Kindergartenpersonal dringend gesucht

Kanzler kündigt mehr Geld für Betreuung an. Das sorgt nicht überall für Begeisterung.
Darum geht’s:
- Kanzler Nehammer kündigt mehr Geld für Kinderbetreuung an.
- Die Personalfrage bleibt jedoch eine große Herausforderung.
- Gewerkschaft warnt vor Auswirkungen des Personalmangels auf das Betreuungssystem.
Schwarzach Durch das neue Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz soll das Angebot an Betreuungsplätzen im Land deutlich steigen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser werden. Die Personalfrage bleibt aber herausfordernd. Dass Bundeskanzler Karl Nehammer nun neue Milliarden für die Kinderbetreuung angekündigt hat, begrüßt Landeshauptmann Markus Wallner (beide ÖVP). Er sieht einen „ersten größeren Durchbruch bei den Finanzausgleichsverhandlungen.“ Die Ziele passten zu den Vorarlberger Plänen. Andere sind skeptischer.
Neuer Versorgungsauftrag
Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte diese Woche im ORF-Sommergespräch gesagt, dass bis 2030 4,5 Milliarden Euro fließen sollen, um die Betreuungslücke bei Kindern zwischen ein und drei Jahren zu schließen. Grob gerechnet könnte das Wallner zufolge im Schnitt ungefähr 30 Millionen pro Jahr für Vorarlberg entsprechen – wobei Details noch verhandelt werden müssten.

Diese neue Vorgabe ist heuer in Kraft getreten. Sie sieht einen Versorgungsauftrag vor. Ab dem neuen Kindergartenjahr 2023/2024 müssen die Gemeinden deshalb für alle Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren ganzjährig einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen. Dazu führen sie eine Bedarfserhebung durch. In den kommenden Jahren sind weitere Ausbauschritte geplant, zunächst für die erste bis vierte Schulstufe, dann für Zweijährige. „Der Ausbau erfolgt schneller als erwartet”, schildert Landeshauptmann Wallner. Wir waren positiv überrascht, dass bis 2024 100 Gruppen angemeldet sind. Die werden nun aufgebaut.“ Stelle der Bund wie von Nehammer angekündigt neues Geld bereit, sei das eine große Hilfe. Schon jetzt habe das Land hohe Ausgaben für die Kinderbetreuung. Heuer würden wohl 100 Millionen Euro erreicht.

„Wir suchen genauso händeringend Personal wie wahrscheinlich alle“, sagt der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) über den Versorgungsauftrag. Auf die Frage, ob es sich zum Start des neuen Kindergartenjahres ausgeht, antwortet er: „Wir wissen, dass wir nicht flächendeckend jeden Wunsch erfüllen können.“ Die Landeshauptstadt versuche nun, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und habe eine Bildungsakademie gegründet, um Kindergartenassistenten auszubilden. Optimistischer äußert sich Reinhold Eberle (ÖVP), Bürgermeister in Gaißau. „Wir sind eigentlich jetzt guter Dinge, dass wir unseren Auftrag erfüllen.“ Die Gemeinde stimme sich mit Höchst und Fußach ab, um im Fall eines Engpasses eine regionale Lösung zu finden. Eine Herausforderung sieht Eberle allerdings in der nächsten Ausbaustufe, die Schulkinder betrifft.

Große Probleme
„Das große Problem ist, dass Theorie und Praxis nicht zusammenpassen“, sagt Thomas Kelterer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft younion. „Und zwar nicht nur ein wenig, sondern ordentlich.“ Das Gesetz könne nur funktionieren, wenn es genug ausgebildetes Personal gebe. Diesbezüglich gebe es aber große Probleme, und das jetzt schon. Nun steige der Bedarf, der Arbeitsaufwand und die Anforderungen, die oft notwendigen Sonderkindergartenpädagoginnen und -pädagogen für Kinder mit höherem Förderbedarf fehlten. Viele, nach wie vor immer noch Frauen, die selbst Kinder zu Hause betreuen, könnten zudem durch die eingeschränkten Ferienzeiten im Sommer abgeschreckt werden.
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Grafik vom 29. Juni 2023
Schon jetzt herrsche Personalmangel, gibt Kelterer zu bedenken. Der Nachwuchs, der über die Bildungsanstalt für Elementarpädagogik BAfEP oder die Fachakademie für Sozialpädagogik in Lindau komme, decke den Rahmen bei weitem nicht ab. „Die Realität überrollt nun das Gesetz. Wir versuchen zu verhindern, dass uns die Mitarbeiter davonspringen und den Beruf verlassen.“ Die nun von Bundesseite angekündigten Milliarden für die Kinderbetreuung bedeuten dem Gewerkschafter zufolge jedenfalls keine Erleichterung. „Sie ändern das System bei uns nicht so, dass eine Entlastung in Sicht ist.“

Auch der Bregenzer Bürgermeister ist skeptisch. „Details kenne ich noch nicht. Natürlich ist es nett, wenn es Geld gibt. Wir brauchen aber Personal“, kritisiert Ritsch. Die Entwicklung sei jahrelang verschlafen worden.