Aserbaidschan begann “Anti-Terror-Einsatz” in Berg-Karabach

Aserbaidschan hat nach eigenen Angaben am Dienstag mit “Anti-Terroreinsätzen” in der Region Berg-Karabach begonnen. Die Einsätze richteten sich gegen armenische Kräfte, teilte das Verteidigungsministerium in Baku mit.
Darum geht’s:
- Aserbaidschan hat “Anti-Terror-Einsätze” in Berg-Karabach begonnen.
- Armenische Kräfte werden angegriffen und es gibt Explosionen in Stepanakert.
- Aserbaidschan fordert den Abzug armenischer Truppen aus der Region.
Baku In Stepanakert, der Hauptstadt der zwischen beiden Ländern seit Jahrzehnten umstrittenen Region, waren nach Angaben eines AFP-Reporters Explosionen zu hören. Die in Armenien ansässige Vertretung Berg-Karabachs sprach von einer “groß angelegte Militäroffensive”.
Mehrere Städte Berg-Karabachs seien nach Angaben örtlicher Behördenvertreter von Aserbaidschan angegriffen worden. “Im Moment stehen die Hauptstadt Stepanakert und andere Städte und Dörfer unter intensivem Beschuss”, so die Vertretung auf Facebook.
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Zuvor waren aserbaidschanischen Angaben zufolge sechs Menschen bei Minenexplosionen getötet worden. Aserbaidschanische Sicherheitskräfte hatten mitgeteilt, zwei Zivilisten seien auf einer Straße in Richtung der Stadt Schuscha im aserbaidschanisch kontrollierten Teil Berg-Karabachs durch eine von armenischen “Sabotagegruppen” gelegte Mine getötet worden. Vier Polizisten wurden demnach später auf dem Weg zum Explosionsort bei einer weiteren Minenexplosion getötet.
Nach eigenen Angaben hat Baku Russland und die Türkei, die Schutztruppen bzw. Beobachter in der Konfliktregion stellen, über den “Anti-Terror-Einsatz” informiert. Es handle sich um eine “Anti-Terror-Operation lokalen Charakters zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung” in der Region. Man wolle den nach dem letzten Berg-Karabach-Krieg 2020 im Waffenstillstand festgeschriebenen Rückzug armenischer Truppen aus dem Gebiet durchzusetzen. Es werde nur auf militärische Ziele geschossen, behauptete das aserbaidschanische Verteidigungsministerium. Den Angaben aus Baku zufolge wurden zuvor zunächst eigene Stellungen von armenischer Artillerie angegriffen und mehrere Soldaten verletzt.

Nach weiteren Angaben des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums wurden humanitäre Korridore eingerichtet, damit Zivilisten die umkämpften Gebiete verlassen könnten. Das aserbaidschanische Außenministerium teilte mit, der einzige Weg, um Frieden herzustellen, sei der komplette Abzug armenischer Kräfte aus Berg-Karabach. Das “Separatistenregime” in Berg-Karabach müsse aufgelöst werden. Das armenische Verteidigungsministerium erklärte, man habe keine Kräfte in Berg-Karabach.
Armenien hatte sich zuletzt wegen des großen Aufmarsches aserbaidschanischer Truppen an seinen Grenzen besorgt gezeigt. Auf der anderen Seite in Aserbaidschan nannte das Außenministerium in Baku wiederum die Konzentration armenischer Truppen an der Grenze die größte Bedrohung für die Stabilität der Region.
EU fordern Ende der Kampfhandlungen
Die Europäische Union hat den aserbaidschanischen Militäreinsatz zur Eroberung der auch von Armenien beanspruchten Region Berg-Karabach verurteilt. “Wir fordern ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten und rufen Aserbaidschan auf, die derzeitigen militärischen Aktivitäten einzustellen”, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Dienstag mit.
Der Dialog zwischen der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku und den Karabach-Armeniern müsse dringend wieder aufgenommen werden. Die militärische Eskalation dürfe nicht als Vorwand dienen, um die Abwanderung der lokalen Bevölkerung zu erzwingen, hieß es weiter
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Die Vorgeschichte
Das christlich-orthodoxe Armenien und das muslimische Aserbaidschan, beides im Südkaukasus gelegene Ex-Sowjetrepubliken, sind seit langem verfeindet, wobei nach einem Krieg Anfang der 1990er Jahre um die zu Aserbaidschan gehörende, mehrheitlich aber von Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach zunächst Armenien die Oberhand hatte. In einem zweiten Krieg 2020 siegte das mit Geld aus dem Öl- und Gasgeschäft hochgerüstete Aserbaidschan und eroberte Teile von Berg-Karabach und eigenes Territorium zurück. In kürzeren Militäraktionen danach besetzte Baku auch etwa 150 Quadratkilometer armenisches Staatsgebiet.
Die Verbündeten
Aserbaidschans Hauptverbündeter in der Region ist die Türkei. Die Türkei hat Aserbaidschan in verschiedenen Phasen des Konflikts, insbesondere während des Krieges um Bergkarabach 2020, sowohl politisch als auch militärisch unterstützt.
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Armenien hingegen hat Russland als seinen Hauptverbündeten. Russland hat historische und kulturelle Bindungen zu Armenien und hat das Land in verschiedenen Aspekten, einschließlich militärischer Belange, unterstützt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Russland auch diplomatische Beziehungen und wirtschaftliche Interessen mit Aserbaidschan hat und daher in der Region eine eher vermittelnde Rolle spielt. Gleichzeitig zeigte sich Armenien nach dem Krieg 2020 von Russland enttäuscht und orientiert sich seitdem verstärkt an den USA und den europäischen Nationen.