Bürgermeister kritisiert Platzproblem: Stillgelegte Schule erhitzt die Gemüter

Der Ärger ist auch nach einem Jahr nicht verraucht. Im Gegenteil.
Darum geht’s:
- Bürgermeister kritisiert Probleme durch Stillegung der Schule in Wald am Arlberg.
- Kinderzahl steigt, Schule in Dalaas hat nicht genug Platz.
- Fünf Kleinstschulen im Land mussten bereits stillgelegt werden.
Dalaas, Schwarzach Der Mangel an Lehrerinnen und Lehrer macht vor allem den kleinen Schulen im Land zu schaffen. 2022 war die Aufregung groß, als bekannt wurde, dass zwei Volksschulen stillgelegt werden: Jene in Partenen und Wald am Arlberg. Ein Jahr später hat sich die Situation nicht geändert. Die Schulen bleiben geschlossen. Während sich das neue Prozedere in Partenen mittlerweile gut eingespielt hat, sieht es in Wald am Arlberg anders aus. Bürgermeister Martin Burtscher ärgert sich über die Vorgangsweise und sieht vor allem ein Platzproblem. „Ich weiß nicht, wie man sich das vorstellt.“
“Kinderzahl steigend”
Vergangenes Schuljahr waren zwölf Kinder von der Stilllegung der kleinen Volksschule in Wald am Arlberg betroffen, heuer sind es laut Bürgermeister 19. Sie müssen nun mit dem Bus in die Schule nach Dalaas fahren. „In Wald ist die Kinderanzahl steigend“, sagt Burtscher. Dafür platzt ihm zufolge der Standort in Dalaas praktisch aus allen Nähten. Es liege an der Gemeinde, für die nötige Infrastruktur zu sorgen. Sie behilft sich mit einem Mehrzweckraum, in dem eine Klasse eingerichtet wurde, die VN berichteten.
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Dafür müssen die Vereine, die normalerweise dort tagen, aber auch die Gemeinde, für ihre Sitzungen ausweichen – ins Feuerwehrhaus oder die stillgelegte Volksschule in Wald am Arlberg. Dort befinden sich aktuell außerdem noch der Kindergarten und die Spielgruppe. „Das Gebäude ist moderner als die Volksschule Dalaas. Letztes Jahr haben wir sogar noch interaktive Schultafeln angeschafft“, sagt Burtscher. Er kann das Prozedere nicht verstehen. „Man will einfach, dass die Schule nicht mehr aufgeht. Anders kann ich mir das nicht erklären.“ Immerhin habe es sehr wohl mehrere Versetzungsanträge von interessierten Pädagoginnen und Pädagogen gegeben. Positiv wertet der Bürgermeister, dass es zumindest diese Woche ein Gespräch mit Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink über die Situation geben soll.

In Partenen sieht die Sache etwas entspannter aus. „Es hat sich besser entwickelt, als wir befürchtet haben“, sagt Daniel Sandrell, Bürgermeister von Gaschurn, zu dessen Gemeinde Partenen zählt. Im letzten Jahr hat sich für 15 Kinder im Ort der Schulweg geändert. Sie besuchen nun die Volksschule in Gaschurn. Das hat sich Sandrell zufolge gut eingespielt. „Es wurde eine Schülerbetreuung organisiert, welche die Kinder abholt und zum Bus bringt.“ Der Kindergarten in Partenen werde weitergeführt. Gleichzeitig räumt der Bürgermeister ein: „Natürlich wäre es besser, könnten die Kinder vor Ort in die Schule gehen. Doch das ist schwierig.“

Die Bildungsdirektion bestätigt, dass es im neuen Schuljahr keine Änderung in Wald am Arlberg und Partenen gibt. Sie verweist auch auf eine aktuelle Anfragebeantwortung an die FPÖ durch Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). Den Ausführungen zufolge lagen vier Versetzungsgesuche für die Schule in Wald am Arlberg vor, zwei hätten diese wieder zurückgezogen. Die Stammschule der beiden anderen Pädagoginnen und Pädagogen war demnach die Volksschule Bludenz-Mitte. Eine Versetzung sei aufgrund des „extremen Personalmangels“ dort nicht infrage gekommen. “Man muss immer beide Seiten sehen und entscheiden, wo die Ressourcen dringender benötigt werden”, sagt Bildungsdirektionssprecherin Elisabeth Mettauer. Auch an der bisherigen Schule dürfe kein Loch entstehen.
Wie die Bildungsdirektion weiter mitteilt, werden Schulen mit weniger als 25 Kindern als Kleinstschulen bezeichnet. Das trifft momentan noch auf 20 Standorte im Land zu. Von Kleinschulen ist die Rede, wenn nicht für jede Schulstufe eine eigene Klasse eingerichtet werden kann, es also weniger als vier Klassen gibt, das sind 39 Standorte. Insgesamt besuchten im Schuljahr 2022/23 1752 Vorarlberger Schülerinnen und Schüler somit 59 Kleinst- und Kleinschulen.
Fünf Kleinstschulen stillgelegt
„Grundschulen sind ganz wesentlich für die Standortattraktivität von Gemeinden und tragen dazu bei, das ländliche Vorarlberg als Wohn- und Lebensraum zu erhalten“, schreibt Schöbi-Fink. Die Landesregierung setze sich deshalb schon seit vielen Jahren dafür ein, dass Kleinschulen, wenn möglich, bestehen bleiben könnten – unter beträchtlichen finanziellen Aufwendungen. Fünf Kleinstschulen im Land mussten in den vergangenen Jahren allerdings bereits stillgelegt werden. 2014 die Volksschule Dornbirn-Ebnit, 2015 jene in Raggal-Marul, 2017 Frastanz-Amerlügen und 2022 schließlich Wald am Arlberg und Partenen.

Im neuen Schuljahr stellt im Übrigen auch eine weitere Volksschule ihren Betrieb ein – jene in Hirschegg. Die 36 betroffenen Kinder besuchen künftig die Schule in Mittelberg. Der Fall ist aber ein anderer, wie Land und Bildungsdirektion betonen. Es handle sich um eine eigenständige Entscheidung der Gemeinde.