Schocktober

Und auch im Oktober gab es beim Klima schockierende Entwicklungen. In Langenlebarn (NÖ) wurden in den ersten Oktobertagen 30,3°C gemessen. Ein Hitzetag mit über 30°C. Das war der wärmste Oktobertag der Messgeschichte in Österreich. Aber es gab heuer nicht nur den heißesten Tag der Messgeschichte, es ist auch der ganze Monat der wärmste Oktober in Österreich, der jemals gemessen wurde. Und auch der September. Zwei Monate hintereinander als die jeweils wärmsten , auch das ist bisher einmalig.
„Und somit ist der Oktober auch global der wärmste jemals beobachtete.“
Im Osten Österreichs gab es im Oktober noch Tropennächte etwa in Eisenstadt, Wiener Neustadt und Gumpoldskirchen. Und auch bei den mittleren Werten über ganz Österreich gab es eine besonders starke Abweichung. Und zwar beim Tagesmittel der Lufttemperatur am 20. Oktober: Es lag unglaubliche 8,4°C über dem Mittel der Klimanormalperiode 1961 bis 1990.
Aber nicht nur bei uns, auch bei unseren Nachbarn in Süddeutschland kletterte das Thermometer an einem so späten Tag wie noch nie zuvor, am 13. Oktober, auf über 30°C, ebenso ein Hitzetag. 10 Tage später wie oben erwähnt in Niederösterreich. Und auch in der globalen Betrachtung, also der mittleren täglichen Lufttemperatur über die gesamte Erde, liegen die Werte seit Anfang des heurigen Sommers so gut wie andauernd über den bisher gemessenen Werten. Und somit ist der Oktober auch global der wärmste jemals beobachtete.
Dieser Herbst ist also besonders warm. Das ist einerseits eine Folge des menschengemachten Klimawandels und somit also unserer Treibhausgasemissionen. Warum ist er aber gerade heuer so extrem warm? Es gibt mehrere Erklärungsansätze. Ist dies etwa eine natürlich auftretende Klimavariabilität, die gemeinsam mit dem menschengemachten Klimawandel dafür sorgt? Welchen Anteil hat El-Niño (eine Klimaschwankung im Pazifik mit globalem Einfluss)?
Die wahrscheinlichste Ursache für die besonders hohen Temperaturen diesen Herbst ist die Verbesserung (!) der Luftqualität. In den letzten Jahren ist es nämlich gelungen, den Ausstoß von Schwefelverbindungen durch die Schifffahrt, die zur Wolkenbildung und somit zur Kühlung beitragen, zu verringen. Das hieße aber auch, dass diese, durch Schadstoffe verursachte, jetzt eben fehlende Kühlung weiterhin zur Erderhitzung beiträgt.
Die Dringlichkeit der Lösung der Klimakrise ist für die Ende dieses Monats beginnende Weltklimakonferenz in Dubai (Conference of the Parties (COP) 28) somit noch weiter gestiegen. Damit dies nämlich der letzte Oktober mit solch schockierenden Entwicklungen ist, der letzte Schocktober.
Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.