Immer weniger machen Intensivvorbereitung für das Medizinstudium

Die Zahl bei den längeren Kursen ist aber konstant. Rüscher fordert Reform der Aufnahmetests.
Darum geht’s:
- Die Zahl der Teilnehmer an Vorbereitungskursen für das Medizinstudium geht zurück.
- Der Rückgang wird durch den demografischen Wandel, das größere Angebot an Studien und Online-Kurse erklärt.
- Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Gesundheitsexperte Armin Fidler fordern eine Reform der Aufnahmeprüfung.
Schwarzach Das Medizinstudium ist schon richtig schwierig, bevor es überhaupt begonnen hat. Die Aufnahmetests sind berüchtigt. Heuer haben 11.735 Österreicherinnen und Österreicher in Wien, Graz, Innsbruck und Linz teilgenommen. Alle rittern um eine der 1850 Plätze. Wie Laura Dür aus Bildstein. Die VN haben darüber berichtet. Die 19-Jährige erzählte damals: “Man kann sich nicht unendlich vorbereiten, da das Themenfeld so groß ist.” Damit Vorarlbergerinnen und Vorarlberger wie Laura Dür den Aufnahmetest schaffen, fördert die Landesregierung einen Vorbereitungskurs in Schloss Hofen. 74.000 Euro hat das im Vorjahr gekostet. Die Zahl der Kursteilnehmer geht allerdings zurück.
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Das zeigen aktuelle Zahlen aus einer Anfragebeantwortung von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) an die Neos. Im Jahr 2014 haben 145 Personen am Probetest teilgenommen. Heuer waren es 57. Den Intensivkurs haben im Jahr 2014 81 Personen besucht, heuer 35. Nur beim Lehrgang bleibt die Teilnehmerzahl konstant. Im Jahr 2014 haben ihn 24 Personen besucht. Heuer waren es gleich viel, für das kommende Jahr ist der Lehrgang mit 23 Teilnehmern bereits ausgebucht.

Rainer Längle ist der zuständige Programmbereichsleiter in Schloss Hofen. Er erläutert: “Der große Bruch bei den Probetests haben wir durch Corona erlebt.” Mittlerweile sind die Probetests stärker in den Lehrgang integriert. Darum sind die Zahlen niedriger als vor Corona. Bei den Intensivkursen merke man, dass der Trend von der kurzen intensiven Vorbereitungszeit weg geht. “Das berichten auch unsere Partner in Tirol.” Der Intensivkurs ist für jene Schülerinnen und Schüler, die sich speziell in den Osterferien vorbereiten möchten. Dem gegenüber steht der Lehrgang, der im Jänner beginnt und dreieinhalb Monate dauert. “Für kommendes Jahr sind wir schon wieder voll”, betont Längle.
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Er macht aber noch andere Gründe für den Rückgang fest. So müsse man dabei den demografischen Wandel im Auge haben. “Wir merken selbst, dass die Maturantenzahlen nicht steigen. Gleichzeitig gibt es ein größeres Angebot an Studien.” Dasselbe gilt für Vorbereitungskurse. “Mittlerweile gibt es viele solche Kurse online. Außerdem geht der Trend in Richtung Coaching. Manche Schüler nehmen sich einen Trainer und bereiten sich speziell vor”, erklärt Rainer Längle.
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Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher fordert insgesamt mehr Studienplätze in Österreich. “Das ist der Wunsch aller Gesundheitsreferenten. Aber die Universitäten sehen das anders.” Auch die aktuelle Aufnahmeprüfung sieht sie kritisch. “Die Sozialkompetenz sollte weit höher bewertet werden als andere Fähigkeiten. Im Moment wird eher danach gefragt, ob jemand das Studium schafft und weniger, ob jemand ein guter Arzt oder eine gute Ärztin ist.”
Vorbilder USA und Deutschland
Auch Gesundheitsexperte Armin Fidler sieht Reformbedarf bei der Prüfung. “Man muss sich schon fragen, ob diese Aufnahmetests überhaupt noch Sinn ergeben. Viele der Eliteuniversitäten in den USA haben aufgehört, standardisierte Tests zu verlangen.” Sie würden vielmehr auf berufliche Vorerfahrung oder Praktika setzen. Manche würden die Kandidatinnen und Kandidaten auch zu Interviews laden. “Bei einem Standardtest ist die Frage, ob man wirklich die richtigen Leute auswählt. Also jene, die dann auch für den Beruf geeignet sind”, betont Fidler. Darüber müsse man nachdenken. Rüscher sieht es ähnlich: “Zunächst sollte man die Inhalte der Prüfung adaptieren. Dann könnte man einen kleineren Kreis zu Gesprächen einladen.” Außerdem müssten Aktivitäten wie der Zivildienst oder Praktika berücksichtigt werden. “So ein Modell gibt es in Deutschland, bei uns leider nicht.”
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Für Gesundheitslandesrätin Rüscher ist die Zahl der Aufnahmetests nur ein Teil des Puzzles im Ringen um mehr Ärztinnen und Ärzte. Die Hälfte aller Mediziner verlässt nach der Ausbildung Vorarlberg. Zwar kehrt nach zwei Jahren davon ein Drittel wieder ins Land zurück, betont Rüscher. “Aber wir müssen schauen, dass es erst gar nicht so weit kommt.”
Davon ist Laura Dür aus Bildstein noch weit entfernt. Sie hat den Test bestanden und studiert jetzt Medizin.