Vollspaltenböden in der Schweinehaltung: “Verbot ins Gegenteil verkehrt”

Tierschützer sehen Demontage der ursprünglichen Pläne und kein Ende des Tierleids. Der Landesregierungzufolge kommt die Haltungsform in Vorarlberg nur selten vor.
Schwarzach, Wien Die Menschen in Österreich essen gerne Schweinefleisch. Rund 35 Kilo verzehrt eine Person pro Jahr, rechnet das Landwirtschaftsministerium vor. Das ist mehr als bei Gefügel, Rind oder Fisch. Wenn es aber um die Haltung der Schweine geht, sehen Tierschützerinnen und Tierschützer viele Missstände. Sie prangern immer wieder die Vollspaltenböden in den Ställen an. Diese sollen ab 2034 der Vergangenheit angehören. Die Dreierkoalition im Bund hat sich nach einem Höchstgerichtsurteil auf eine neue Übergangsfrist für das Verbot geeinigt. Doch bei den Kritikern ist der Ärger immer noch groß. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) sieht sogar eine “vollständige Demontage des Vollspaltenverbots von 2022.” Nach Angaben der Landesregierung gibt es indes nur wenige betroffene Betriebe in Vorarlberg.
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Kostengünstige Produktion
Österreichweit gesehen leben laut VGT rund 70 Prozent der Schweine auf Vollspaltenböden. In der gesamten Bodenfläche eines Stalls, in der Regel aus Beton, befinden sich Spalten. Darunter liegt ein Güllekanal. Kot und Urin der Schweine landen direkt darin. Dadurch ist der Aufwand für die Halter gering, die Produktion kostengünstig.

„Schweine sind Tiere, die eigentlich den Großteil ihrer Zeit mit Erkundung und mit Wühlen im Boden verbringen möchten“, sagt die Vorarlberger Tierschutzaktivistin Sandy P. Peng vom VGT. Sie bauten gerne Nester, um weich zu liegen, separat von Liege- und Aktivitätsbereichen errichteten sie ihre “Toiletten.“ Im aktuellen Haltungssystem sei das unmöglich. 92 Prozent der Tiere hätten entzündete Gelenke, die Todesrate sei dreimal so hoch wie bei der Haltung auf Stroh. „Die Augen sind durch den Ammoniakgestank gerötet, die Lungen entzündet. Vor Langeweile beißen sich die Schweine gegenseitig in die Schwänze.“

Die frühere schwarz-grüne Koalition hat bereits vor rund drei Jahren ein Verbot für Vollspaltenböden beschlossen. Doch der Verfassungsgerichtshof hob die Übergangsfrist bis 2040 als zu lang und als sachlich ungerechtfertigt auf. ÖVP, SPÖ und Neos einigten sich nun auf einen neuen Entwurf, der eine Frist bis 2034 vorsieht. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ortete einen “tragfähigen und verfassungskonformen Kompromiss.” Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) kündigte einen Fahrplan an. “Ab 2027 wird auf wissenschaftlicher Grundlage an einem neuen Mindeststandard gearbeitet, ab 2029 gibt es erste Verbesserungen in bestehenden Ställen, und ab 2034 endet die Haltung auf Vollspaltenböden – mit einer sachlich begründeten Ausnahme für rund 170 Härtefälle.”

Aktivistin Peng zufolge wurde im neuen Entwurf der wichtigste Satz gestrichen, wonach Schweinehaltungen ab 2040 dem neuen Mindeststandard mit Stroh entsprechen müssen. Ohne diese Formulierung genüge ab Juni 2039 nur eine “lächerliche Neuversion des Vollspaltenbodens ohne Stroh.” Auch das Ablaufdatum mit 23 Jahren ab Erstzulassung sei entfernt worden. “Durch diese perfide Strategie wurde das bestehende Verbot des Vollspaltenbodens einfach ins Gegenteil verkehrt.”

Weniger als Betriebe
In Vorarlberg spielt das Thema nur eine überschaubare Rolle, erläutert Agrarlandesrat Christian Gantner (ÖVP). Er verweist auf eine Auswertung vom April 2024: Demnach gibt es in Vorarlberg 5974 Schweine, die in 578 Betrieben gehalten werden. Davon hätten 488 weniger als zehn Schweine. Nur zehn Betriebe verfügten über mehr als hundert Tiere. Vollspaltenböden seien deshalb kein großes Thema. „Wir haben wenige Betriebe, unter fünf an der Zahl, die noch über solche verfügen. Mit denen sind wir in Kontakt. Wir glauben, dass sie weit vor Ende der Frist umstellen können.“ Was die österreichweite Situation angeht, sieht der Landesrat aber sehr wohl ein Problem. Es gebe große schweinehaltende Betriebe, die Investitionen getätigt und sich dabei auf die Politik verlassen hätten. Zudem bekräftigt er: “Tierschutz beginnt nicht im Stall, sondern im Kaufregal.”