Teuerung, hohe Lohnnebenkosten und keine Fachkräfte: Ein Appell an die Politik aus der Gastronomie

Gabriel Venturiello führt seit 2004 „Gabriels Cucina“ am Marktplatz in Dornbirn. Im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen spricht der passionierte Gastronom in der VN-Serie “Wähler am Wort” über die größten Probleme der Branche – von der Teuerung bis hin zum Fachkräftemangel – und fordert mehr Unterstützung von der Politik.
Dornbirn „Seit Jahrzehnten liegen Themen auf den Tischen der Politiker, die längst hätten umgesetzt werden müssen. Eine der dringendsten Forderungen ist sicher die Senkung der Lohnnebenkosten“, erklärt Gastronom Gabriel Venturiello im Gespräch mit den VN. Für ihn als Inhaber eines kleinen, gehobenen Restaurants mit 40 Sitzplätzen ist es eine tägliche Herausforderung, wettbewerbsfähige Löhne zahlen zu können: „Es kommt leider vor, dass Bewerber mit Lohnvorstellungen zu mir kommen, die ich nicht erfüllen kann. Dann muss ich schweren Herzens sagen, dass ich diese Person nicht einstellen kann, obwohl sie für die Position bestens geeignet wäre.“

Den Personalnotstand in der Gastronomie sieht der Betreiber von Gabriels Cucina als generelles Problem in der Branche: „Wir haben aktuell definitiv die Schwierigkeit, dass wir kein Personal finden und kaum noch Mitarbeiter ausgebildet werden.“ Qualifizierte Fachkräfte würden in Nachbarländer wie die Schweiz abwandern, wo sie deutlich bessere Löhne erhalten. Der Gastronom ist überzeugt, dass die Senkung der Lohnnebenkosten daran etwas ändern könnte: „Es wäre wirklich an der Zeit, die Lohnnebenkosten zu senken, damit sowohl den Arbeitnehmern mehr Netto bleibt als auch ich als Arbeitgeber einen angemessenen Lohn zahlen kann.“
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Teuerung und fehlende Entlastung
Ein weiteres Thema, das Venturiello und seine Branchenkollegen stark beschäftigt, ist die Teuerung. „Von der Politik haben wir kaum Unterstützung erhalten – eigentlich gar keine“, erklärt er. Der Gastronom kritisiert, dass es versäumt wurde, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um die extremen Preissprünge bei Strom und Gas einzudämmen: „Es hätte eine klare Obergrenze geben müssen. Strom- und Gaspreise dürften nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz steigen, nicht mehr.“ Solche Maßnahmen hätten den Betrieben seiner Meinung nach mehr Planungssicherheit gegeben: „Dann wüsste ich als Unternehmer, dass Strom und Gas teurer werden, aber nur bis zu einem festgelegten Punkt.“

Zwar haben sich manche Kosten inzwischen teilweise wieder stabilisiert, doch die Teuerung hat deutliche Spuren im Konsumverhalten der Menschen hinterlassen. „Die Leute überlegen genau, wann und zu welchem Anlass sie essen gehen. Früher gab es viel mehr spontane Restaurantbesuche. Heute gehen die Gäste seltener essen – vielleicht zweimal statt dreimal oder viermal.“
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Integration durch Arbeitsmarktzugang
Auch beim Thema Integration sieht Venturiello Handlungsbedarf: „Für mich persönlich und als Unternehmer wäre es wichtig, dass Asylwerber schneller Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten“, erklärt der Dornbirner. In der Gastronomie sieht er großes Potenzial, Asylwerbern zu helfen, schneller in die Gesellschaft hineinzuwachsen: „Im Arbeitsumfeld knüpfen Menschen gesellschaftliche Kontakte und lernen die Sprache. Gerade in der Gastronomie, wo der Kontakt zu Gästen alltäglich ist, kann das ein entscheidender Faktor für eine gelungene Integration sein.“

Doch die gesetzlichen Regelungen verhindern dies oft. „Ich bekomme im Schnitt alle zwei Wochen Anfragen von Menschen, die gerne arbeiten würden, es aber nicht dürfen. Kürzlich war darunter sogar eine Kanadierin, was ich ziemlich absurd finde.“
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Mitspracherecht für Branchenkenner
Zuletzt wäre es Venturiello wichtig, dass seine Branche eine stärkere politische Vertretung erhält: „Branchenvertreter sollten gemeinsam mit der Politik Lösungen entwickeln.“ Er kritisiert, dass Entscheidungen oft ohne Einbeziehung der Experten getroffen werden: „Ich habe oft das Gefühl, dass die Politik losgelöst von der Realität der Wirtschaft agiert. Es wäre sinnvoller, Branchenkenner als Experten zu fragen, was politisch gemacht werden könnte, damit es der Gastronomie besser geht, anstatt Entscheidungen zu treffen, die niemandem wirklich helfen.“
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Zur Vn-Serie “Wähler am Wort”
In der Serie „Wähler am Wort – was uns wichtig ist“ kommen Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zu Wort, die ihre Sichtweisen, Sorgen und Wünsche an die Politik vor der Landtagswahl in Vorarlberg schildern. Die VN sprachen dabei mit Menschen wie:
- Junge Menschen wie Sebastian Muxel, der über die angespannte Wohnsituation im Land spricht.
- Ärztinnen und Ärzte, wie Dr. Ruth Krumpholz, die die Herausforderungen in den Krankenhäusern beschreibt.
- Pflegekräfte, darunter Stefanie Hepberger, die aus ihrem Alltag in der psychiatrischen Pflege berichtet.
- Lehrkräfte, die über die Probleme im Bildungssystem und den Lehrermangel sprechen.
- Alleinerziehende, die über ihre finanziellen und familiären Herausforderungen berichten.
- Gastronomen wie Gabriel Venturiello, der die aktuellen Schwierigkeiten in der Gastronomie beleuchtet.
- Handwerker, die den bürokratischen Aufwand und Fachkräftemangel in ihrer Branche thematisieren.
- Kindergartenpädagoginnen, wie Eva Hofer, die die Herausforderungen im Bereich der Kinderbetreuung aufzeigen.