Eine würdige letzte Reise für einen weltoffenen Vorarlberger

Politik / 10.02.2023 • 18:10 Uhr
Martin Purtscher wurde anlässlich des Requiems im Feldkircher Dom aufgebahrt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Martin Purtscher wurde anlässlich des Requiems im Feldkircher Dom aufgebahrt. VN/Paulitsch

Vorarlberg verabschiedete Martin Purtscher mit einem Requiem im Feldkircher Dom. Der Altlandeshauptmann verstarb vor zwei Wochen im Alter von 94 Jahren.

Feldkirch Als Letzter huschte noch Fürst Hans Adam II., Staatsoberhaupt von Liechtenstein, in die erste Reihe. Damit waren alle Ehrengäste beim Gottesdienst für den ehemaligen Landeshauptmann vor Ort. Gemeinsam mit seiner Familie nahmen das offizielle Vorarlberg und Österreich Abschied von einem großen Vorarlberger, der den Blick nach Europa nie aus den Augen verloren hat.

Vor dem Gottesdienst konnten sich die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger persönlich verabschieden ... <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Vor dem Gottesdienst konnten sich die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger persönlich verabschieden ... VN/Paulitsch
... und sich in das aufliegende Kondolenzbuch eintragen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
... und sich in das aufliegende Kondolenzbuch eintragen. VN/Paulitsch

Nachhallende letzte Worte

Das Requiem wurde von Bischof Benno Elbs geleitet, der in seiner Predigt drei Haltungen ansprach, die bei Martin Purtscher immer erkennbar gewesen seien: “Nutze deine Zeit”, Dankbarkeit und “Ich will, dass du bist”. Bis in seine letzten Stunden schätzte er laut Elbs diesen Zugang zum Leben.

Bischof Benno Elbs (Mitte) leitete den Gottesdienst im Feldkircher Dom St. Nikolaus. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bischof Benno Elbs (Mitte) leitete den Gottesdienst im Feldkircher Dom St. Nikolaus. VN/Paulitsch

Der Bischof erhielt wenige Tage vor Weihnachten einen Brief von Purtscher: “Die letzten Worte von ihm an mich geben den Blick frei auf einen liebenswürdigen Menschen, der viel geleistet und viel erreicht hat”, schilderte Elbs seinen persönlichen Eindruck.

Mit Barbara Schöbi-Fink, Marco Tittler, Christian Gantner, Martina Rüscher und Katharina Wiesflecker (v.r.n.l.), sowie ... <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Mit Barbara Schöbi-Fink, Marco Tittler, Christian Gantner, Martina Rüscher und Katharina Wiesflecker (v.r.n.l.), sowie ... VN/Paulitsch
... Daniel Zadra war auch die Landesregierung vertreten. Vizepräsidentin Sandra Schoch (l.) war für den Landtags dabei. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
... Daniel Zadra war auch die Landesregierung vertreten. Vizepräsidentin Sandra Schoch (l.) war für den Landtags dabei. VN/Paulitsch

Er sprach außerdem die Einstellung Purtschers an, die in der Familie und in Freundschaften immer Thema gewesen sei: “Er hat eine Haltung vorgelebt, die andere groß macht und sie leben lässt, die den Frieden sucht und Versöhnung möglich macht.” Das sei ein Kontrapunkt “zu allen Versuchen, andere zu kränken und zu verletzen”.

Ebenfalls unter den Trauernden waren der ehemalige Vizekanzler Hubert Gorbach mit Margot sowie ... <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Ebenfalls unter den Trauernden waren der ehemalige Vizekanzler Hubert Gorbach mit Margot sowie ... VN/Paulitsch
... der ehemalige österreichische EU-Kommissar Franz Fischler (l.) und Christoph Leitl (r.), Ehrenpräsident der Wirtschaftskammer. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
... der ehemalige österreichische EU-Kommissar Franz Fischler (l.) und Christoph Leitl (r.), Ehrenpräsident der Wirtschaftskammer. VN/Paulitsch

Für alle die Chance auf ein gutes Leben

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) bezog sich in seiner Trauerrede auf ebendiesen letzten Brief, “handschriftlich verfasst mit seinem bekannt feinen Federstrich”. Dort stand geschrieben: “Etwas vom Wichtigsten ist es, sich dankbar jener zu erinnern, die unser Leben aufmerksam, liebevoll und fürsorglich begleiten.“

Markus Wallner würdigte Martin Purtscher seitens der Landesregierung. <span class="copyright">SAMS</span>
Markus Wallner würdigte Martin Purtscher seitens der Landesregierung. SAMS

Solch ein Mensch sei Martin Purtscher gewesen: “Er wollte anderen das weitergeben, was ihm geschenkt wurde: die Chance auf ein gutes Leben”, sprach Wallner seinem Vorvorgänger tiefen Respekt aus. Die Waage zwischen Mut zum Gestalten und der Demut vor dem Amt habe er immer gehalten: “Gerade eine christlich orientierte Politik sah er als einen positiven Wettbewerb, er wollte und suchte die Konfrontation nicht.”

“Frieden stiften” als Grundhaltung

Harald Sonderegger (ÖVP) verabschiedete Martin Purtscher für den Vorarlberger Landtag. Purtscher sei “das Schicksal der Gemeinschaft” sein ganzes Leben lang am Herzen gelegen “und er hat dafür seine Stimme erhoben”. Nur die Familie sei ihm noch wichtiger gewesen als die Gemeinschaft in Vorarlberg, Österreich und Europa, führte der Landtagspräsident mit einem Blick auf Purtschers Frau Gretl und die drei Töchter aus.

Harald Sonderegger erinnerte die Trauergemeinschaft an Purtschers Blick für das Schicksal der Gemeinschaft. <span class="copyright">SAMS</span>
Harald Sonderegger erinnerte die Trauergemeinschaft an Purtschers Blick für das Schicksal der Gemeinschaft. SAMS

Christoph Leitl, Ehrenpräsident der Wirtschaftskammer, fasste Purtschers Haltung mit zwei Worten zusammen: “Frieden stiften.” Bis zuletzt sei ihm das – als Vermächtnis – ein Anliegen gewesen.

Auch Liechtensteins Fürst Hans Adam II. und ... <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Auch Liechtensteins Fürst Hans Adam II. und ... VN/Paulitsch
... Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erwiesen Martin Purtscher die letzte Ehre. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
... Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erwiesen Martin Purtscher die letzte Ehre. VN/Paulitsch

Europa im Herzen

Immer wieder erwähnte auch Landeshauptmann Wallner die Beziehung Purtschers zu Europa, immer wieder habe der Verstorbene von den Abschlussverhandlungen für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union in Brüssel berichtet: “Er bezeichnete das als berührendsten Moment seines Berufslebens.” So schloss auch das Requiem mit der Europahymne für einen Vorarlberger mit Europa im Herzen.

Martin Purtscher wird am Samstag in Thüringen beigesetzt, in seinem Geburtsort, wo er am 27. Jänner 2023 verstarb.

Martin Purtscher: Ein großer Vorarlberger mit bedeutenden Verdiensten in Europa, Österreich und dem Land Vorarlberg. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Martin Purtscher: Ein großer Vorarlberger mit bedeutenden Verdiensten in Europa, Österreich und dem Land Vorarlberg. VN/Paulitsch
Requiem für Altlandeshauptmann Purtscher im Feldkircher Dom. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Requiem für Altlandeshauptmann Purtscher im Feldkircher Dom. VN/Paulitsch

Steckbrief

Martin Purtscher wurde am 12. November 1928 in der Vorarlberger Gemeinde Thüringen geboren. Purtscher gehörte seit 1950 als Mitglied des Vorarlberger Wirtschaftsbundes der ÖVP an. Am 29. Oktober 1964 zog er erstmals für den Wahlkreis Bludenz in den Vorarlberger Landtag ein, er sollte über 30 Jahre Mandatar bleiben – bis zum 31. März 1997.

Von 4. November 1974 bis 9. Juli 1987 stand er dem Landesparlament als Präsident vor, in seine Amtszeit fiel unter anderem eine große Reform der Vorarlberger Landesverfassung.

Zwischen dem 24. Oktober 1989 und dem 2. April 1997 war Purtscher Landeshauptmann, in dieser Funktion verhandelte er unter anderem Österreichs Beitritt zur Europäischen Union maßgeblich mit. Im Amt des Landeshauptmanns folgte ihm ab 1997 Herbert Sausgruber.

Martin Purtscher war vom 9. September 1954 bis zu seinem Tod mit Gretl, geborene Hübner, verheiratet und hatte drei Töchter, Sabine, Vera und Carola, sechs Enkelkinder und eine Urenkelin. Er lebte bis zuletzt in Thüringen, wo er am 27. Jänner 2023 94-jährig verstarb.

Eine würdige letzte Reise für einen weltoffenen Vorarlberger
Führte als Präsident noch den Vorsitz im historischen Landtagssaal: Martin Purtscher. ARCHIV
Vorarlberg wird Martin Purtscher ein würdiges Andenken bewahren. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Vorarlberg wird Martin Purtscher ein würdiges Andenken bewahren. VN/Paulitsch
Hans Peter Doskozil mit Ehefrau Julia. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Hans Peter Doskozil mit Ehefrau Julia. VN/Paulitsch
Landeshauptmann Wallner und Bischof Benno Elbs.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Landeshauptmann Wallner und Bischof Benno Elbs. VN/Paulitsch
Der Dom in Feldkirch war vollbesetzt.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Der Dom in Feldkirch war vollbesetzt. VN/Paulitsch
Bischof Benno fand einfühlsame Worte. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bischof Benno fand einfühlsame Worte. VN/Paulitsch

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