Kleinschulen auf der Kippe: Personalmangel belastet die Standorte

Im Herbst zählt die Bildungsdirektion noch 51 Klein- und Kleinstschulen in Vorarlberg. Der Personalmangel ist spürbar.
SChwarzach In Sibratsgfäll ist die Krise voraussichtlich abgewendet. Der Betrieb der Kleinschule scheint gesichert und beide Klassen Aussicht auf klassenführende Lehrpersonen zu haben. „Es ist eine Bewerbung eingegangen“, berichtet Bürgermeister Martin Bereuter mit Blick auf die noch fehlende Stellenbesetzung. Fix sei noch nichts, aber die Lage habe sich entspannt.

Für Sibratsgfäll ist der Personalengpass ein Déjà-vu. Schon vor zwei Jahren warb der Elternverein in einem Social-Media-Posting um neue Lehrkräfte. Zwei Stellen waren unbesetzt. „Schule mit guter Aussicht sucht Lehrpersonal“, hieß es. Vom „Abenteuer Kleinschule“ war die Rede. „Natürlich ist der Personalmangel eine riesige Herausforderung“, sagt der Bürgermeister. „Bisher haben wir es gemeinsam mit der Bildungsdirektion aber geschafft, die Schule zu erhalten.“ So soll es bleiben. „Wir haben wieder relativ viele Kinder.“ Der Nachbarort liege außerdem nicht sonderlich nah. Dorthin geht es dann in die Mittelschule.
Weniger Kleinschulen
Die Zahl der Kleinschulen im Land sinkt. 2009/10 gab es 64 Grundschulen mit jahrgangsübergreifenden Klassen. Im vergangenen Schuljahr zählte die Bildungsdirektion 57 Kleinschulen, im Herbst werden es 51 sein. 19 davon sind sogenannte Kleinstschulen mit weniger als 25 Kindern. Von Kleinschulen ist die Rede, wenn nicht für jede Schulstufe eine eigene Klasse eingerichtet werden kann. 1089 Schülerinnen und Schüler werden im kommenden Schuljahr eine Kleinschule besuchen, 348 eine Kleinstschule.

Die Volksschule in Schnepfau gilt als Kleinschule und ist zweiklassig aufgestellt. Eine klassenführende Lehrperson wird noch gesucht. Bürgermeister Robert Meusburger sieht trotzdem keinen Grund zur Sorge. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Herbst jemanden finden. Die Suche läuft.“ Der Standort sei gesichert. Die zehn Erstklässler könnten sich auf ihre Einschulung in Schnepfau freuen. Bis zum vergangenen Jahr sei das Personal nie ein Thema gewesen.
Volksschule Partenen vorübergehend geschlossen
Anders erging es anderen Schulen. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Kleinschulen stillgelegt. Das Aus in Partenen und Wald am Arlberg sorgte 2022 für Aufregung. Die Schülerinnen und Schüler aus Partenen besuchen mittlerweile die Volksschule in Gaschurn. Es habe sich gut eingespielt, berichtet Bürgermeister Daniel Sandrell. „Daher haben wir keine Stellen in Partenen ausgeschrieben.“ Es sei bereits schwierig, den Bedarf in Gaschurn zu decken.

„Wenn Lehrer da wären, könnten wir den Standort in Partenen jederzeit öffnen.“ Die Schule sei also nur vorübergehend stillgelegt. Wann sie wieder aufsperre, hänge von der Personalsituation ab, erklärt Sandrell. Derzeit befindet sich dort noch ein Kindergarten. Im Keller übt unter anderem die Guggamusik. Die Klassenzimmer stehen leer.

Schwierige Umstellung
In Wald am Arlberg lief die Umstellung holpriger. Die Situation hat sich laut Bildungsdirektion aber beruhigt. „Entscheidend ist vor allem, dass sich die Kinder an der Volksschule Dalaas wohl fühlen und der Schulweg mit dem Bus gut zu bewältigen ist.“

Insgesamt – erklärt eine Sprecherin der Bildungsdirektion – sei es nicht nur auf Stilllegungen zurückzuführen, dass die Zahl der Kleinschulen sinke. Im Kleinwalsertal wurden etwa auf Bestreben der Gemeinde die Standorte Hirschegg und Mittelberg zusammengelegt. Die Kinder aus Hirschegg nahmen schon heuer in Mittelberg am Unterricht teil. „Ab 2024/25 werden die Klassen und das Kollegium beider Schulen offiziell in der VS Mittelberg zusammengeführt.“ Das heißt, es fallen beide Schulen aus der Liste der Kleinschulen. Ähnlich ist es laut Bildungsdirektion mit der Volksschule Bersbuch. „Die Kinder besuchen ab 2024/25 die neugebaute VS Andelsbuch. Sie konnten schon in ihre neue Klasse hineinschnuppern und kennen die Mitschülerinnen und Mitschüler bereits vom Kindergarten, da es in Andelsbuch nur einen gemeinsamen Standort gibt.“