Warum die EU-Kommission bei Tiertransporten Österreich als Vorbild nehmen kann

Politik / 20.09.2024 • 14:08 Uhr
Warum die EU-Kommission bei Tiertransporten Österreich als Vorbild nehmen kann
Österreich setzt mit der neuen Regelung für Tiertransporte Maßstäbe. Nun gilt es, diese hohen Standards im EU-Raum umzusetzen. APA

Österreich setzt mit seinen verschärften Tiertransportregeln Maßstäbe. EU-Abgeordneter Thomas Waitz berichtet, wie es um die Verhandlungen zu den neuen Tiertransportregeln der EU steht. Das ist nicht nur für das Wohlergehen der Tiere, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern zentral.

Wien, Schwarzach In Österreich werden jährlich 12.500 Tiertransporte abgefertigt. Nun gelten verschärfte Regeln, die VN berichteten. Diesen weiteren Schritt nach vorne sollten Konsumentinnen und Konsumenten auch anerkennen und wieder verstärkt zu heimischen Produkten greifen, betont Landwirtschaftspräsident Josef Moosbrugger. Aktuell wird auch auf EU-Ebene an neuen EU-Vorschriften beim Tiertransport gearbeitet, eine Tierwohl-Kennzeichnung ist ebenfalls im Gespräch.

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Ein Sprecher des zuständigen Landesrats, Christian Gantner, liefert die aktuellsten Zahlen von 2023. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 17,2 Millionen lebende Tiere für Transporte aus Österreich von den Veterinärbehörden abgefertigt. Der Anteil Vorarlbergs beträgt 0,4 Prozent, das sind rund 70.000 Tiere. Davon waren mehr als 63.000 Geflügel. Bei den Rindern wurden 2762 Schlachttiere und 3472 “Nutz- und Zuchttiere” abgefertigt.

Warum die EU-Kommission bei Tiertransporten Österreich als Vorbild nehmen kann
Regional kaufen, heimische Bauern unterstützen: Das können Konsumenten tun, um auch Tierwohl zu födern, sagt Landwirtschaftspräsident Josef Moosbrugger. APA

Konsumenten sind gefordert

“Für die Vorarlberger Bäuerinnen und Bauern ändert sich nun grundsätzlich nichts”, sagt Moosbrugger. Er bezieht sich auf den Transport von Tieren zwischen Landwirtschaftsbetrieben oder auch grenzüberschreitend zu Almen oder einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb, die in der Regel keine weiten Strecken betreffen. “In Vorarlberg gibt es keine Firmen, die Langstreckentransporte durchführen”, berichtet er zudem.

“Was uns aber fordert, ist, dass wir in Österreich ständig besser sind, das aber im Supermarkt nicht zum Ausdruck kommt”, sagt Moosbrugger. Er fordert EU-weit diese hohen Standards, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter zu schwächen. Denn letztlich würden Österreichs Landwirte dadurch benachteiligt, wenn weit transportiertes Billigfleisch mit den heimischen Produkten im Regal konkurriert.

ABD0127_20240717 – STRASSBURG – EUROP€ISCHE UNION: Der grŸne EU-Abgeordnete Thomas Waitz am Mittwoch, 17. Juli 2024, im Rahmen einer Pressekonferenz im EuropŠischen Parlament in Strassburg. – FOTO: APA/HANS KLAUS TECHT
EU-Abgeordneter Thomas Waitz ist zuversichtlich, dass auch auf EU-Ebene die Tiertransportregeln modernisiert und verbessert werden. Wichtig sei, auch Schiffstransporte zu regeln. APA

Verhandlungen auf EU-Ebene laufen wieder an

Wie es auf EU-Ebene weitergeht, kann der Grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz berichten. Zum einen ist er erneut in dieser Legislaturperiode im zuständigen Agrarausschuss tätig, zum anderen frisch gewählter Vizepräsident der Animal Welfare Intergroup, eine fraktionsübergreifende Arbeitsgemeinschaft für Tierwohl. “Im Oktober fangen die Verhandlungen wieder an”, berichtet er den VN über eine geplante Verschärfung von Tiertransportregeln auch auf EU-Ebene. Mit einer Überarbeitung der bestehenden, mehr als 20 Jahre alten Tierschutzvorschriften beim Transport will die EU-Kommission das Wohlergehen von rund 1,6 Milliarden Tieren erhöhen, die jährlich in die und aus der EU transportiert werden. 

Die Zeichen stünden gut, dass die neue Verordnung auf den Weg gebracht wird, ist Waitz zuversichtlich. Der Vorschlag der EU-Kommission beinhaltet zum Teil relativ ähnliche Punkte, die nun für Österreich bereits gelten: Dazu zählt, dass die Tiere nur noch bei einer Außen-Temperatur von 0 bis 30 Grad transportiert werden sollen (in Österreich sind es fünf bis 30 Grad), sofern der Transporter nicht klimatisiert ist. Die EU-Kommission schlägt zudem vor, dass Tiere regelmäßiger Nahrung und Wasser bekommen, sowie eine Maximaltransportzeit von neun Stunden.

Tierwohl-Kennzeichnung wäre wichtiger Anreiz

Waitz berichtet den VN, dass er zudem ein “gutes Gespräch” mit dem Luxemburger Christophe Hansen hatte, der als EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung nominiert wurde. Hansen zeigte sich etwa offen für die Kennzeichnung des Tierwohls auf Lebensmitteln. “Das wäre ein wichtiger Anreiz am Markt. Der Extraaufwand muss sich einfach im Preis widerspiegeln”, sagt Waitz.

Eine große Lücke sieht Waitz bei den vorliegenden Vorschlägen der Kommission: Schiffstransporte. “Dort beginnt das Martyrium für die Tiere erst richtig.” Insgesamt sei eine große Motivation in allen EU-Fraktionen spürbar, die Bedingungen für Nutztiere zu verbessern. Das liege wohl nicht zuletzt auch an dem Druck aus der Bevölkerung, die sich wiederholt für Tierwohl eingesetzt hat. Die erfolgreichsten EU-Bürgerinitiativen der vergangenen Jahre drehten sich nicht zuletzt um dieses Thema.