Darum könnte Gas in Vorarlberg billiger werden

Politik / 20.12.2024 • 15:30 Uhr
Die Gasempfangsstation Lubmin der Pipline Nord Stream 1 ist abgedreht. Das wenige Gas aus Russland fliest über die Ukraine nach Europa.  APA/Büttner
Der Gaspreis könnte fallen: Deutschland streicht die Gas-Maut. APA

Deutschland schafft die Gasspeicherumlage ab. Was das für Vorarlberg bedeutet

Berlin, Bregenz Der Deutsche Bundestag hat die Abschaffung der Mautgebühr für Gastransporte ab 1. Jänner 2025 beschlossen. Die SPD, die Grünen und die Union votierten am Freitag für die Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes, die ein Aus der Gasspeicherumlage vorsieht. Österreich und mehrere osteuropäische Staaten hatten bemängelt, dass die Abgabe Lieferungen verteuert und Bestrebungen behindert, unabhängiger von russischem Gas zu werden. Vor allem für Vorarlbergs Kundinnen und Kunden ist das eine gute Nachricht.

Denn Vorarlberg wird ausschließlich über das deutsche Netz versorgt. Die Umlage wäre 2025 eigentlich wieder gestiegen, und zwar auf 0,299 Cent pro Kilowattstunde. Laut Illerweke-VKW hätte das für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden monatliche Kosten von 4,50 Euro brutto bedeutet. Das fällt nun weg, die Gasrechnung könnte also niedriger werden als gedacht.

Netzkosten steigen aber

Allerdings steigen sonst die Netzkosten für Gas. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control in Österreich, erläutert im VN-Gespräch, dass Netzkosten mit einem Umlagesystem gedeckt werden. Dass bedeutet, dass die Kosten steigen, wenn der Verbrauch sinkt. Urbantschitsch erläutert: “Jetzt ist es so, dass der Gasverbrauch zurückgeht.” Deswegen steigt der Tarif für den Einzelnen, damit die Kosten weiterhin gedeckt werden. “Deshalb macht es aber trotzdem Sinn, dass man weniger Energie verbraucht, weil man sich ja die Energiekosten spart.” Auch Investitionen in die Netze spiegeln sich im Tarif der Kunden.

In Vorarlberg sind – laut der VKW-Tochterfirma “Vorarlberg Netz” – die Netzkosten im Vergleich zur Kaufkraft sogar gesunken. Seit 2001 seien sie um 34 Prozent gestiegen – der Verbraucherpreisindex aber um 80 Prozent. “Dies bedeutet, dass bezogen auf die Kaufkraft die Netztarife in Vorarlberg immer noch 40 % unter jenen im Jahr 2001 liegen”, erläutert ein Unternehmens-Sprecher den VN. Der Anstieg der Netztarife in Vorarlberg im kommenden Jahr hänge vor allem mit Investitionen zusammen, fährt er fort. “Dabei ist auch zu beachten, dass die Kosten für Anlagenteile stark gestiegen sind.” Für einen Transformator, der früher 800.000 Euro gekostet hat, muss man mittlerweile 2,4 Millionen Euro bezahlen. Er betont aber auch: “Eine aus unserer Sicht wichtige Botschaft ist aber, dass es sich für einen Haushalt immer rentiert, seinen Stromverbrauch zu reduzieren.”

Das Ende der Umlage bringt ganz Österreich etwas. Wenn Österreich nach dem Austritt der OMV aus dem Vertrag mit Gazprom das russische Gas komplett durch Lieferungen über Deutschland ersetzte, hätten sich die Kosten der Gasspeicherumlage für die heimische Wirtschaft auf eine Million Euro pro Tag belaufen, sagte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Knill, zur APA.