Warum das Thema Lehrerausbildung die Grünen spaltet

Politik / 29.09.2023 • 15:00 Uhr
Die Schule braucht Lehrer. In Vorarlbergs sind es zu wenige. Vorstöße in Richtung Verkürzung der Lehrerausbildung werden nicht überall goutiert. <span class="copyright">Symbolfoto VN/Rauch</span>
Die Schule braucht Lehrer. In Vorarlbergs sind es zu wenige. Vorstöße in Richtung Verkürzung der Lehrerausbildung werden nicht überall goutiert. Symbolfoto VN/Rauch

Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger fordert Beibehaltung der Studiendauer. Eva Hammerer widerspricht.

Darum geht’s:

  • ÖVP-Bildungsminister will Bachelor-Studium für Lehramt verkürzen
  • Grüne Partei ist in dieser Frage gespalten
  • Lehrergewerkschaft und AHS-Lehrervertreter unterstützen verkürzte Studiendauer

Wien, Bregenz Noch selten hat ein ÖVP-Bildungsminister so viel überparteiliche Zustimmung erhalten wie Martin Polaschek mit seinem Vorstoß für eine Verkürzung des Lehramtsstudiums. Das Bachelor-Studium soll von acht auf sechs Semester verkürzt werden, verlangt der Minister. Erstmals erwähnte er sein Vorhaben vor einem Jahr, geschehen ist allerdings noch nichts.

Mit einer Ausnahme: Es gibt Widerstand, noch bevor das Vorhaben in ein Gesetz gegossen wurde.

Die grüne Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger erntet mit ihrer Ablehnung einer Verkürzung des Lehramtsstudiums nicht nur Applaus. <span class="copyright">APA</span>
Die grüne Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger erntet mit ihrer Ablehnung einer Verkürzung des Lehramtsstudiums nicht nur Applaus. APA

Polschek war dabei

Dafür zuständig ist seit kurzem die grüne Wissenschaftssprecherin im Nationalrat, Eva Blimlinger. “Ich bin im Grunde nicht für eine Verkürzung”, verkündet die 62-Jährige. Die grünen Reihen geschlossen hinter sich hat sie dabei nicht. In Vorarlberg ist etwa die grüne Bildungssprecherin Eva Hammerer (47) strikt gegen die Idee ihrer Parteikollegin. Auch Harald Walser (70), ehemaliger grüner Bildungssprecher im Nationalrat, meint: “Ein Bachelor-Lehramtsstudium von vier Jahren ist nicht notwendig.” Einen Seitenhieb Richtung Bildungsminister kann sich der ehemalige Schuldirektor jedoch nicht verkneifen. “Polaschek hat als Vizerektor der Universität Graz vor zehn Jahren noch alle Punkte des Pakets zur ‘Lehrerbildung neu’ mitgetragen. Jetzt will er das korrigieren.”

Harald Walser ist auch in der Pension ein wacher Beobachter aller Entwicklungen im heimischen Bildungssystem. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Harald Walser ist auch in der Pension ein wacher Beobachter aller Entwicklungen im heimischen Bildungssystem. VN/Stiplovsek

Hammerer kontert Blimlnger

“Ich widerspreche Kollegin Blimlinger”, lässt Eva Hammerer keinen Zweifel an ihrer Haltung. “Wir leiden bei uns an einem eklatanten Lehrermangel. Die Verkürzung des Bachelor-Studiums von vier auf drei Jahre macht Sinn. In Jahr zwei und drei sollten die StudentInnen auch bereits an die Schulen. Recht gibt Hammerer der grünen Wissenschaftssprecherin in einem Punkt: “Die Rahmenbedingungen für das bestehende Personal gehört verbessert. Ich denke da an Anreize wie Jobrad, Klimaticket oder Laptop. Bei der Entlohnung können wir ja mit dem benachbarten Ausland nicht mithalten.”

Eva Hammerer teilt die Meinung ihrer Parteikollegin Eva Blimlinger nicht. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Eva Hammerer teilt die Meinung ihrer Parteikollegin Eva Blimlinger nicht. VN/Steurer

Differenzierung gefordert

Nicht auf einer Linie mit Eva Blimlinger ist auch Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann, in seiner Freizeit Grünen-Mandatar in Altach. “Von der Idee her ist ihre Haltung ja nachvollziehbar, praktisch jedoch nicht. Warum soll ein Volksschullehrer fünf Jahre studieren müssen? Man muss die Lehrerausbildung wieder differenzieren. So wie man jetzt mit den Verträgen auch wieder in Bundes- und Landeslehrer getrennt hat.”

Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann plädiert für ein differnziertes Lehramtsstudium. Ein Volksschullehrer müsse nicht fünf Jahre studieren. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann plädiert für ein differnziertes Lehramtsstudium. Ein Volksschullehrer müsse nicht fünf Jahre studieren. VN/Rhomberg

AHS-Lehrervertreter Gerhard Pusnik meint: “Ich halte ein Lehramtsstudium mit drei Jahren Bachelor plus zwei Jahre Master für sinnvoll. Es kann allerdings nicht der LehrerInnenmangel das Motiv für diese Reform sein.”

Andreas Hammerer, Sprecher der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, macht sich ebenfalls für eine Verkürzung der Studiendauer stark. “Diese muss einhergehen mit der Neugestaltung des Master-Studiums.” Als ebenso starken Anreiz, Lehrer zu werden, ortet Hammerer die Bezahlung. “Sie muss grundsätzlich höher und für Kollegen aller Schultypen gleich sein.”