Israel: Zwischen barbarischen Angriffen und der Frage nach der Zukunft

Politik / 09.10.2023 • 18:10 Uhr
Israel: Zwischen barbarischen Angriffen und der Frage nach der Zukunft
Hanno Loewy stellt die Frage, wie die Zukunft Israels aussehen soll. Während israelische Sicherheitskräfte die Schäden von Raketenangriffen inspizieren (oben), wird auch der Gazastreifen unter Beschuss genommen (unten). VN/Paulitsch, REUTERS/Ronen Zvulun, REUTERS/Stringer

Hanno Loewy verurteilt die Terrorangriffe, wagt aber auch die Frage zu stellen, welche Optionen es für die Zukunft der Israelis und Palästinenser gibt.

Hohenems Der Direktor des jüdischen Museums Hanno Loewy ist fassungslos, dass offensichtlich niemand mit einem solchen Angriff der Hamas zum 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs gerechnet hatte. Gleichzeitig sieht er aber auch in Israel selbst immer stärker die Frage aufkommen, in welcher Form die Zukunft Israels und der Palästinenser aussehen soll und kann.

Kernfrage: Was ist das Israel der Zukunft

“Es haben sich alle Seiten in Positionen manövriert, aus der man nur herauskommt, wenn man alle Illusionen über Bord wirft”, betont Loewy. So werde weder die jüdische israelische, noch die palästinensische Bevölkerung sich in Luft auflösen. “Sie alle haben dort ihre Heimat”, betont der Hohenemser Museumsdirektor. Er sieht die Zweistaatenlösung als Utopie gescheitert. “Seit Monaten gibt es in Israel Demonstrationen zur Rettung der Demokratie”, erinnert er. “Was dabei zu immer mehr Menschen durchdringt ist auch, dass Demokratie und Besatzung als Dauerzustand nicht vereinbar sind. Aber was ist die Alternative? Darüber nachzudenken ist für viele schmerzhaft.”

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Aus Loewys Sicht will die Hamas auf diese brutale Weise ihre Macht und Führungsrolle unter den Palästinensern behaupten. Der Gazastreifen sei ein schreckliches  “Laborexperiment” zur Radikalisierung. “Die meisten Menschen dort haben nie etwas anderes kennengelernt als Besatzung und dann die Diktatur der Hamas – unter israelischer Bewachung”, erinnert Loewy an deren Perspektivlosigkeit. Und die Hamas profitiere von dieser Radikalisierung, mit Angst und Schrecken. Man müsse sich bewusst sein, dass die Hamas derzeit weit über 100 Geiseln genommen hat, diese auf barbarische Art und Weise behandelt und in der Lage war, eine terroristische Bodenoffensive auf israelisches Staatsgebiet zu tragen. Das sei kein Moment für besserwisserische Ratschläge. Aber langfristig müsse sich Israel mit der Frage auseinandersetzen, wie ein demokratisches Israel aussehen kann, in dem alle Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt sein würden. 

Beispielloser Schock

Überrascht ist er dennoch, dass offensichtlich niemand einen solchen Terrorangriff auf israelischen Boden an einem solchen bedeutsamen Tag für möglich hielt. “Natürlich gibt es nun – teilweise hinter den Kulissen – in Israel eine Diskussion, wie dies geschehen konnte”, ist Loewy überzeugt. Der Angriff sei ein beispielloser Schock für die israelische Gesellschaft. “Man hat wohl mit Raketenangriffen gerechnet, aber nicht mit einer terroristischen Militäroperation auf israelischem Staatsgebiet”, fasst er zusammen. “Aber damit hätte man rechnen müssen, dafür sind Geheimdienste da.”

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