Demonstration für Abtreibungsmöglichkeit in den Spitälern

Politik / 01.10.2023 • 18:15 Uhr
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In Bregenz versammelten sich Befürworter für Abtreibungsmöglichkeiten in öffentlichen Spitälern. VN/Steurer (alle)

Rund 300 Menschen gingen in Bregenz auf die Straße.

Darum geht’s:

  • Demonstration für Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern in Bregenz.
  • Ärger über Landeshauptmann und Bischof, die sich dagegen aussprechen.
  • Keine Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern in Vorarlberg möglich.

Bregenz Vieles erinnert an die frühen 1970er-Jahre. Damals hallte „Mein Körper, meine Wahl” durch die Straßen. Am Sonntag war in Bregenz derselbe Slogan zu hören. Damals gingen bekannte Frauen mit ihrer Abtreibungsgeschichte an die Öffentlichkeit. Am Sonntag offenbarte die ehemalige SPÖ-Chefin Gabriele Sprickler-Falschlunger ihre Geschichte. Zu jener Zeit kämpften Frauen um ihr Recht auf eine sichere und anonyme Abtreibung. Heute, rund 50 Jahre später, tun sie es immer noch.

Stefanie Mattei steht mit dem Mikrofon in der Hand vor rund 300 Menschen. Mehrere Organisationen haben nach Bregenz gebeten, um für Schwangerschaftsabbrüche in Spitälern zu demonstrieren. „Könnt ihr mich hören?”, ruft Mattei in die Runde, bevor sie loslegt. Sie ärgert sich über Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), der sich gegen Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern ausspricht. Sie ärgert sich über Bischof Benno Elbs, der sich öffentlich dagegen äußerte. Und sie ärgert sich, dass heutzutage noch darüber diskutiert wird. Ein Plakatspruch unterstreicht ihre Worte: „2023, im Ernst?”.

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker finden sich unter den Demonstranten: Landtagsabgeordnete der Neos, der Grünen und der SPÖ sind gekommen. Mattei selbst ist Frauensprecherin der Vorarlberger Sozialdemokraten. Sie ärgern sich über die Debatte der vergangenen Monate.

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Der einzige Arzt im Land, der Schwangerschaftsabbrüche durchführt, hört Ende des Jahres auf. Das war längst bekannt, er hätte seinen Ruhestand eigentlich sogar früher angetreten. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) präsentierte eine Nachfolgeregel: Das ehemalige Personalwohnhaus neben dem Bregenzer Spital soll zu einer ambulanten Klinik umgebaut werden, in die sich Privatärzte einmieten können. Auch jene, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Der Landtag stimmte der Idee zu. Schnell war aber klar: Der Umbau dauert länger und kostet mehr als gedacht. Erst Ende 2024 wird dieser fertig. Wie überbrückt man also die Zeit zwischen Pensionierung und Einzug? Zunächst wollte man einem Privatarzt eine Praxis im Bregenzer Krankenhaus zur Verfügung stellen. Nach Protesten innerhalb der eigenen Partei und aus der Kirche zog Rüscher die Idee zurück. Jetzt wird weiter nach einer Alternative gesucht. Man sei kurz davor, hieß es. Fix ist jedenfalls: Es wird in Vorarlberg weiter keine Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern geben.

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Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten am Sonntag aber genau dies. Dort sei die beste Versorgung gewährleistet. Bis dahin skandieren sie wohl weiter: „my body, my choice.”