Gemeinsam und mit viel Herzblut gegen den Klimawandel

Politik / 07.06.2023 • 20:07 Uhr
Eine Expertenrunde, bestehend aus Andreas Amann, Ruth Swoboda und Hannes Waldner, diskutierte mit Gerold Riedmann zu den Folgen des Klimawandels in Vorarlberg. <span class="copyright">Steurer</span>
Eine Expertenrunde, bestehend aus Andreas Amann, Ruth Swoboda und Hannes Waldner, diskutierte mit Gerold Riedmann zu den Folgen des Klimawandels in Vorarlberg. Steurer

Wie können wir in Vorarlberg mit dem Klimawandel umgehen? Drei Experten teilten ihre Ideen bei Vorarlberg LIVE.

Gerold Riedmann, Julia Schilly

Schwarzach Seit 15 Jahren vergeben die Vorarlberger Nachrichten den Klimaschutzpreis. Es sind Projekte, die die Kraft haben, den Klimawandel zu bekämpfen oder zumindest Möglichkeiten zur Anpassung zu finden. Bei einer Klima-Sondersendung bei Vorarlberg LIVE im Gespräch mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann berichteten drei Gäste aus der Praxis, wie der Klimawandel Vorarlberg bereits trifft, das Land verändert und was Grund zur Hoffnung gibt.

Andreas Amann ist Landesforstdirektor Vorarlbergs. Längere Trockenperioden und der Borkenkäfer setzen heimischen Arten zu. Die Natur wisse sich aber zu helfen.
Andreas Amann ist Landesforstdirektor Vorarlbergs. Längere Trockenperioden und der Borkenkäfer setzen heimischen Arten zu. Die Natur wisse sich aber zu helfen.

Wichtige Verbündete sind die Wälder. Europas Wälder und Holzprodukte reduzieren derzeit den CO2-Fußabdruck der EU-Mitgliedsländer um rund zehn Prozent im Jahr. “Generell sind die Wälder in Vorarlberg in einem recht guten Zustand. Zwar kommen durch den Klimawandel unterschiedliche Baumarten unter Stress. Aber die Natur weiß sich zu helfen”, sagt Andreas Amann, Vorstand der Abteilung Forstwesen in der Vorarlberger Landesregierung. Ein Ablaufdatum habe etwa die Fichte, vor allem in tieferen Lagen. Gegenspieler wie der Borkenkäfer, und längere Trockenperioden werden länger. 

Hoffnungsbaumart Eiche

Amann experimentiert schon seit Jahrzehnten damit, welche Baumarten die Hitzebelastung besser durchhalten. “Die Eiche ist eine Hoffnungsbaumart, die haut nichts so schnell um. Es ist auch eine heimische Art, die in den Tieflagen immer schon da war. Viele Bäume wandern durch die Hitze einfach ein oder zwei Stockwerke hinauf.” Doch auch andere Bäume werden aufgrund der Waldstrategie des Landes verstärkt eingesetzt, um künftig ein breites Portfolio zu haben. Amann beruhigt: “Auch in 30 Jahren wird es weiterhin einen Wald geben. Der Laubholzanteil wird zwar steigen. Aber der Umbau von Wäldern ist ein Jahrhundertprojekt.”

Ruth Swoboda ist wissenschaftliche Direktorin der inatura. Der Verlust von Biodiversität sei auch in Vorarlberg dramatisch und nicht mehr umzukehren.
Ruth Swoboda ist wissenschaftliche Direktorin der inatura. Der Verlust von Biodiversität sei auch in Vorarlberg dramatisch und nicht mehr umzukehren.

Hoffnungsträger Bodensee

Viel zum Thema Biodiversität und Artenschwund hat Ruth Swoboda zu berichten. Sie kümmert sich als wissenschaftliche Direktorin der inatura nicht nur darum zu dokumentieren, wie sich Flora und Fauna in Vorarlberg verändern, sondern auch dass das Wissen darum bei allen Generationen nicht verloren geht. “Der Verlust von Biodiversität ist dramatisch. Es ist vor allem auch eine Krise, die wir nicht rückgängig machen können”, sagt sie. In Vorarlberg gebe es noch “fantastische Flächen in den Berg- und Hanglagen”. Aber in den Tallagen sehe es oft nicht mehr so gut aus, was die Biodiversität angeht. “Es gibt nur noch wenige Arten, wo es einen Aufschwung gibt”, sagt die Biologin. 

Hoffnung gebe der Blick auf den Bodensee. Er ist ein Paradebeispiel dafür, was man “mit gemeinsamer Anstrengung über die Grenzen hinweg und mit viel Herzblut” schaffen kann. Swoboda ergänzt: “In den 70er-Jahren wurde er noch als verfaulendes Gewässer deklariert.” Nun sei der drittgrößte Binnensee in Europa ein See mit Trinkwasserqualität.

Hannes Waldner ist Geschäftsführer des Skigebiets Schetteregg. Der Tourismus befinde sich im Wandel, ein hochwertiges Ganzjahresangebot werde wichtiger.
Hannes Waldner ist Geschäftsführer des Skigebiets Schetteregg. Der Tourismus befinde sich im Wandel, ein hochwertiges Ganzjahresangebot werde wichtiger.

Hoffnung durch nachhaltigen Tourismus

Den Wandel spürt auch der Wintertourismus massiv. Österreich erlebte den sechstwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen: um 2,8 Grad wärmer als das Mittel zwischen 1960 und 1990. Hannes Waldner ist Geschäftsführer des Skigebiets Schetteregg: “Unsere Geschäftsgrundlage – der Schnee – war vor vielen Jahren noch sehr zuverlässig da, darauf ist heute kein Verlass mehr.” Es stelle sich die Frage, wie lange es noch Sinn habe, sich gegen den Klimawandel, also die Natur zu wehren, sagt er: “Was für mich klar ist auf 1000 Meter: Das klassische Skigebiet kann es nicht bleiben. Es ist dringend notwendig, zum Ganzjahresbetrieb zu werden, mit gutem, nachhaltigem Qualitätstourismus.”

Die Vorarlberger Nachrichten sammeln bereits Einsendungen für den Klimaschutzpreis 2024 unter klima.vn.at. Wir freuen uns über Einsendungen und Anregungen.