“Abtreibung muss kostenlos werden”

Sozialminister Johannes Rauch fordert freien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Außerdem müssten sie legalisiert werden.
SChwarzach Freier Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Das fordert Gesundheitsminister Johannes Rauch und meint nicht nur die Kostenübernahme. Er fordert, den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Mit der Fristenregelung sind Abtreibungen zwar straffrei gestellt, bleiben aber illegal. Einen freien Zugang fordert auch der Verein Amazone, dessen Geschäftsführerin die aktuellen Kosten als Hindernis für viele ungewollt Schwangere bezeichnet. Die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher verweist auf VN-Anfrage auf das Angebot im Landeskrankenhaus Bregenz. Dieses garantiere ein sicheres und anonymes Umfeld. Eine Kostenübernahme bei nicht medizinisch notwendigen Eingriffen schließt sie aus.
Sozialversicherung soll Kosten tragen
Am Montag erklärte Rauch am Rande einer Pressekonferenz, dass ein freier Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen sichergestellt werden müsse. “Wer das infrage stellt, treibt Frauen in den Untergrund und in eine medizinische Notlage.” Ein Ressortsprecher konkretisiert auf VN-Nachfrage, dass Schwangerschaftsabbrüche flächendeckend in öffentlichen Krankenanstalten verfügbar und sowohl für Frauen als auch für das Gesundheitspersonal stigmafrei sein müssten. “Auch die anonyme Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen muss möglich sein.” Zusätzlich wäre es im Sinne des Gesundheitsschutzes und der Umsetzung der Frauenrechte, dass die Kosten durch die Sozialversicherungsträger übernommen werden. Eine zukünftige Regierung sollte unbedingt angehen, den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch zu entfernen. Dies liege nicht in der Verantwortung des Sozial- und Gesundheitsministeriums. Außerdem hat die aktuelle Legislaturperiode mit 29. September ein baldiges Ablaufdatum.

Sicheres Umfeld in Vorarlberg
In Vorarlberg können sich Frauen auf ein sicheres und möglichst anonymes Umfeld verlassen, sollten sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, erklärt Gesundheitslandesrätin Rüscher. Umfassende Aufklärung sei dabei zentral. Das oberste Ziel bleibe: “Ein ‚Ja‘ zum Kind zu ermöglichen. Daher werden Beratung und Information deutlich verstärkt.“ Schwangerschaftsabbrüche, die nicht medizinisch begründet sind, aber im Rahmen der österreichischen Fristenlösung passieren, würden im Landeskrankenhaus Bregenz organisiert. „Die medizinische Leistung wird sowohl räumlich als auch organisatorisch strikt von der gynäkologischen Bettenstation getrennt.“
Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch müssen die Frauen selber tragen, es sei denn, der Abbruch ist aus medizinischen Gründen notwendig. „Dies beruht auf dem Prinzip, dass die öffentliche Hand begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat, die prioritär für medizinisch notwendige Eingriffe und die allgemeine Gesundheitsversorgung eingesetzt werden sollten.“

“Kosten verhindern gerechten Zugang”
Im Verein Amazone, einer Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, sieht man das differenzierter. „Die derzeitigen Kosten verhindern einen gerechten Zugang“, erklärt Geschäftsführerin Angelika Atzinger mit Blick auf junge und einkommensbenachteiligte Frauen. Die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche sollten unbedingt von der öffentlichen Hand übernommen werden. „In unserer Beratungsstelle machen wir die Erfahrung, dass keine der Frau die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch leichtfertig trifft.“ Die Gesellschaft müsse Frauen endlich zutrauen, dass sie selbstbestimmt diese Entscheidung treffen können. Die aktuellen Kosten seien definitiv ein Hindernis. „Daher wäre ein kostenloses Angebot wichtig oder alternativ dazu, eine Kostenübernahme für Personen, die sich den Abbruch nicht leisten können“, plädiert die Amazone-Geschäftsführerin.