Familien verlieren am meisten

Sparpaket: Wie stark Vorarlberger Haushalte im kommenden Jahr betroffen sein werden.
SCHWARZACH. Caritas-Direktor Walter Schmolly sieht eine Grenzüberschreitung: Bei einer Budgetsanierung könne man über die Verteilung der Lasten unterschiedlicher Meinung sein, sagt er. Die rote Linie sollte jedoch dort gezogen werden, wo jemandem etwas zugemutet wird, was er nicht bewältigen kann. Beim aktuellen Sparpaket wird das laut Schmolly insbesondere bei den 15.000 Kindern, Männern und Frauen im Land ignoriert, die manifest armen Familien angehören, sich also nicht einmal das Nötigste leisten können. Genau sie hätten keine Möglichkeit, Kürzungen zu kompensieren.
Es geht um viel: Ein Großteil der Sparmaßnahmen, die Bürger unmittelbar treffen, ist einkommensunabhängig. Einer größeren Familie werden bereits 2026 bald einmal 1000 Euro und zugemutet. Ob sie viel oder wenig Geld haben, spielt keine Rolle.
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Am meisten ins Gewicht fällt die Abschaffung des wohnortabhängigen Klimabonus. Wäre er geblieben und an die Inflation angepasst worden, hätte er bei einer alleinstehenden Person in den Ballungsräumen des Rheintals und des Walgaus im kommenden Jahr 206 Euro betragen. Bei einem Ehepaar ohne Kinder hätte es sich um zwei Mal mehr gehandelt, bei einem Paar mit zwei Kindern beispielsweise gar um das Dreifache: 618 Euro. In ländlicheren Regionen ist der Klimabonus deutlich höher, besonders hier aber wird wenigstens die zum Ausgleich angekündigte Erhöhung des Pendlereuros wirken.

Doch weiter: Familienförderungen werden nicht an die Inflation angepasst, verlieren also an Wert. „Weil die Familienbeihilfe mit der Zahl der Kinder direkt verbunden ist, wirkt sich die Maßnahme umso stärker aus, je größer die Kinderzahl ist“, erklärt der Familienforscher Wolfgang Mazal: „Damit ist der Effekt auch bei jenen am größten, die tendenziell in einem höheren Maß von Armut betroffen sind.“
Das „Momentum-Institut“ hat nachgerechnet: Durch das Einfrieren von Förderungen wie auch des Kinderabsetzbetrages verliert eine Familie mit einem Kind schon im kommenden Jahr 80 Euro. Bei zwei sind es 165, bei drei 259 Euro etc.

Die Familienbeihilfe sei in der Vergangenheit lange nicht angepasst worden, betont Mazal. Im Laufe der Zeit sei sie damit um gut 20 Prozent entwertet worden. Und das, obwohl ihr Zweck darin liege, Familien vom Aufwand für Kinder zu entlasten. Die automatische Anpassung seit 2023 hätte der schleichenden Entwertung ein Ende setzen sollen, so Mazal: Nun werde diese „Tradition“ leider wieder fortgesetzt. Vorgesehen ist es jedenfalls bis 2027.
Auch neue Pässe werden teurer
Vorerst kommen noch mehr Belastungen: Zum Beispiel saftige Gebührenerhöhungen, die weit über die gegenwärtige Inflation hinausgehen. Allein wenn alle Mitglieder einer vierköpfigen Familie mit zwei Kindern 2026 einen neuen Pass brauchen, kostet sie das real um knapp 90 Euro mehr als heute.
Die bisher erwähnten Maßnahmen werden in Summe zu höchst unterschiedlichen Belastungen führen: Bei einer alleinstehenden Person wird sie im kommenden Jahr schon knapp 240 Euro betragen, bei einem Paar mit einem Kind rund 670, mit zwei 870, mit drei 1080, mit vier 1290 und mit fünf gar 1500 Euro.

Alles? Nein: Auch das „Klimaticket Österreich“ wird für die, die es haben und es sich weiterhin leisten können, viel teurer. Der Preis für die Familienkarte etwa steigt von derzeit 1297,80 in zwei Schritten auf 1540 Euro 2026. Die Erhöhung geht damit um mehr als 150 Euro über die Inflation hinaus. Der e-Card-Gebühr wiederum klettert real um über zehn auf 25 Euro. Es läppert sich. Für Pensionisten wird die e-Card-Gebühr in dieser Höhe überhaupt erst eingeführt.
Krankenversicherungsbeitrag, kalte Progression
Was zu einkommensabhängigen Einschnitten überleitet: Für Pensionisten wird der Krankenversicherungsbeitrag von 5,1 auf sechs Prozent erhöht. Laut „Momentum-Institut“ verliert ein Mann mit einer mittleren Pension (2345 Euro brutto pro Monat) allein dadurch weitere 143,10 Euro im kommenden Jahr, bei einer Frau (1240 Euro brutto) werde es sich um 100,44 Euro handeln.
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Und schließlich wird ein Drittel der kalten Progression in der Einkommensteuer nicht mehr ausgeglichen. Bei einem Monatsbruttogehalt von 2000 Euro führt das bereits 2026 zu einer Belastung von 28 Euro. Bei 5000 Euro geht es Berechnungen der „Agenda Austria“ zufolge um 80 Euro – Tendenz über die Folgejahre hinweg stark zunehmend.