Darum geht immer mehr Menschen das Geld aus

Politik / 20.04.2023 • 19:30 Uhr
Ma hilft Tischlein deck dich, Wir sind bei Elmar Stüttler, der im Kolpinghaus Essen ausgibt.Tischlein Deck Dich im Kolpinghaus: Inzwischen kämen auch jüngere Menschen, hieß es.  <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Ma hilft Tischlein deck dich, Wir sind bei Elmar Stüttler, der im Kolpinghaus Essen ausgibt.Tischlein Deck Dich im Kolpinghaus: Inzwischen kämen auch jüngere Menschen, hieß es.  VN/Steurer

Jeder Fünfte ist armutsgefährdet: Steigende Preise führen zu einem echten Problem.

SCHWARZACH Die gute Nachricht: Alles in allem sind die Menschen in Vorarlberg zufrieden. Auf einer Skala von null, sprich: überhaupt nicht zufrieden, bis zehn, vollkommen zufrieden, bewerten sie ihr Leben mit 8,2. Die schlechte Nachricht: Das ist ein Mittelwert. Viele haben zu kämpfen.

Statistik Austria veröffentlichte gestern neue Daten zur sozialen Lage: Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre waren 21 Prozent der Vorarlberger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet . Das entspricht rund 83.000 Männern, Frauen und Kindern. Österreichweit belief sich der Anteil auf 17 Prozent. Höher war er nur in Wien (26 Prozent).

Armuts- oder ausgrenzungsgefährdet ist, wer wenig Geld zur Verfügung hat oder in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Zum Ausdruck kommen kann dies etwa dadurch, dass es unmöglich ist, eine Miete pünktlich zu bezahlen oder die Wohnung warm zu halten. Die Einkommensgrenze, bis zu der von Armutsgefährdung die Rede ist, liegt bei Alleinstehenden bei 1392 Euro im Monat und bei zwei Erwachsenen mit einem Kind zum Beispiel bei 2506 Euro.

„Die Gruppe der Menschen, die von manifester Armut betroffen sind, ist größer geworden“, berichtet Caritas-Direktor Walter Schmolly. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
„Die Gruppe der Menschen, die von manifester Armut betroffen sind, ist größer geworden“, berichtet Caritas-Direktor Walter Schmolly. VN/Stiplovsek

Es gibt Leute, denen das reicht. Armutsgefährdet zu sein heißt nicht zwangsläufig, arm zu sein. In Zeiten stark steigender Preise sollte man sich aber nichts vormachen: „Die Gruppe der Menschen, die von manifester Armut betroffen sind, ist größer geworden“, berichtet Caritas-Direktor Walter Schmolly.

Alleinerziehende stark belastet

In den Beratungsstellen der Caritas sei das zu spüren: Sie werden immer mehr in Anspruch genommen. Mit 3023 Haushalten insgesamt bemühten sich 2022 um zehn Prozent mehr um eine Unterstützung. Besonders nötig haben eine solche Alleinerziehende: Bei ihnen belief sich der Zuwachs auf 15 Prozent. Zusätzlich gestartet hat die Caritas ein Projekt zum Thema Energiesparen. Zwischenbilanz: „Wir sehen, dass viele Haushalte nicht in der Lage sind, beispielsweise ein kaputt gegangenes Küchengerät zu ersetzen.“

In Summe habe der Staat sehr viel Geld aufgewendet, betont Schmolly: „Es ist offenbar aber nicht gelungen, die am stärksten von der Teuerung betroffenen Menschen nachhaltig zu entlasten.“ Sinnvoll wäre es seiner Meinung nach, den Ausgleichszulagen-Richtsatz anzuheben. Bei Alleinstehenden beläuft er sich auf 1110 Euro und liegt damit weit unter der erwähnten Armutsgefährdungsschwelle von 1392 Euro.

Darum geht immer mehr Menschen das Geld aus

Dass der Anteil der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Personen in Vorarlberg am höchsten ist, überrascht Michael Diettrich von der Armutskonferenz nicht: Es gebe vergleichsweise viele, die sehr wenig verdienen. Darunter besonders Frauen. Knapp bei Kasse oder ohne Spielraum sind laut Diettrich zunehmend auch Angehörige der Mittelschicht: „Es geht nicht mehr um die unteren zehn, 20, sondern um 40 Prozent. Sie sind nicht alle arm. Wenn etwas Besonderes passiert, können sie jedoch Probleme bekommen. Und mit der Teuerung ist jetzt etwas Besonderes passiert.“

Junge kommen, Senioren nicht

“Wir versorgen unverändert an die 1000 Familien im Land”, erklärt Elmar Stüttler von Tischlein Deck Dich. Kontraproduktiv wären jedoch gerade die “Too good to go”-Angebote von Gemüse und Obst in den Supermärkten. “Inzwischen kommen auch jüngere Menschen zu uns”, sagt der Dornbirner Standortleiter Eugen Wenin. “Wer aber fehlt, sind die Älteren.” Er ist überzeugt, gerade viele von Altersarmut betroffene Personen können sich nicht überwinden, Tischlein Deck Dich aufzusuchen. Sie hoffen, dass Bedürftige oder jene, die Bedürftige kennen, sich bei Tischlein Deck Dich melden. Wenn es darauf ankommt, werde der Verein daraufhin den Erstkontakt herstellen.

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