Pikanter Instagram-Post: ÖVP-Wirtschaftsbund plötzlich zu transparent

Hinter den Kulissen: Direktor postet Bildschirmfoto mit pikanten Informationen zu Beitrags-Ausständen.
Mit dem neuen Direktor Christoph Thoma (49, ÖVP) werde der krisengeschüttelte Vorarlberger Wirtschaftsbund auf “eine neue Kultur der Kommunikation setzen”, erklärte Landesrat und Wirtschaftsbund-Obmann Marco Tittler (46, ÖVP) vor wenigen Monaten bei Thomas Ernennung. Der Landtagsabgeordnete, Strategieberater und Kulturmanager ist seither mit der auch auf sozialen Medien zur Schau getragenen Begeisterung bei der Arbeit. So fotografierte er für eine Instagram-Story seinen Arbeitsplatz am Konferenztisch beim Treffen der österreichischen Wirtschaftsbund-Direktoren. Samt seinem eingeschalteten Laptop, auf dem er auch den Text der aktuell geöffneten Email abfotografierte und gut lesbar selbst öffentlich stellte.
“Mitgliedsbeitrag 2020 zuletzt bezahlt”
In dem pikanten Mail, das seither seine Runden macht, wird der Wirtschaftsbund-Chef von seinem Büro über anstehende Aufgaben des kommenden Tages gebrieft. Der erste Termin “gleich um 8.00 Uhr” bei einer Verpackungs-Firma. “Seit 2015 Mitglied, 2022 Beitrag von 1000 Euro nicht bezahlt”, ist in der Vorbereitung vermerkt. Nächster Termin mit einem Mitglied, das “2020 zuletzt bezahlt” habe. Am Nachmittag dann ein Kennenlernen im Feldkircher Wirtschaftsbund-Büro mit einem großen Handelsunternehmen. Ebenfalls “2022 nicht bezahlt”.

Nach den VN vorliegenden Informationen sind 2022 angesichts der Enthüllungen rund um den Wirtschaftsbund-Skandal mehrere Mitglieder ihre Beiträge schuldig geblieben. “Mahnungen haben wir in der damaligen Situation natürlich keine verschickt”, sagt jemand, der es wissen muss.
Nun wird auch verständlicher, was Christoph Thoma in der Presseaussendung zu seiner Ernennung mit “Stakeholdermanagement und aktivierende Netzwerkpflege” als zentrale Aufgaben gemeint haben könnte. Auf gut deutsch: Mitgliedsbeiträge eintreiben.