Österreich verschärft Tiertransportgesetz: Diese neuen Regelungen sollen Tierwohl fördern

Österreich setzt mit der Verschärfung seines Tiertransportgesetzes neue Maßstäbe im Tierschutz: Ab Freitag gelten etwa Temperaturkontrollen und Dokumentationspflicht. Landesrat Gantner fordert diese hohen Standards für alle Produkte, die in Österreichs Supermärkten landen.
Wien, Schwarzach Jedes Jahr werden in Österreich etwa 100.000 Rinder und Kälber auf Transporter verladen. Oftmals dauert ihre Reise in andere EU-Länder oder Drittstaaten tagelang. Die Tiere sind häufig Durst, Hitze oder Kälte ausgesetzt. Viele Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich daher politische Veränderungen. Wie eine Market-Umfrage unter 1000 Befragten im Auftrag von Vier Pfoten im Vorjahr zeigte, lehnten 93 Prozent der Befragten den Status quo ab. Am Freitag tritt nun ein verschärftes Tiertransportgesetz in Kraft. Tierschutzminister Johannes Rauch (Grüne) forderte zuletzt vom Koalitionspartner ÖVP Bewegung und dürfte sich durchgesetzt haben.
Rauch verkündete die Eckpunkte am Donnerstag: Künftig müssen regelmäßige Fütterungen und eine ständige Verfügbarkeit von Wasser sichergestellt sein. Zudem dürfen die Transporte nur zwischen fünf und 30 Grad Außentemperatur durchgeführt werden, wenn der Lkw nicht klimatisiert ist. Um diese Temperaturen während der Verladung und während des gesamten Transportes gewährleisten zu können, muss für die Vorhersage entlang der Strecke ein eigens von der Geosphere Austria entwickeltes Wettertool benutzt werden. Um sicherzustellen, dass die Regeln eingehalten werden, müssen die Bedingungen mit Fotos und Videos dokumentiert werden.

Nur grenzüberschreitende Transporte betroffen
Eine hohe Qualität bei den Tiertransporten sei auch der Vorarlberger Landwirtschaft und den Bäuerinnen und Bauern ein großes Anliegen, betont der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) gegenüber den VN. Er ergänzt: “Gleichzeitig ist es uns bei entsprechenden gesetzlichen Regelungen auch immer wichtig, dass diese praktikabel und umsetzbar sind, deshalb betrifft die aktuelle Verordnung auch nur (staats)grenzüberschreitende Transporte und nicht Inlandstransporte sowie keine Fahrten von und auf Alpen.”
Die in der aktuellen Verordnung vorgeschriebenen Normen würden großteils ohnedies im Sinne des Tierwohls bereits umgesetzt, sagt Gantner: “Aber auch hier gilt: Wir fordern, dass diese hohen Standards, die für unsere Landwirtschaft gelten, für alle Produkte in den heimischen Kaufregalen gelten. Alles andere ist scheinheilig!“
“Keine Schrauben oder Steine”
Die Grüne Landwirtschaftssprecherin Christine Bösch-Vetter begrüßt die neue Verordnung erwartungsgemäß: “Die Belastung möglichst gering zu halten, ist unsere ethische Verantwortung, handelt es sich doch um Lebewesen und nicht um Schrauben oder Steine.” Weite Strecken seien für die Tiere immer eine Belastung, doch Tierleid werde nun zumindest verringert.

Veronika Weissenböck von Vier Pfoten streicht trotz Lobs auch Punkte heraus, die weiterhin im Argen liegen: “Auch wenn die Verordnung wichtige Schritte in die richtige Richtung enthält, bleiben wir bei unserer Forderung nach einem kompletten Verbot des Transports von nicht entwöhnten Jungtieren und nach einem generellen Verbot von Langstreckentiertransporten in Drittstaaten.”
Denn viele Kälber würden von Österreich nach Italien zur Mast transportiert, sagt Weissenböck: “Dass Sammelstellen im Ausland, wie zum Beispiel jene in Bozen, von den strengeren Bestimmungen ausgeschlossen sind, ist völlig unverständlich. Von solchen Sammelstellen werden die Kälber dann weitertransportiert und damit ihrem Schicksal überlassen.” Auch der Verein gegen Tierfabriken (VGT) plädiert für ein Transportverbot von nicht entwöhnten Säugetieren, wie beispielsweise Kälbern unter zwei Monaten.

EU-Bürger wünschen sich Veränderung
Eine breite Ablehnung von langen und tierquälerischen Transporten zeigt sich auch auf EU-Ebene: In der aktuellsten Eurobarometer-Umfrage, die Ende 2023 veröffentlicht wurde, sprachen sich 83 Prozent der befragten EU-Bürgerinnen und -Bürger dafür aus, die Dauer von Tiertransporten zu begrenzen. Die zuletzt zähen Verhandlungen auf EU-Ebene für eine Reform des EU- Tiertransportgesetz werden voraussichtlich Ende Oktober wieder starten. “Wir müssen endlich Tiertransporte in Drittstaaten stoppen. Die Verhandlungen zum neuen EU-Tiertransportgesetz müssen oberste Priorität haben. Ich fordere daher alle Fraktionen auf, sich auf europäischer Ebene geeint für ein absolutes Maximum von 8 Stunden Transportzeit einzusetzen, ohne Ausnahmen”, sagt der EU-Abgeordnete Thomas Waitz (Grüne). Er ergänzt: “Österreich zeigt, wie es geht. Mit seiner neuen Tiertransportverordnung hat Tierschutzminister Johannes Rauch eine Verordnung vorgelegt, das Vorbildfunktion für das EU- Tiertransportgesetz hat.”