Warum die Wohnbauförderung auch der Baubranche hilft

Politik / 28.11.2023 • 18:30 Uhr
Warum die Wohnbauförderung auch der Baubranche hilft

Kriterien für Wohnbauförderung ändern sich, was die Baubranche aufatmen lässt. Neos kritisieren aber fehlende Finanzierung.

Bregenz Die Politik hat sich dem angespannten Wohnungsmarkt angenommen. Die neuen Wohnbauförderungsrichtlinien sollen Menschen in Vorarlberg helfen, sich wieder Eigentum leisten zu können. Dazu werden zum Beispiel die Höchstbeträge angehoben, eine zweiköpfige Familie kann bis zu 150.000 Euro Darlehen mit einem Fixzins von 1,25 Prozent auf 35 Jahre bekommen. Jetzt steht auch fest: Die Kriterien für die Darlehen werden geändert. Für die Branche ein gutes Signal. Indes kritisieren die Neos, dass die Einnahmen aus der Wohnbauförderung früher nicht nur dafür verwendet wurden.

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Die hohen Baukosten sind nicht nur für die klassischen Häuslebauer ein Problem geworden. Auch die Preise für Eigentumswohnungen kletterten in nie dagewesene Höhen. Ein wichtiges Kriterium, um Wohnbauförderung zu erhalten, ist allerdings der Preis. Kostet die Wohnung zu viel, gibt es keine Förderung mehr. In den vergangenen Jahren war das allerdings ziemlich egal. Die niedrigen Kreditzinsen haben die Wohnbauförderung im Vergleich unattraktiv gemacht. Heuer sieht die Sache aber anders aus: Aufgrund der hohen Zinsen und der strikten Kreditvergaberegeln durch die KIM-Verordnung erlebt die Wohnbauförderung eine Renaissance. Viele Wohnungen sind jedoch gar nicht mehr förderungswürdig, weil sie schlicht zu teuer sind. Diese Obergrenzen werden jetzt angehoben.

Wohnbauförderung als Anschub?

Für Karlheinz Bayer, Geschäftsführer von i+R Wohnbau, ein gutes Signal. „Das ist auch für das Bauträgergeschäft wichtig. Durch die Anhebung der Kriterien fallen wieder Wohnungen in die Wohnbauförderung, das könnte die ganze Branche ankurbeln.” Zwar würde der Boom der letzten Jahre nicht mehr zurückkehren. Aber: „Das wollen wir nicht. Aber wir hoffen, dass damit der Markt angeschoben wird und alles wieder etwas ins Laufen kommt.” Denn der Markt sei massiv eingebrochen. Bayer glaubt, dass in Vorarlberg heuer rund 60 Prozent weniger Wohnungen gebaut werden; aber nur, weil viele Projekte noch fertiggestellt werden. Im kommenden Jahr dürfte der Markt noch weiter einbrechen. „Unser Verkaufsvolumen ist auf 20 bis 25 Prozent vom Vorjahr eingebrochen”, fährt Bayer fort. Er hofft, dass sich der Wind auch durch die Wohnbauförderung wieder etwas dreht.

Karlheinz Bayer hofft, dass mit der neuen Wohnbauförderung auch die Branche wieder in Schwung kommt. <span class="copyright">i+R/Mayer</span>
Karlheinz Bayer hofft, dass mit der neuen Wohnbauförderung auch die Branche wieder in Schwung kommt. i+R/Mayer

Die Landesregierung nimmt etwas mehr Geld in die Hand als im Jahr zuvor. Allerdings brechen die Rückflüsse ein, das Land muss also aus dem laufenden Budget zuschießen. Das wiederum sorgt für Kritik aus der Opposition. Die Neos haben vorgerechnet, wie hoch der Überschuss aus der Wohnbauförderung in den vergangenen Jahren war. Klubobmann Johannes Gasser ärgert sich: „Wir fordern schon lange einen Wohnbaufonds. Da hätte man die Überschüsse einzahlen können, damit man sie in Zeiten wie diesen verwenden kann. Die Wohnbauförderungsbeiträge und die Rückzahlungen müssen zweckgewidmet werden”, sagt Gasser.

Warum die Wohnbauförderung auch der Baubranche hilft

Die Wohnbauförderung finanziert sich aus den Rückzahlungen der Darlehen und dem Wohnbauförderungsbeitrag. Jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin im Land zahlt ein Prozent des Lohns in den Topf. „Doch dieses Geld geht teilweise einfach im allgemeinen Budget auf”, betont der Neos-Klubobmann. Beispiel 2022: 177 Millionen Euro sind aus Rückflüssen und Wohnbauförderungsbeitrag zusammen gekommen. Ausgegeben wurden aber nur 136 Millionen Euro. Die restlichen 41 Millionen sind für andere Dinge verwendet worden, fährt Gasser fort. In den Jahren 2019 bis 2023 sind so 255 Millionen Euro zusammengekommen. „Man hat mit viel Geld der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger einfach Löcher im Budget gestopft.” Er hofft, dass dieses Geld zumindest in Zukunft zweckgewidmet wird.

Johannes Gasser fordert eine Zweckwidmung der Einnahmen der Wohnbauförderung. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Johannes Gasser fordert eine Zweckwidmung der Einnahmen der Wohnbauförderung. VN/Hartinger

Karlheinz Bayer ist einfach nur froh, dass Bewegung in die Sache kommt. „Wir haben schon Anfang des Jahres gesehen, dass der frei finanzierte Wohnbau in den Keller rasselt. Deshalb haben wir uns sehr früh mit der Politik zusammengesetzt, weil wir keinen Vollcrash gegen die Tunnelwand hinlegen wollten”, erzählt der Geschäftsführer von i+R Wohnbau. Die Wohnungspreise selbst dürften hingegen nicht so schnell sinken, fährt der Experte fort. Zwar sind die Baupreise wieder etwas niedriger, allerdings verteuern die aktuell hohen Kreditzinsen auch die Bauprojekte. „Die Zinsen sind mittlerweile ein markanter Kostenpunkt geworden.” Und da sich Wohnungspreise zu zwei Dritteln aus den Personalkosten und einem Drittel aus dem Material zusammensetzen, wird der Preis bei den zu erwartenden Lohnabschlüssen hoch bleiben.

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