Anti-Teuerungsmaßnahmen greifen: Finanzielle Lage entspannt sich

IHS-Studie: Österreicher spüren Anti-Teuerungshilfen und Lohnerhöhungen.
SCHWARZACH Ist das Schlimmste überstanden? Gemeint sind die Folgen der ungewöhnlich starken Teuerung, die sehr vielen Menschen zusetzt. Regelmäßige Befragungen der Statistik Austria zeigen, dass für drei von zehn Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern selbst Kleinigkeiten unmöglich geworden sind. Aus finanziellen Gründen müssen sie auf Freizeitaktivitäten, die Geld kosten, verzichten. Dazu zählen etwa Kinobesuche. Auch unerwartete Ausgaben von 1300 Euro, die unvermeidbar sind, überfordern die Leute. Dafür müssen sie einen Kredit aufnehmen oder Ratenzahlungen wählen.

In den Befragungen, die die Statistik Austria unter dem Titel „Soziale Krisenfolgen“ bei mehr als 3000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren österreichweit durchführt, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass eine zunehmende Verschlechterung der Lage wahrgenommen wurde. Zuletzt ist jedoch eine merkliche Veränderung deutlich geworden. Das berichtet Claudia Reiter vom Institut für Höhere Studien (IHS), das die Ergebnisse analysiert hat: „Die wirtschaftliche Lage der Haushalte ist zwar nach wie vor sehr angespannt. Vergleicht man die Werte aus dem ersten Quartal 2023 mit denen im Vorquartal, stellt man jedoch fest, dass es zu keiner weiteren Verschärfung und zum Teil sogar zu einer leichten Entspannung gekommen ist. Wobei man betonen muss, dass die Lage noch immer angespannter ist als im Vorjahr.“

In dieser Zeit ist einiges passiert und spürbar geworden: Zum einen ist die Inflation ihrem Höhepunkt zugesteuert. Zum anderen sind Löhne und Pensionen zumindest teilweise angepasst worden, hat aber auch die Regierung zahlreiche Antiteuerungspakete geschnürt, die nach und nach spürbar geworden sind. Darauf könnte die leichte Verbesserung zurückzuführen sein, bestätigt Reiter: „Aus unserer Sicht ist das eine plausible Erklärung, auch wenn man berücksichtigen muss, dass es möglicherweise Gewöhnungseffekte gibt. Das würde bedeuten, dass sich Haushalte an die Verhältnisse gewöhnt haben. Die Angaben zur Lage basieren ja auf subjektiven Wahrnehmungen.“
Wer zu kämpfen hat
Auffallend ist laut Reiter, dass die Teuerung nicht allen zugesetzt hat: „Wenn man sich die Fragestellung zum Auskommen mit dem Einkommen anschaut, sieht man, dass es in der Gesamtbevölkerung über die letzten Quartale hinweg keine gravierenden Veränderungen gegeben hat. Größer geworden sind die Schwierigkeiten aber insbesondere für jene Haushalte, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind oder in denen das verfügbare Einkommen niedrig ist.“ Anders formuliert: All jene, die schon bisher zu kämpfen hatten, haben es jetzt noch mehr.

Gravierend sind die Veränderungen bei den Wohnkosten: Der Anteil derer, die eine schwere finanzielle Belastung sehen, ist im vergangenen Jahr von 13 auf 22 Prozent gestiegen. „Das ist schon massiv“, sagt Reiter: „Aber auch hier ist es im ersten Quartal 2023 zu einer ganz leichten Verbesserung gekommen.“
Die Löhne sind heuer um durchschnittlich rund siebeneinhalb Prozent gestiegen. Pensionen wurden um bis zu 5,8 Prozent erhöht. Bei ihnen dürfte es erst im kommenden Jahr zu einer stärkeren Anpassung kommen, weil die Inflation mit etwas größerer Verzögerung ausgeglichen wird. Anti-Teuerungsmaßnahmen der Regierung haben bis 2026 ein Gesamtvolumen von 49 Milliarden Euro. Die Hälfte entfällt auf den Entfall der kalten Progression. Alles in allem verteilt sich die Entlastungssumme auf alle Einkommensgruppen ähnlich stark. Das zeigen Analysen des Budgetdienstes des Parlaments.