25 Frauen in Vorarlberg verdienen 200.000 Euro und mehr

Beschränkte Erwerbs- und Aufstiegsmöglichkeiten vergrößern Einkommensschere.
SCHWARZACH. Frauen verdienen weniger als Männer: Das ist bekannt, und daran ändert sich auch kaum etwas. Über die „Integrierte Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2020“, die die Statistik Austria gerade fertiggestellt hat, wird jedoch ein erweiterter Blick auf das Problem ermöglicht.
Er beschränkt sich nicht auf den Durchschnitt, sondern zeigt auch die unterschiedliche Einkommensverteilung nach Geschlecht. Ergebnis für Vorarlberg: Gut die Hälfte der Frauen muss sich mit weniger als 20.000 Euro netto im Jahr begnügen. Das entspricht im Falle einer Anstellung keine 1450 Euro im Monat. Bei den Männern trifft das hingegen nur auf ein Viertel zu. Bei ihnen erreicht eine Masse 20.000 bis knapp 40.000 Euro. Bei einem Angestellten sind das bis zu 2770 pro Monat. Ungleich mehr also. Das ist das eine. Das andere: Viel größer als bei den unteren ist die Diskrepanz bei den höchsten Einkommen. So gibt es im Land 350 Männer, aber gerade einmal 25 Frauen mit netto 200.000 Euro und mehr pro Jahr.

Berücksichtigt sind in der Statistik sämtliche Bezieherinnen und Bezieher aller erdenklichen Einkommen; nicht nur jene aus einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit, sondern etwa auch Pensionen.

„Diese Darstellung inkludiert alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ihren Einkommensmöglichkeiten“, stellt die Geschäftsführerin des Frauen-Informationszentrums „Femail“, Lea Putz-Erath, fest: Frauen könnten aufgrund von Betreuungspflichten oft nur Teilzeit arbeiten, womit sie weniger verdienen. Alles in allem seien sie außerdem in schlechter bezahlten Branchen tätig. Daraus würden dann auch kleinere Pensionsansprüche resultieren. „In einigen wenigen Zahlen werden hier Unterschiede aufgrund der Geschlechterrollenstereotype zusammengefasst“, so Putz-Erath.
Höhere Bildung bringt wenig
Bemerkenswert ist, dass die Unterschiede noch immer so groß sind: Seit Jahren kommen Frauen beispielsweise zu höheren Bildungsabschlüssen. Bringen ihnen diese nichts? Ganz offensichtlich sei es bisher nicht gelungen, diese Entwicklung in höhere Positionen und damit auch Einkommen umzusetzen, meint Putz-Erath. Es bedeute im Übrigen, dass auch Vermögen wohl noch länger ungleich verteilt bleiben würde. Immerhin würde dieses, wenn nicht aus Erbe, dann aus Einkommen gebildet werden, wie sie nach wie vor überwiegend von Männern erzielt werden.
Angelika Atzinger von „Amazone“, einem Verein für Geschlechtergerechtigkeit in Bregenz, kann die Schere „nicht schulterzuckend hinnehmen“, wie sie im Gespräch mit den VN bestätigt. Zumal die Unterschiede in Vorarlberg im Bundesländervergleich besonders groß seien: „Das ist bedenklich.“

Vor allem Führungsfunktionen seien nach wie vor schwer mit Kinderbetreuung vereinbar. Hier wären flexiblere Arbeitszeitregelungen nötig, so Atzinger. Die Politik wäre auch gefordert, Anreize zu schaffen, damit sich Väter und Mütter die Sorgearbeit zu Hause teilen. Eine Herdprämie sei das Gegenteil davon.
Männer profitieren von Netzwerkpflege
Dass die Unterschiede bei den hohen Einkommen so extrem sind, überrascht Angelika Atzinger nicht. Männer seien besser vernetzt. Das komme nicht irgendwoher: „Wenn ich als Mann im Unterschied zu einer Frau nicht gleich nach der Arbeit heimgehen muss, sondern mit Kollegen noch auf ein Getränk gehen kann, betreibe ich automatisch auch Netzwerkpflege. Das kann mir bei Beförderungen helfen.“