Pflege wird offiziell Schwerarbeit – und wer noch?

Politik / 28.04.2025 • 08:00 Uhr
ABD0040_20240122 – SITTEN – SCHWEIZ: Une infirmiere parle avec une residente ce lundi 22 janvier 2024 a l’EMS Saint-Francois a Sion. Une convention collective de travail (CCT) pour le domaine des soins de longue duree (EMS et CMS) a ete signee ce lundi dans le cadre de la mise en ?uvre de l?initiative populaire federale […]
Die Regierung möchte den Pflegeberuf für die Schwerarbeiterpension öffnen. Andere Berufsgruppen möchten dies ebenfalls. APA

Vorhaben wird grundsätzlich positiv gesehen. Politik wartet ab, Rotes Kreuz startet Petition für die Sanitäterinnen und Sanitäter.

Schwarzach, Wien Der Personalnotstand in der Pflegebranche lässt sich an Zahlen festmachen. Anfang des Jahres waren 192 Betten in Vorarlbergs Pflegeheimen nicht belegt. 85 davon wegen fehlendem Personals – bei gleichzeitig 284 Personen auf der Warteliste. Seit Jahren rätselt die Politik, wie sie mehr Menschen in den Beruf lockt. Kürzlich ist in den Spitälern an der Lohnschraube gedreht worden, am 1. Juli sollen die Pflegekräfte in den Heimen folgen. Schon vor einigen Jahren wurde die Wochenarbeitszeit um eine Stunde verkürzt. Jetzt steht abermals die Arbeitszeit im Fokus, allerdings jene über das ganze Leben: Die neue Bundesregierung möchte ab dem kommenden Jahr die Schwerarbeiterpension für die Pflege öffnen. Das sorgt grundsätzlich für positive Reaktionen. Auch aus anderen Branchen, die besagte Regel nun ebenfalls für sich reklamieren.

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Der Plan für den Pflegedienst: Wenn Pflegekräfte mindestens 45 Versicherungsjahre aufweisen und in den letzten 20 Jahren mindestens zehn Jahre Schwerarbeit geleistet haben, können sie mit 60 Jahren in Pension gehen – den Steuerzahler dürfte es rund 40 Millionen Euro kosten, jedenfalls laut budgetiertem Betrag. Eine gute Nachricht, sagt Marcel Gilly, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) in Vorarlberg. “Das ist schon eine jahrelange Forderung von uns.” Die Arbeitswelt habe sich geändert, Berufe im Pflegebereich seien sehr belastend. “Sie gehören allesamt in die Schwerarbeiterpensionsregelung. Jetzt geht es aber natürlich um die Umsetzung, damit es nicht nur bei der Ankündigung bleibt.”

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Auch andere Berufsgruppen befürworten die Änderung. “Pflegekräfte erhalten endlich die Anerkennung ihrer Arbeit als Schwerarbeit – ein wichtiger Schritt”, schreibt das Rote Kreuz in einer Petition. Mit dieser sollen Unterschriften gesammelt werden – denn die Rettungsorganisation fragt: “Doch was ist mit unseren Sanitätern?” Monika Stickler, Leiterin der Abteilung Rettungsdienst beim Roten Kreuz, erläutert auf VN-Anfrage: “Auch Sanitäterinnen und Sanitäter können körperlich als auch psychisch belastet sein, wenn sie den Beruf lange ausüben. Es ist ein fordernder Beruf.” Deshalb müsse die Schwerarbeiterpension auch für Sanitäterinnen und Sanitäter geöffnet werden. Mehr als 10.000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben.

Die Ärztekammer meldete sich auf Ö1 zu Wort. “Wir freuen uns für die Pflege, sehen es aber mit einem gewissen disamusement, dass hier schon wieder versucht wird, einen Keil zwischen Krankenhausärzte und Pflegende zu treiben”, sagte Kammervertreter Harald Mayer im Radio. GPA-Geschäftsführer Gilly hofft ebenfalls, dass die neue Regel auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet wird. “Es ist ein erster Schritt. Die belastende Arbeit ist nicht auf den Pflegebereich begrenzt, sondern etwa auch die ganze Behindertenarbeit, die mobilen Dienste, Arbeit in den Wohneinrichtungen sind körperlich und emotional sehr belastend.”

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Personalmangel und trotzdem früher in Pension? Für das Rote Kreuz kein Widerspruch. Monika Stickler glaubt im VN-Gespräch nicht, dass sich der Personalmangel zuspitzt. “Wie in der Pflege haben auch wir viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Job mit 55 nicht mehr ausüben können. Wir schauen dann, dass wir sie anders unterbringen können.” GPA-Geschäftsführer Gilly sieht darin eine Attraktivierung des Berufs. “Es ist ein wichtiges Signal. Es ist notwendig, dass wir in dieser Branche mehr Fachkräfte bekommen.”

Lob kommt auch von den Arbeitgebern. Caritas-Direktor Walter Schmolly, Obmann des Arbeitgebervereins der privaten Gesundheitsberufe, erläutert: “Es gibt in Bezug auf die Schwerarbeitsverordnung bereits einige Sonderregelungen für den Bereich Pflege und Betreuung.” Der AGV begrüße eine umfassende Begünstigung aller Mitarbeiter im Pflege-, Behinderten- und Spitalsbereich. Das sei eine verdiente Anerkennung.

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Auch Gesundheits- und Soziallandesrätin Martina Rüscher sieht den Plan grundsätzlich positiv: “Wir begrüßen selbstverständlich alle Maßnahmen, die das Pflegesetting stärken und den Pflegeberuf unterstützen”, sagt sie den VN. “Was die konkrete Umsetzung der Schwerarbeiterregelung im Pflegebereich betrifft, können wir noch nicht abschätzen, wie sich das in der Praxis auswirken wird.”

Im Sozialministerium wurden die Rufe der anderen Branchen gehört. Man wisse, dass viele Berufsgruppen körperlich und psychisch belastende Arbeit leisten. Man werde sich die gesamte Schwerarbeitsverordnung noch anschauen müssen, hieß es zu Ö1.

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