Handwerkerbonus soll Branche anregen und Privatpersonen unterstützen

Am Montag startete die Konjunkturmaßnahme mit gröberen technischen Problemen.
Wien Wer einen Handwerker engagiert, kann auf staatliche Unterstützung hoffen. Der Handwerkerbonus ist in Kraft. Die Antragsstellung ist einfach gestaltet, dennoch gibt es ein paar Punkte zu beachten. Die VN informiert, wem der Bonus zusteht und wie man ihn bekommt.
Für welchen Zeitraum gilt der Handwerkerbonus?
Die Arbeitsleistungen können rückwirkend ab 1. März dieses Jahres und bis Ende 2025 beantragt werden. Seit Montag können die Anträge gestellt werden.
Wem steht der Bonus zu?
Der Handwerkerbonus ist ein finanzieller Anreiz für Handwerksleistungen im privaten Wohn- und Lebensbereich. Gefördert werden Arbeitsleistungen von Handwerkern im eigenen Zuhause, egal ob es sich um Eigentum oder Miete handelt. Dazu zählen zum Beispiel Sanierungsmaßnahmen, der Einbau von Klimaanlagen, Ausmalarbeiten, Kücheneinbau oder Fliesenlegen. Aber auch Arbeitsleistungen im Zusammenhang mit dem Hausbau, bzw. der Wohnraumschaffung sind umfasst. Die Kosten für die Arbeitsleistung dürfen nicht durch eine Versicherungsleistung gedeckt sein. Mehrere Rechnungen können in einem Antrag zusammengefasst werden. Das soll die Antragstellung erleichtern.
Welche Arbeiten unter den Handwerkerbonus fallen:
Zur detaillierten Liste des Arbeits- und Wirtschaftsministeriums
Mit wieviel Geld kann man rechnen?
Es gibt zwei Förderperioden, nämlich die Kalenderjahre 2024 und 2025. Gefördert werden 20 Prozent der reinen Arbeitsleistung ohne Umsatzsteuer. Materialkosten werden nicht bezuschusst. Im Kalenderjahr 2024 gilt eine Förderobergrenze von 2000 Euro pro Jahr und Wohneinheit. Im Jahr 2025 gibt es eine Obergrenze von 1500 Euro pro Person und Wohneinheit. Es stehen 300 Millionen Euro zur Verfügung.
Wo kann man den Antrag stellen?
Die Beantragung erfolgt online. Die Abwicklung übernimmt die Buchhaltungsagentur des Bundes (BHAG) im Auftrag des Arbeitsministeriums.
Beim Antrag müssen Name, Adresse, IBAN und Rechnung angegeben werden. Zur Identifikation des Antragsstellers ist die Anmeldung mittels ID Austria
oder das Hochladen eines gültigen Lichtbildausweises notwendig. Wer den Antrag nicht online einbringen kann, wird beim Gemeindeamt beraten. Gleich zum Start gab es online gröbere technische Probleme, unter anderem funktionierte die Identifikation via ID Austria nicht. Die BHAG arbeite mit dem Bundesrechenzentrum an einer Behebung der Fehler.
Was erhofft sich die Politik?
Laut zuständigem Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft werden durch den Handwerkerbonus zum einen wichtige Sanierungsimpulse gesetzt, um bestehenden Wohnraum zu verbessern und zu ökologisieren. Zum anderen ist der Handwerksbonus Teil des Konjunkturpakets „Wohnraum und Bauoffensive“. „Der Handwerkerbonus ist ein wichtiger Beitrag, um die Bauwirtschaft anzukurbeln und Handwerksbetriebe zu unterstützen. Durch die gezielte Förderung von Arbeitsleistungen im Wohn- und Lebensbereich schaffen wir Anreize für Investitionen und tragen zur Schaffung und Sanierung von Wohnraum bei”, sagt Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP).

Wie geht es der Branche generell?
Die Auftragslage in der Bauwirtschaft ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent zurückgegangen, informiert der Minister. Gleichzeitig entgehen dem Staat hohe Einnahmen durch die Schwarzarbeit. Der Linzer Ökonom und Schwarzarbeitsexperte Friedrich Schneider schätzt das Volumen der Schwarzarbeit in diesem Jahr auf 34,5 Mrd. Euro, also rund 7,5 Prozent der offiziellen Wirtschaftsleistung. Das ist ein Anstieg um 1,25 Mrd. oder 3,8 Prozent gegenüber 2023. Der Handwerkerbonus rechne sich daher auch für den Staat, sagt Renate Scheichlbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, weil “Schwarzarbeit verhindert wird und sich die Maßnahme selbst finanziert”.
Wie beurteilen Vorarlbergs Handwerker den Bonus?
Manuel Mähr hat vergangenes Jahr den Familienbetrieb seines Vaters in Schlins übernommen. Der 30-jährige Tischler bezeichnet den Handwerkerbonus als “richtigen Schritt im richtigen Moment”. Bis vor wenigen Monaten hätte es aus den Coronajahren noch viel zum Aufarbeiten gegeben, durch die Lockdowns blieben viele Aufträge liegen. In den vergangenen zwei bis drei Monaten hätten aber auch seine Kollegen gemeldet, dass weniger Aufträge kommen. Das liege wohl auch an der aktuellen Teuerung. “Der Handwerkerbonus rentiert sich für die Leute und uns Handwerkern hilft er ebenfalls sehr”, sagt Mähr den VN. Allerdings, so ergänzt er, hätten 80 Prozent der Menschen bislang nicht von der Maßnahme gehört. “Ich spreche die Kunden jetzt bei jedem Projekt darauf an.”