Für das Land darf niemand Medizin studieren

Politik / 14.08.2024 • 16:25 Uhr
ABD0038_20230707 – WIEN – …STERREICH: Teilnehmer vor Beginn des Aufnahmetests fŸr die Medizinische FakultŠt Wien am Freitag, 7. Juli 2023, in der Messe Wien. 15.400 Personen und damit etwas weniger als im Vorjahr dŸrfen sich heuer dem Aufnahmetest fŸr das Medizinstudium stellen. Zu vergeben sind an den Medizin-Unis Wien, Innsbruck und Graz bzw. an der […]
Der Aufnahmetest zum Medizinstudium lässt jedes Jahr aufs Neue viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzweifeln. APA/Robert Jäger

Dem Land Vorarlberg wären drei Studienplätze an der Medizinischen Universität Innsbruck gewidmet worden. Die Bewerber schafften den Aufnahmetest aber nicht – oder waren „zu gut“.

Bregenz, Innsbruck Wer in Österreich Medizin studieren will, muss viel Zeit und Geduld mitbringen. Der jährliche Aufnahmetest „MedAT“ an den vier Medizin-Unis ist berühmt-berüchtigt – für die 1900 Plätze in Wien, Innsbruck, Graz und Linz traten zuletzt 11.904 Bewerberinnen und Bewerber an. Manche von ihnen hatten es heuer etwas leichter als die anderen Kandidaten: 85 der Studienplätze waren nämlich für Aufgaben im öffentlichen Interesse reserviert.

75 Prozent als Mindestmaß

Bewarb sich eine Studieninteressierte etwa auf so einen der drei Plätze für das Land Vorarlberg, reichten ihr beim Aufnahmetest 75 Prozent, um fix an der Uni aufgenommen zu werden, außerdem winkte ein monatlicher Ausbildungsbetrag. Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden auf solchen Plätzen, nach Abschluss des Studiums für fünf Jahre im öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten – also etwa als Amtsärztin. Hätten sie das nicht getan, hätte eine empfindliche Vertragsstrafe gewinkt.

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Für die drei Vorarlberg gewidmeten Studienplätze gab es neun Bewerberinnen und Bewerber, heißt es aus dem Büro von ÖVP-Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher: „Zwei der neun Kandidaten erhalten durch Erreichen der ‚normalen Quote‘ einen regulären Studienplatz“, schreibt eine Sprecherin den VN. Sie waren also „zu gut“, um den gewidmeten Studienplatz in Anspruch nehmen zu können. „Sieben von den neun Bewerber:innen haben den Test nicht bestanden. Das bedeutet, dass kein gewidmeter Studienplatz für das Studienjahr 2024/25 für Vorarlberg vergeben werden kann“ Zuerst berichtete der „ORF Vorarlberg“ darüber.

Rüscher ortet „Verbesserungspotenzial“

Das Land ist über die Situation nicht glücklich: „Das Bundesmodell zeigt unserer Ansicht nach Verbesserungspotenzial auf und muss im kommenden Jahr entsprechend angepasst werden“, heißt es aus Rüschers Büro weiter. Das bestehende Modell führe nicht zum gewünschten Ziel, konkrete Vorschläge für Veränderungen könnten aber erst nach einem Diskussionsprozess genannt werden.

Maurice Shourot
Martina Rüscher ortet bei den gewidmeten Medizin-Studienplätzen Handlungsbedarf. Maurice Shourot

Doch Bildungsminister Martin Polaschek bremst bei Vorstößen in diese Richtung: „Das System der gewidmeten Medizin-Studienplätze funktioniert. Das beweisen die Anmeldezahlen der letzten Jahre. Dass es in Vorarlberg keine der Bewerberinnen und Bewerber geschafft hat, die erste Hürde trotz der Erleichterungen zu schaffen, ist natürlich bedauerlich“, sagt er den VN. Es brauche einen gewissen Leistungsstandard: „Im Sinne der Qualitätssicherung sowie der Leistungsgerechtigkeit gegenüber den anderen Bewerberinnen und Bewerbern.“ Ein VN-Rundruf zeigt, dass etwa das Land Tirol vier der fünf ihm gewidmeten Studienplätze belegen wird können, Niederösterreich acht von elf, Kärnten drei von vier.

ABD0030_20240626 – WIEN – …STERREICH: Bildungsminister Martin Polaschek (…VP) am Mittwoch, 26. Juni 2024, im Rahmen des Pressefoyers nach einer Sitzung des Ministerrats im Bundeskanzleramt in Wien. – FOTO: APA/EVA MANHART
Bildungsminister Martin Polaschek kann mit dem bestehenden System gut leben. APA/Eva Manhart