Politisches Ringen um eine Schutzzone gegen Abtreibungsgegner

Politik / 30.07.2024 • 19:34 Uhr
Mahnwache der Abtreibungsgegner. Gebet LKH Bregenz
Seit Schwangerschaftsabbrüche am LKH Bregenz möglich sind, finden dort auch sogenannte Mahnwachen statt. VN/Paulitsch

Das LKH Bregenz fordert eine Bannmeile gegen Demonstrationen vor dem Spital. Dafür braucht es den Bund. Mehrere Parteien sind dafür, eine dagegen – und die ÖVP schweigt.

Schwarzach Der Sichtschutz am LKH Bregenz funktionierte nur kurz, die Abtreibungsgegner haben sich mit höheren Transparenten beholfen. Drei Mal pro Woche halten sie vor dem Spital eine sogenannte Mahnwache ab. Eine Schutzzone vor Krankenhäusern, die Demonstrationen im Umkreis verbietet, gibt es nicht. Patientinnen und Krankenhauspersonal müssen an den Demonstranten vorbei. Im Krankenhaus wird das als Belastung wahrgenommen. Eine Bannmeile wäre nötig, heißt es dort. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) unterstützt die Forderung. Auch SPÖ und Neos treten dafür ein. Anders die FPÖ: Sie wehrt sich gegen jegliche Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie eine Umfrage der VN bei den Frauensprecherinnen aller im Nationalrat vertretenen Parteien zeigt. Auch wenn die Kundgebungen für die Patientinnen unangenehm seien, müssten sie erlaubt bleiben, solange sie ruhig ablaufen, sagt die Freiheitliche Rosa Ecker. 

Bleibt die ÖVP. Deren Frauensprecherin Elisabeth Pfurtscheller versprach Dienstagvormittag einen Rückruf binnen einer Stunde, meldete sich nach mehrmaliger Nachfrage aber nicht mehr. Aus dem Klub der Volkspartei hieß es  am Ende auch seitens einer Sprecherin zu den VN: Kein Kommentar.

Peter Bußjäger wird führendes Mitglied im UPTS.  Gorbach
Peter Bußjäger erklärt, dass eine Gesetzesänderung nicht ganz unheikel wäre. Jürgen Gorbach

Die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) erklärte bereits, dass es landesgesetzlich keinen Spielraum gebe, eine Schutzzone vor den Spitälern einzurichten. Es bräuchte eine Änderung des Versammlungsgesetzes, bestätigt auch Verfassungsjurist Peter Bußjäger. „Selbstverständlich kann man sachliche Gründe für eine Bannmeile sehen“, fügt er an. Allerdings könnten dann immer mehr Einrichtungen ähnliche Wünsche äußern. „Ganz unheikel ist es nicht“, sagt Bußjäger, „ohne das Anliegen in Zweifel ziehen zu wollen“.

Geldstrafe bei Protesten?

Die Grünen wünschen sich eine Lösung nach deutschem Vorbild. Dort müssen Abtreibungsgegner, die ungewollt Schwangere auf der Straße belästigen, mit Strafen von bis zu 5000 Euro rechnen. „Wir haben bei Innenminister Gerhard Karner bereits um einen Termin angesucht“, berichtet  Frauensprecherin Meri Disoski den VN. Die Forderung lasse sich im Rahmen des Sicherheitspolizeigesetzes unkompliziert umsetzen, ist sie überzeugt. Im Sinne des Gewaltschutzes sei so schnell wie möglich zu handeln. 

Was eine Änderung des Versammlungsgesetzes betrifft, wäre der Fristenlauf im Parlament noch vor der Wahl machbar. Voraussetzung ist die Einberufung einer Sondersitzung. Die Parteien könnten dabei etwa über einen Initiativantrag zur Einführung einer Schutzzone abstimmen. Dass es tatsächlich soweit kommt, gilt aber als unwahrscheinlich. 

ABD0047_20240111 – WIEN – …STERREICH: Meri Disoski (GrŸne) am Donnerstag, 11. JŠnner 2024, anl. der Konstituierenden Sitzung des U-Ausschusses zum “Rot-Blauen Machtmissbrauch” im Parlament in Wien. – FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER
Wir kennen das Problem der Belästigung, der Terrorisierung von ungewollt Schwangeren, wenn sie vor Beratungsstellen sind, wenn sie zu Kliniken gehen. Das ist eine Form der psychischen Gewaltausübung gegen Frauen, die unterbunden werden muss. Meri Disoski, Grüne APA
Rosa Ecker, FPÖ
Wenn der Protest ruhig ist und kein Radau entsteht, muss man ihn auch vor den Krankenhäusern zulassen. Ich verstehe, dass er in einer emotionalen Ausnahmesituation schwerer wiegt. Die freie Meinungsäußerung darf man aber nicht verbieten. Rosa Ecker, FPÖ Parlamentsdirektion/Topf
ABD0054_20240622 – WIEN – …STERREICH: Eva Maria Holzleitner (SP…) am Samstag, 22. Juni 2024, anlŠsslich einer Pressekonferenz der SP… zum Thema Asylpapier in Wien. – FOTO: APA/ALEX HALADA
Eine Schutzzone ist eine Forderung, die wir als SPÖ-Frauen schon lange aufstellen. Es scheitert aber an den rechtskonservativen Kräften im Parlament. Die Fristenregelung ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Sie wird nicht mehr in Frage gestellt. Eva Maria Holzleitner, SPÖ APA
ABD0057_20240131 – WIEN – …STERREICH: Henrike Brandstštter (NEOS) im Rahmen einer Sitzung des Nationalrates im Parlament, am Mittwoch, 31. JŠnner 2024, in Wien. – FOTO: APA/MAX SLOVENCIK
Es ist ein absolutes Unding, wenn Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen und dann belästigt werden. Menschen, die vor Abtreibungseinrichtungen demonstrieren, dringen in die höchstpersönliche Privatsphäre von Frauen ein. Henrike Brandstötter, Neos APA