Wenn Frauen für den Schwangerschaftsabbruch in ein anderes Bundesland fahren

Politik / 05.10.2023 • 16:45 Uhr
Am Safe Abortion Day fand  eine Mahnwache von Abtreibungsbefürwortern vor dem Landhaus in Bregenz statt.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Am Safe Abortion Day fand eine Mahnwache von Abtreibungsbefürwortern vor dem Landhaus in Bregenz statt. VN/Steurer

Es kommt vor, dass Betroffene eine Abtreibung nicht in Vorarlberg vornehmen lassen wollen. Häufig spielt die Sorge um Anonymität eine Rolle.

Schwarzach Es ist eine Diskussion, die über die Grenzen Vorarlbergs hinaus für Aufregung sorgt: Wie geht es nächstes Jahr mit Schwangerschaftsabbrüchen im Land weiter? Kommt es zu einer Unterbrechung des Angebots? Noch gibt es keine Antworten auf diese Fragen, eine Übergangslösung lässt auf sich warten. Schon bisher ist es jedenfalls vorgekommen, dass Frauen eine Abtreibung nicht in Vorarlberg vornehmen lassen wollten. Häufiger Grund ist die Sorge um die Anonymität.

Handy-Verbot zum Schutz

Momentan ist Benedikt-Johannes Hostenkamp noch immer der einzige Arzt, der in Vorarlberg Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Hostenkamp betreibt seine Praxis seit etwa einem Vierteljahrhundert, mittlerweile in Altersteilzeit. „Vereinzelt gibt es Frauen, die nach Innsbruck fahren“, sagt er auf VN-Nachfrage. Sie sorgten sich darum, dass sie gesehen und erkannt werden könnten. Umgekehrt seien auch schon Frauen aus dem Westen Tirols, Imst oder Landeck, in seine Praxis gekommen. Hostenkamp unterstreicht Bemühungen zum Schutz der Anonymität der Patientinnen, etwa mit einem Smartphone-Verbot. „Am Tag der Operation oder der medikamentösen Intervention ist es nicht erlaubt, ein Handy mitzunehmen.“ Das gilt auch für ausgeschaltete Geräte. Für Anrufe „nach draußen“ kommt das Telefon in der Ordination infrage.

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Es gebe in der Beratung vereinzelt Fälle von Mädchen und jungen Frauen, die für einen Schwangerschaftsabbruch in ein anderes Bundesland oder ins benachbarte Ausland fahren, erläutert auch Angelika Atzinger, Geschäftsführerin des Vereins Amazone. „Für Frauen bis 25 Jahren, an die sich unser Beratungsangebot richtet, ist eine solche Reise wegen des Organisationsaufwandes aber eher schwierig und daher nur eingeschränkt möglich.“ Grundsätzlich seien für die Betroffenen in Vorarlberg neben der befürchteten fehlenden Anonymität auch die Kosten ein Hindernis. In Österreich übernimmt die Krankenkasse diese in der Regel nicht. Der Preis schwankt zwischen rund 300 und 800 Euro. VN-Informationen zufolge liegt er im Land bei etwa 700 Euro. Die Stadt Wien hilft Frauen in finanziellen Notlagen, in Vorarlberg gibt es keine solche Unterstützung. Eine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand ist aus Sicht des Gesundheitsressorts von Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) ausgeschlossen, teilt ein Sprecher mit.t.

Der Verein Amazone kritisiert die aktuelle Situation. „Nicht ein einziger Privatarzt sollte für ein ganzes Bundesland zuständig sein, sondern das Angebot auf mehrere Schultern verteilt werden. Schließlich ist der Faktor Zeit entscheidend. Es geht um einen kurzen Zeitraum.“ Auch für die Kosten brauche es eine bessere Lösung, gerade für junge und finanziell benachteiligte Frauen. Zudem müsse der anonyme Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gewährleistet werden. „Es kann nicht sein, dass Frauen beleidigt und beschimpft werden.“ Aus Sicht Atzingers wären die öffentlichen Krankenhäuser die beste Option. Das hat Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) aber bereits ausgeschlossen.

Abtreibungsgegner protestieren vor dem Landeskrankenhaus Bregenz.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Abtreibungsgegner protestieren vor dem Landeskrankenhaus Bregenz. VN/Paulitsch

Noch einige Wochen

Hostenkamp wollte eigentlich schon längst seinen Ruhestand antreten. Ende des Jahres ist es endgültig so weit. Die Umsetzung der geplanten Nachfolgeregelung, eine Privatpraxis im Personalwohnheim neben dem Bregenzer Krankenhaus, funktioniert nicht so schnell wie gedacht. Sie verzögert sich bis spätestens Ende 2024. Deshalb braucht es eine Übergangslösung. Eine zuvor vom Land kommunizierte Variante einer Privatordination in einem Anbau des Spitals kam nicht zustande. Sie war am Widerstand konservativer Kreise, auch in der ÖVP selbst, gescheitert. Das Land konnte am Donnerstag nicht mitteilen, wie es weitergeht. „Die Arbeiten im Hintergrund laufen auf Hochtouren. Für konkrete Aussagen ist es noch zu früh“, hieß es dazu. Zu gegebener Zeit würden Informationen kommuniziert, dies dauere aber sicher noch einige Wochen.