Zehn Jahre Papst Franziskus: Bischof Benno Elbs sieht “Quelle der Zuversicht”

Politik / 13.03.2023 • 16:00 Uhr
Papst Franziskus und  Bischof Benno Elbs im Dezember des Vorjahres.<span class="copyright"> Vatican Media</span>
Papst Franziskus und Bischof Benno Elbs im Dezember des Vorjahres. Vatican Media

Wie Franziskus die katholische Kirche seit einem Jahrzehnt prägt.

Schwarzach Vor zehn Jahren begann die Ära von Papst Franziskus. Auf dem Balkon des Petersdoms, am Abend des 13. März 2013, läutete sie der Argentinier Jorge Mario Bergoglio mit einem freundlichen „Buonasera“ („Guten Abend“) ein. Seine Herangehensweise unterscheidet sich deutlich von der seines Vorgängers Benedikt XVI. Der Bischof von Feldkirch, Benno Elbs, ist dem Papst bereits mehrmals begegnet. „Er ist für die Welt und für viele Menschen sicher eine Quelle der Zuversicht.“

Drei Wochen in der Casa Santa Marta

Bei der Familiensynode im Herbst 2015 sei er drei Wochen in der Casa Santa Marta untergebracht gewesen, wo auch der Pontifex wohnt, erzählt Bischof Elbs. „Ich habe dort Papst Franziskus als sehr aufmerksamen und authentischen Menschen erlebt.“

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Seine erste Reise als Oberhaupt der katholischen Kirche hatte Franziskus nach Lampedusa unternommen, als Zeichen seiner Verbundenheit zu Flüchtlingen. An jedem Gründonnerstag wäscht er Häftlingen im Gefängnis die Füße. Darauf verweist auch Bischof Elbs auf VN-Anfrage und hebt „seine bedingungslose Zuwendung zu den Armen“ hervor. „Das alles sind symbolische Handlungen. Das sind Zeichen.“ Als entscheidend bezeichnet der Vorarlberger Bischof auch den Einsatz für Gerechtigkeit in der Wirtschaft und für „Mutter Erde.“

<span class="copyright">Reuters</span>Der Papst gilt als progressiver als sein Vorgänger. Das gilt aber nicht für alle Belange.
ReutersDer Papst gilt als progressiver als sein Vorgänger. Das gilt aber nicht für alle Belange.

Das Bemühen für den Frieden in Kriegssituationen in der jüngeren Vergangenheit hält Elbs für beeindruckend. „Der Krieg tut mir weh“, sagte der Papst kürzlich über die Lage in der Ukraine. Erneut erklärte er sich zur Vermittlung bereit, sowohl in Kiew als auch Moskau.

„Ich werde an beide Orte gehen oder an keinen“, sagte er zur Zeitung „La Nacion.“ Eine erste Offerte lehnte Russland ab. Nach dem Rücktritt von Papst Benedikt musste Franziskus eine von Krisen gezeichnete Kirche übernehmen. In vielen Teilen der Welt wurde aufgedeckt, dass Geistliche jahrzehntelang Kinder missbrauchten. Das sorgte vor allem in Europa dafür, dass viele Menschen der Kirche den Rücken kehrten. An der Kurie wirkten Finanzeklats nach, neue Skandale kamen ans Licht. Bischof Elbs glaubt, dass der Papst in vielen Fragen sehr progressiv ist, und nennt als Beispiele etwa die Sanierung der Vatikan Bank und die Aufarbeitung von Missbrauch, die er „aktiv und engagiert“ immer wieder antreibe. Progressiv sei er sicher auch in Fragen von Umwelt- und Wirtschaftsethik.

Diese Aufnahme stammt vom 13. März 2013: Jorge Mario Bergoglio auf dem Balkon des Petersdoms.<span class="copyright"> Reuters</span>
Diese Aufnahme stammt vom 13. März 2013: Jorge Mario Bergoglio auf dem Balkon des Petersdoms. Reuters

„Auch sein bescheidener Lebensstil hat Vorbildcharakter und damit die Kirche mitgeprägt.“ Im Umgang mit Menschen sei die psychologische Grundausbildung bemerkbar. „Wertschätzung ist die Grundlage seiner Kommunikation“, sagt Elbs. Als eines der wichtigen Projekte des Papstes verweist Elbs auch auf die Kurien-Reform. Ihm sei es wichtig, Laien und besonders Frauen in die Leitungsebenen der Kurie zu berufen.

Franziskus gilt zwar als progressiver als sein Vorgänger. Allerdings gilt das nicht für alle Belange. Eine Segnung von Homosexuellen und Priesterweihen für Frauen lehnt er ab. Für umso mehr Aufregung sorgten indes jüngste Aussagen über das Zölibat. „Es liegt kein Widerspruch darin, dass ein Priester heiraten kann“, sagte Franziskus zu einem argentinischen Nachrichtenportal. Auf die Nachfrage, ob der Zölibat also revidierbar sei, antwortete er mit Ja. In der westlichen Kirche handle es sich um eine „zeitliche Vorschrift“, im Gegensatz etwa zur Priesterweihe, die für „für immer“ gelte.

Diese Aufnahme von 2019 stammt von Bischof Elbs.<span class="copyright"> Benno Elbs</span>
Diese Aufnahme von 2019 stammt von Bischof Elbs. Benno Elbs

Die Diskussion gebe es in der Kirche schon lange, sagt Elbs und erinnert an die Amazonien-Synode. „Schon damals wurde angeregt, dass es verschiedene Lebensformen für Priester geben solle.“ Der Bischof betont: „Ich sehe den Zölibat durchaus als wertvoll für unsere Kirche. Gleichzeitig ist die Frage, ob er verpflichtend für alle Priester sein soll. Es gibt ja in der katholischen Kirche jetzt schon verheiratete Priester, zum Beispiel in der Ostkirchen-Tradition.“

Abschluss der Weltsynode 2024

Ein großes Vorhaben will Franziskus noch abschließen: die von ihm erdachte Weltsynode. Seit Oktober 2021 sollen alle Orts-, Landes- und Kontinentalkirchen Eindrücke, Sorgen und Wünsche für einen Wandel äußern. 2024 ist der Abschluss geplant. „Von der Synode erhoffe ich mir eine Vertiefung der Beziehung zu Gott und den Menschen“, sagt Elbs. „Dazu gehört auch das mutige und offene Wort zu allen Fragen, die die Menschen heute bewegen.“

Seine erste Reise als Papst führte Franziskus auf die Insel Lampedusa.<span class="copyright"> AP</span>
Seine erste Reise als Papst führte Franziskus auf die Insel Lampedusa. AP

Wegen eines schweren Knieleidens sitzt der Papst die meiste Zeit im Rollstuhl. An Rücktritt denke er aber nicht, betonte Franziskus. Erst wenn er müde werde, Dinge nicht mehr klar sehe oder Situationen nicht richtig bewerte, könne es so weit sein.

Erster “Popecast”

Papst Franziskus feiert zehn Jahre Pontifikat mit der Veröffentlichung seines ersten Podcasts. Darin wünscht er sich Frieden in der Welt. “Frieden, wir brauchen Frieden”, sagt der Heilige Vater, und erzählt außerdem über sich selbst und über die Herausforderungen seines Amts. Der Podcast, der bereits als „Popecast“ bezeichnet wird, ist ein Interview mit dem Journalisten von „Vatican News“, Salvatore Cernuzio. „Das Erste, was mir einfällt, ist, dass es mir vorkommt, als wäre meine Papst-Wahl erst gestern gewesen …“, so Franziskus, der zu Beginn sogar fragt: „Ein Podcast? Was ist das?“ Von den Tausenden von Audienzen, den Hunderten von Besuchen in Diözesen und Pfarren und den 40 apostolischen Reisen behalte er klare Erinnerungen in seinem Herzen, sagte der Papst weiter, und bezeichnete sie als “schönsten Moment.”