Ukrainische Vertriebene: Am Arbeitsmarkt angekommen

Großteil hat einen Job gefunden, viele in der Gastronomie und im Tourismus.
Darum geht’s:
- Seit April haben ukrainische Vertriebene in Vorarlberg freien Zugang zum Arbeitsmarkt.
- Die Anzahl der unselbstständig beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainer ist gestiegen.
- Die meisten ukrainischen Kinder in Vorarlberg besuchen Volks- und Mittelschulen.
Schwarzach Im Februar 2022 hat Russland das Nachbarland Ukraine überfallen. Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Zahlreiche Menschen sind vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet, auch nach Vorarlberg. Die Vertriebenen haben einen Sonderstatus, müssen keinen Asylantrag stellen und dürfen im Gegensatz zu Asylwerbern auch arbeiten. Am Arbeitsmarkt fällt die Zwischenbilanz dem Land zufolge positiv aus. Der Großteil hat demnach einen Job.
Freier Zugang seit April
Insgesamt sind momentan an die 2360 Geflohene aus der Ukraine im Land gemeldet. Darunter sind aber auch Kinder, Jugendliche und Ältere. Seit April haben die Vertriebenen freien Zugang zum Arbeitsmarkt, es braucht keine Beschäftigungsbewilligung mehr. Nun werden sie auch in den Arbeitslosenzahlen erfasst. Das Arbeitsmarktservice AMS verweist darauf, dass die Zahl der unselbstständig beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainer von 722 im April auf 923 im September gestiegen ist. Einen aktuelleren Wert gibt es nicht. Zudem würde er neben den Vertriebenen auch andere ukrainische Personen umfassen, welche sich bereits seit Jahren auf dem Vorarlberger Arbeitsmarkt befänden. Gleichwohl dient die Zahl als Annäherung. Auch der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) bezieht sich darauf. Sie entspreche rund 90 Prozent der etwa 1030 Ukrainer, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. „Arbeit ist für uns ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Die Gruppe der ukrainischen Kriegsgeflüchteten ist dafür ein besonders gutes Beispiel.“ Der Landesrat thematisiert auch, dass etwa 40 Prozent im Bereich Gastronomie und Tourismus tätig seien. „Durch ihre Arbeit verbessern und trainieren sie ihre Deutsch-Kenntnisse und haben gesellschaftliche Teilhabe.“

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Mit Stand Oktober waren indes 169 Arbeitslose und Schulungsteilnehmer aus der Ukraine beim AMS vorgemerkt, im Monat zuvor waren es 124. Dem AMS zufolge hat der Anstieg mit den touristischen Berufen zu tun. Mit dem Ende der Sommersaison habe es nämlich nicht nur unter den Vertriebenen mit diesem Berufsbild eine Zunahme gegeben. Die meisten der im Oktober Vorgemerkten, nämlich 64, verfügen über einen Pflichtschul-, 43 über eine akademische Ausbildung, bei 33 scheint dazu noch nichts in der Statistik auf. Das liege daran, dass noch nicht alle Abklärungen beziehungsweise Anerkennungsverfahren abgeschlossen seien, teilt das AMS mit. 65 Prozent waren weiblich. Die vorgemerkten Personen erhalten in Vorarlberg über den sogenannten „Check In“ eine Beratung über Ausgangslage und Kompetenzen, schildert Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter. Darauf aufbauend werde weitergeschaut – ob es etwa eine Nostrifizierung, also die Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses, brauche. „Der Spracherwerb ist sehr wichtig“, betont Bereuter. Mit dem Integrationsfonds gebe es entsprechende Angebote.

336 ukrainische Kinder in den Schulen
Seit dem neuen Schuljahr besuchen auch 336 ukrainische Kinder eine Vorarlberger Schule. Ende letzten Jahres waren es noch 350. Wieso es zu einem Rückgang kam, lässt sich aus den Zahlen nicht herauslesen. Es erscheine sowohl möglich, dass es zu einer Rückkehr in die Ukraine kam oder aber ältere Jugendliche auch einfach nicht mehr die Schulbank drücken müssen, sagt Elisabeth Mettauer, Sprecherin der Bildungsdirektion. Der Großteil verteilt sich auf Volks- und Mittelschulen, mit 165 beziehungsweise 130 Kindern. „Bei uns gilt Schulpflicht. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Schülerinnen und Schüler parallel dazu an einem Online-Unterricht in der Ukraine teilnehmen.“

Da viele der ukrainischen Kinder über keine Deutsch-, teilweise auch keine Englisch-Kenntnisse verfügen, besuchen sie eine Deutschförderklasse. „Seit Ausbruch des Krieges wurden mehr davon errichtet. Das hat sich gut eingespielt. Auch konnten vereinzelt ukrainische Erwachsene mit einer pädagogischen Ausbildung angestellt werden“, schildert Mettauer. Dies helfe bei der Verständigung. Dazu kämen viele Kontakte der Kinder und Familien im sozialen Umfeld der Gemeinde, die beim Spracherwerb helfen.