Emissionen, Energie: Zwischenbilanz des Landes mit Licht und Schatten

Aktueller Bericht zu Zielen der Energieautonomie+ 2030: Wo es noch Nachholbedarf gibt.
bregenz 50-50-100. Diese Zahlen beschreiben die wichtigsten Ziele der vor zwei Jahren einstimmig im Landtag beschlossenen Energieautonomie+ 2030. Die Treibhausgase sollen bis zu diesem Jahr um 50 Prozent gegenüber 2005 sinken, der Anteil erneuerbarer Energien auf mindestens 50 Prozent ausgebaut worden sein. Der Stromverbrauch durch heimische, erneuerbare Energieträger läge wiederum bei 100 Prozent. Am Dienstag präsentierte die Landesregierung beim Pressefoyer nach der Regierungssitzung einen Zwischenstand. Dieser zeigt Licht und Schatten.
Verweis auf Rhodos
„Ich halte das Ziel für erreichbar, wenn wir uns ordentlich auf die Beine stellen“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Landesrat Daniel Zadra (Grüne) erinnerte an die aktuellen Bilder aus Urlaubsdestinationen wie Rhodos. Wetterextreme nähmen weiter zu. „Den Klimawandel aufzuhalten beziehungsweise einzudämmen ist die historische Aufgabe unserer Generation.“ Der nun präsentierte Monitoringbericht wirft ein Licht auf Energieverbrauch und Treibhausgas-Emissionen zwischen 2005 und 2021 in Vorarlberg. Der Landeshauptmann verwies eingangs auf eine dynamische Entwicklung in diesen Jahren. So wuchs die Bevölkerung um elf Prozent an, die Anzahl der zugelassenen Pkw um 30 Prozent. Die Wohnfläche nahm um 20 Prozent zu, dazu kam ein Plus beim Bruttoregionalprodukt von 80 Prozent. „Das sind wesentliche Einflussfaktoren“, betonte Wallner.

Eine Zunahme zeigt sich etwa beim Endenergieverbrauch. Er war 2021 um acht Prozent höher als 2005. An die 44 Prozent des Energieverbrauchs konnten aus heimischen Energiequellen gedeckt werden. Das Etappenziel lag bei 47 Prozent. Es wurde also knapp, aber doch verfehlt. Auch bei den Treibhausgasemissionen gibt es Luft nach oben. Die Emissionsmenge sank von 2005 bis 2021 zwar um 13 Prozent auf rund 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Die Höchstmenge gemäß Zielpfad wurde allerdings um elf Prozent überschritten.
Förderung bei der Windkraft
Was den Anteil erneuerbarer Energie an der Stromversorgung angeht, befindet sich Vorarlberg hingegen auf Kurs. Rund 87 Prozent der Netzabgabe konnten den Angaben zufolge mit heimischen Erzeugungsanlagen gedeckt werden, vor allem aus der Wasserkraft. Die Landesregierung hob hervor, dass es nach 2021 auch 2022 einen Rekord bei der Photovoltaik gegeben habe. Um dem Ziel einen weiteren Schritt näherzukommen, will das Land künftig Windmessungen fördern, wie Zadra ankündigte. Es übernimmt bei den ersten fünf Standorten, die Sinn ergeben, die Hälfte der Kosten. Maximal ist der Betrag bei 50.000 Euro gedeckelt.

Als Erfolge wertet das Land unter anderem auch einen Spitzenwert an Zulassungen von E-Pkw im Vorjahr, die wachsende E-Bus-Flotte, sowie 81.100 verkaufte Jahreskarten im Vorarlberger Verkehrsverbund. Nah- und Fernwärme seien außerdem auf ein neues Niveau gehoben worden. Pro Haushalt sank der Stromverbrauch seit 2005 um zehn Prozent. Herausforderungen ergeben sich vor allem im Gebäudesektor: Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen nahmen zuletzt zu. Auch der Verkehr bleibt Sorgenkind, da die Emissionen des Pkw- und Lkw-Verkehrs steigen. In der Industrie hat das Wirtschaftswachstum zu einem erhöhten Gaseinsatz geführt.