Regionen mit direkter Grenze zu Italien, also Tirol und Kärnten, eventuell auch Salzburg, sind dem Experten zufolge am meisten gefährdet. Rücke das Seuchengeschehen näher, könnte es regelmäßige Tests in grenznahen Betrieben geben. Trete das Virus in einem Betrieb nachweislich auf, muss er gesperrt und die Rinder gekeult werden. Dann käme die Impfung gegen LSD zum Einsatz. In betroffenen und gefährdeten Gebieten müssten 80 Prozent der Tiere eine Impfdosis bekommen, sodass Herdenimmunität besteht. “Die Impfung ist aktuell und alternativlos, denn es gibt keine Medikamente gegen LSD.”