Kindergartenpädagogin Eva Hofer: “Was wir brauchen ist mehr Gehör in der Politik”

Politik / 11.10.2024 • 17:00 Uhr
Kindergartenpädagogin Eva Hofer: "Was wir brauchen ist mehr Gehör in der Politik"
Für die 32-Jährige ist ihr Beruf eine Herzensangelegenheit. Das neue Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz kritisiert sie. VN/Steurer

In der VN-Serie „Wähler am Wort“ fordert Kindergartenpädagogin Eva Hofer mehr Mitsprache und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Berufskolleginnen.

Schwarzach Eva Hofer ist Kindergartenpädagogin. Seit sieben Jahren ist sie in diesem Beruf tätig, den sie als Quereinsteigerin über den zweiten Bildungsweg gewählt hat. Für die ehemalige Soziologie-Studentin ist es eine Herzensangelegenheit: „Es war mir immer wichtig, einen Beruf zu haben, der Sinn macht. Die schönsten Momente in meinem Beruf sind, wenn ich Kinder in ihrer Entwicklung begleiten darf.“ Ihre Leidenschaft für die Arbeit ist ungebrochen, doch die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger, wie die 32-Jährige den VN im Rahmen der Serie “Wähler am Wort” berichtet.

VN Treffen … Kindergartenpädagogin, Eva Hofer
Eva Hofer begleitet gerne Kinder in ihrer Entwicklung, trotz oft schwieriger Rahmenbedingungen. VN/Steurer

Verschlechterungen durch das neue Gesetz

Seit der Einführung des neuen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes Anfang 2023 sieht Hofer eine klare Verschlechterung in ihrem Arbeitsalltag. „Dieses Gesetz bringt massive Verschlechterungen für uns Pädagoginnen und für die Kinder mit sich. Wir werden nur noch als Betreuungspersonal gesehen, nicht mehr als Bildungseinrichtung.“

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Besonders kritisch sieht die Pädagogin die Änderung, dass Dreijährige vermehrt in den Kindergarten statt in die Kleinkindbetreuung kommen sollen. „Für Dreijährige ist der Kindergartenalltag oft zu anstrengend, und das nötige Personal fehlt. Diese Kinder brauchen viel mehr konstante Nähe und Begleitung, aber bei den derzeitigen Verhältnissen ist das kaum möglich.“

VN Treffen … Kindergartenpädagogin, Eva Hofer
Im Gespräch mit den VN fordert Eva Hofer mehr politische Mitsprache und Gehör. VN/Steurer

Fehlende Vorbereitungszeit und hohe Belastung

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Bürokratisierung. „Die administrative Arbeit wird immer mehr, aber unsere Vorbereitungszeit wird gleichzeitig weniger. Es ist eigentlich unmöglich, all diese Aufgaben zu bewältigen und dabei noch qualitativ hochwertige Bildungsarbeit zu leisten.“ Hofer beschreibt den Spagat, den sie und ihre Kolleginnen täglich machen müssen: „Wir möchten alle Kinder gut begleiten, aber gleichzeitig fehlt uns die Zeit und das Personal dafür. Es fühlt sich oft so an, als müssten wir uns in fünf Teile zerreißen.“

Väterkarenz

Die Einführung einer verpflichtenden Väterkarenz sieht Hofer als einen wichtigen Schritt, um die Gleichstellung in der Arbeitswelt voranzutreiben. „Es sollte selbstverständlich sein, dass Männer genauso für die Kinderbetreuung verantwortlich sind wie Frauen. Das würde nicht nur die Familien entlasten, sondern auch den Weg ebnen, damit mehr Männer in Berufe wie die Elementarpädagogik gehen.“

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Interessenvertretung gefordert

Für Eva Hofer ist klar, dass sich das System grundlegend ändern muss. Von der Politik wünscht sie sich vor allem eines: mehr Gehör. „Wir brauchen eine Interessenvertretung, die unsere Belange wirklich ernst nimmt. Es ist nicht in Ordnung, dass Wirtschaft und Verwaltung über unsere Arbeitsbedingungen bestimmen, ohne dass wir einbezogen werden.“

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Um diese und weitere Probleme anzugehen, gründete Hofer mit Kolleginnen den Verein „Zukunft Elementare Bildung“. Der Verein setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr politische Mitsprache ein. „Wir brauchen mehr gut ausgebildetes Personal, bessere Arbeitsbedingungen und vor allem eine politische Vertretung, die aktiv im Beruf steht und weiß, was es in der Praxis benötigt.“

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Die 32-Jährige bleibt trotz allem optimistisch: „Ich mache diesen Job aus Leidenschaft und hoffe, dass wir als Pädagoginnen bald die Rahmenbedingungen bekommen, die wir verdienen. Aber dafür müssen wir uns Gehör verschaffen.“

Zur Vn-Serie Wähler am wort

In der Serie „Wähler am Wort – was uns wichtig ist“ kommen Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zu Wort, die ihre Sichtweisen, Sorgen und Wünsche an die Politik vor der Landtagswahl in Vorarlberg schildern. Die VN sprachen dabei mit Menschen wie:

  • Junge Menschen wie Sebastian Muxel, der über die angespannte Wohnsituation im Land spricht.
  • Ärztinnen und Ärzte, wie Dr. Ruth Krumpholz, die die Herausforderungen in den Krankenhäusern beschreibt.
  • Pflegekräfte, darunter Stefanie Hepberger, die aus ihrem Alltag in der psychiatrischen Pflege berichtet.
  • Lehrkräfte, die über die Probleme im Bildungssystem und den Lehrermangel sprechen.
  • Alleinerziehende, die über ihre finanziellen und familiären Herausforderungen berichten.
  • Gastronomen wie Gabriel Venturiello, der die aktuellen Schwierigkeiten in der Gastronomie beleuchtet.
  • Handwerker, die den bürokratischen Aufwand und Fachkräftemangel in ihrer Branche thematisieren.
  • Kindergartenpädagoginnen, wie Eva Hofer, die die Herausforderungen im Bereich der Kinderbetreuung aufzeigen.

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