Walgau 2023: Was Sie über die große Übung in zwei Wochen wissen sollten

Politik / 24.10.2023 • 12:01 Uhr
Das Bundesheer übt in der zweiten Woche in Vorarlberg. Auch ein Terroranschlag mitten in Feldkirch wird beübt. Bundesheer, APA, VN

Das Bundesheer übt in der zweiten Novemberwoche im Walgau und Feldkirch. Vor allem die Montfortstadt wird aus nächster Nähe erleben, auf was sich die Einsatzorganisationen vorbereiten.

Darum geht’s:

  • Erstmals zieht das Bundesheer die Reaktionskräfte aus ganz Österreich für eine Übung zusammen.
  • Die Übung zielt auf den Kernauftrag des Bundesheeres ab, die Landesverteidigung.
  • Die Übung dient der Vorbereitung auf neue Bedrohungen und dem Zusammenwirken der Einsatzorganisationen.

Bludesch, Bregenz, Feldkirch In der zweiten Novemberwoche erlebt Vorarlberg eine Österreichpremiere: Erstmals zieht das Bundesheer die Reaktionskräfte aus ganz Österreich für eine Übung zusammen. Dafür wird am Donnerstag das Bundesheer im Zentrum von Feldkirch sehr sichtbar sein.

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Was wird geübt?

Die angenommene Bedrohungslage ist eine sogenannte hybride Bedrohung: In “Südland”, dort wo in Realität Graubünden und Liechtenstein liegt, ist ein Konflikt ausgebrochen, Teile der Bevölkerung werden von den “Befreiern” terrorisiert. Diese wollen durch Vorarlberg durch nach “Nordland” fliehen, während die “Befreier” den Konflikt nach Vorarlberg tragen wollen. Die Flüchtlingswelle und die Gefahr von Gewalt zwischen den Flüchtlingen und Terroranschläge in Vorarlberg selbst sind die Grundlage für einen sogenannten sicherheitspolitischen Assistenzeinsatz. Sprich, das Bundesheer mobilisiert Einheiten, um gemeinsam mit der Polizei für Sicherheit zu sorgen. Hybrid bedeutet, dass die Gefahr nicht in einer Armee an der Landesgrenze besteht, sondern aus im Untergrund organisierten Gegnern, die auf Fehlinformation, Terror und Destabilisierung einer Gesellschaft setzen. Die Übung zielt damit auf den Kernauftrag des Bundesheeres ab, die Landesverteidigung.

Landeshauptmann Markus Wallner, Landesmilitärkommandant Gunther Hessel und Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher gaben am Dienstag einen ersten Einblick in Walgau 2023. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Landeshauptmann Markus Wallner, Landesmilitärkommandant Gunther Hessel und Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher gaben am Dienstag einen ersten Einblick in Walgau 2023. VN/Rauch

Warum wird geübt?

“Es ist nicht so, dass der Terror vor der Tür steht”, betont Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher. “Wir bereiten uns aber möglichst frühzeitig vor.” Da ein Assistenzeinsatz geübt wird, unterstehen die Soldaten bei den Szenarien der Polizei und unterstützen diese. Ihm geht es vor allem um die Schnittstellen zwischen den Einsatzorganisationen von Polizei über Heer bis zur RFL und Rotes Kreuz, die die Zusammenarbeit üben können. Schlussendlich müssen Gemeinden, Polizei, Cobra, Rotes Kreuz, RFL und das Bundesheer ihr Zusammenwirken üben können. “Wir sind sicher gut beraten, uns auf neue Bedrohungen vorzubereiten, man sollte das nicht unterschätzen”, warnt auch Landeshauptmann Markus Wallner. Der Schutz der Bevölkerung stehe immer an oberster Stelle, entsprechend begrüßenswert sei die Übung auf allen Ebenen.

Die Pandur-Panzerfamilie ist eine österreichische Eigenentwicklung. Der Radpanzer dient als Schützenpanzer in gehärteten Jägerkompanien und zur Kontrolle von Menschenansammlungen in Friedenseinsätzen. <span class="copyright">REUTERS/Dominic Ebenbichler</span>
Die Pandur-Panzerfamilie ist eine österreichische Eigenentwicklung. Der Radpanzer dient als Schützenpanzer in gehärteten Jägerkompanien und zur Kontrolle von Menschenansammlungen in Friedenseinsätzen. REUTERS/Dominic Ebenbichler

Für das Bundesheer ist bereits die Verlegung in kurzer Zeit über weite Distanzen eine logistische Herausforderung, die geübt sein will. Die zwei Tage an Einsatzübungen dienen der Abrundung. Hier werde auch das Führungspersonal gefordert sein, aktiv auf Überraschungen zu agieren und auch das Heft in die Hand zu nehmen. “Wir müssen die extremsten Szenarien üben, dann sind wir auch auf andere Herausforderungen vorbereitet”, betont Landesmilitärkommandant Gunther Hessel. Er will der Bevölkerung auch zeigen, dass Polizei und Heer mögliche Gefahren ernst nehmen und vorbereitet sind, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.

Wie läuft die Übung ab?

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen bereits ein Jahr, mit diesem Dienstag beginnt die Übung für die Kommandostrukturen. Am 2. November werden die Reaktionskräfte alarmiert und am Montag, dem 6. November, in Salzburg zusammengezogen. Während ein Vorauskommando eingeflogen wird, reisen die Soldaten über zwei Strecken nach Vorarlberg und richten sich in der Walgaukaserne ein.

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Am Mittwoch wird der Schutz von kritischer Infrastruktur vor drohenden Terroranschlägen geübt. In der Feuerwehrschule soll ein Brand mit Gefahrenstoffen simuliert werden. Der Donnerstag wird für die Bevölkerung am sichtbarsten: Am Vormittag übt das Bundesheer in einem Rätikontal den Umgang mit Flüchtlingen, die sich zum Selbstschutz bewaffnet haben und aus dem Konfliktgebiet fliehen. Und im Stadtgebiet von Feldkirch werden Pandur-Panzerfahrzeuge und Soldaten patrouillieren. Ihr Ziel wird es sein, nach einer Terrorwarnung Präsenz zu zeigen und mögliche Angreifer abzuschrecken. Am Abend werden die Einsatzkräfte noch den Umgang mit einem Terroranschlag üben, inklusive Pyrotechnik. Die Polizei wird die Woche außerdem nutzen, um im Raum Feldkirch den Umgang mit einem Amokalarm an einer Schule zu trainieren. Am Freitag steht die Heimreise der Reaktionskräfte an.

Worauf muss ich mich einstellen?

Die erste Hälfte der Übungswoche wird vor allem das Bundesheer intern beschäftigen. So müssen die Kompanien nach Salzburg und von dort nach Vorarlberg bewegt werden, und dies ohne Vorbereitung innerhalb weniger Stunden. Die Amok-Übung der Polizei wird im Raum Feldkirch an einer Schule stattfinden. Am Mittwoch und Donnerstag werden Panzerfahrzeuge und Soldaten von Feldkirch bis Bludenz bemerkbar sein. Die Terrorübung wie auch die “Show of Force” am Donnerstag in Feldkirch werden direkt im Ortsgebiet stattfinden. So werden Soldaten, Polizisten und Militärfahrzeuge am Bahnhof und anderen neuralgischen Punkten der Montfortstadt sichtbar sein.

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Wer übt?

Die Reaktionskräfte des Bundesheeres sind vor allem in der dritten Brigade gebündelt. Schlussendlich werden drei Jägerkompanien, eine davon “gehärtet” mit Pandur-Radpanzern, gemeinsam mit ABC-Experten, Pionieren, Aufklärer, Heeresfliegern und Drohnenexperten nach Vorarlberg verlegt. Dies sind schlussendlich 550 Berufssoldaten mit etwa 150 Fahrzeugen, davon 30 Radpanzern, vier Hubschraubern und einem Flugzeug. Mit den in Vorarlberg stationierten Soldaten, die die Darstellung von Flüchtlingen, Terroristen und ihrer Opfer übernehmen, sind insgesamt an die 850 Soldaten im Einsatz. Hinzu kommt die Polizei, Cobra und die restlichen Einsatzorganisationen, je nach Szenario.

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