Neue Reiseauflage: Darum sorgt die Coronawelle in China weltweit für Sorgen

Nach dem Ende der Null-Covid-Politik in der Volksrepublik verschärfen immer mehr Länder ihre Auflagen.
Schwarzach Immer mehr Länder verschärfen ihre Einreisebestimmungen für Reisende aus China. Das liegt an den Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen, sowie den deutlich gestiegenen Fallzahlen in dem Land mit über 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern. In Europa ist Italien bereits vorgeprescht: Dort müssen Flugreisende aus China nach der Landung am Flughafen einen Corona-Test machen. Positiv Getestete sind zur Isolierung verpflichtet. In Österreich ist derzeit keine solche Maßnahme geplant. Gesundheitsexperte Armin Fidler spricht aktuell von einer besonderen Situation in der Volksrepublik. Über neue Virusvarianten sei derzeit aber nichts bekannt.
Ruf nach europaweiten Tests
Nachdem Italien seine neuen Auflagen für chinesische Reisende in Kraft setzte, forderte das Land europaweit verpflichtende Tests. Nur so könnten die Kontrollen flächendeckend funktionieren, erklärte die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni. Gesundheitsminister Orazio Schillaci reichte einen entsprechenden Antrag bei der EU-Kommission ein. Bisherige Kontrollen auf den Mailänder Flughäfen hätten ergeben, dass die positiv getesteten Passagiere aus China sich vor allem mit der Omikron-Variante infiziert haben. Die Lage sei bisher unter Kontrolle.

Am Dienstag hatte der Flughafen Mailand Malpensa damit begonnen, Passagiere aus China auf das Coronavirus zu testen. Jeder zweite Test fiel positiv aus.
Auch die USA wollen bald ihre Auflagen für Einreisende aus der Volksrepublik verschärfen. Ab 5. Jänner verlangen sie von ihnen einen negativen Corona-Test. Wer zwei Jahre und älter ist, muss spätestens zwei Tage vor dem Abflug aus China, Hongkong und Macau einen Test machen und das negative Ergebnis den Fluggesellschaften vor der Abreise vorlegen, hieß es. Zuvor hatten bereits auch Japan, Indien und Malaysia entsprechende Regelungen erlassen.

Das Gesundheitsministerium verfolge die Entwicklungen in China sehr auferksam und stehe im Austausch mit den Europäischen Behörden und den anderen EU-Staaten, teilte das Ressort von Minister Johannes Rauch (Grüne) auf VN-Anfrage mit. Dabei verwies es auch auf die jüngsten Beratungen auf europäischer Ebene. Österreich orientiere sich an einer abgestimmten europäischen Vorgehensweise und plane aktuell keine Anpassung der Covid19-Einreiseversordnung. “Im Gegensatz zu China, welches bislang durch eine Null-Covid-Strategie geprägt war, verzeichnen wir in Österreich eine breite Immunität gegen die auch in China dominierende Omikron-Variante.” Das Auftreten neuer Virusvarianten werde hierzulande durch ein gut aufgestelltes Surveillance-System beobachtet.
Wer nach Österreich reisen möchte, unterliegt bereits seit Mai keiner Nachweis-, Registrierungs- und Quarantänepflichten mehr, erläutert das Ressort weiter. Die Einreise aus Staaten und Gebieten mit einem sehr hohen epidemiologischen Risiko ist ausgenommen. Betroffene brauchen einen 3G-Nachweis und sind zu einer Registrierung und Quarantäne verpflichtet. Derzeit steht aber keine Region oder Land auf der entsprechenden Liste.
Keine genauen Zahlen
China war Anfang Dezember von seiner bisher strikten Null-Covid-Politik abgerückt. Das Coronavirus bereitet sich nun rasant in dem riesigen Land aus. Schätzungen zufolge könnten in den kommenden Monaten etwa eine Million Menschen an den Folgen einer Infektion sterben. Viele Krankenhäuser sind überfüllt. Genaue Corona-Zahlen gibt es nicht mehr.

“Perfekter Sturm”
„Wir haben eine hohe Immunität in der Bevölkerung“, sagt Public Health-Experte Fidler. Der Schaden durch gefallene chinesische Reisebeschränkungen in Europa und Österreich sei wohl geschätzt. Als Unsicherheit nennt er indes neue mögliche Mutationen des Virus. Von solchen wisse man aktuell aber noch nichts. Der Vorarlberger Mediziner, welcher der Corona-Kommission des Bundes angehört, verweist aber auf eine spezielle Situation in der Volksrepublik. Die älteren Menschen seien weitgehend ungeimpft, die selbst entwickelten Vakzine schützten nur unzureichend, zudem ließ Peking keine mRNA-Impfstoffe zu. „Die Menschen haben durch die Zero-Covid-Politik auch keine natürliche Immunität entwickeln können.“ Im Prinzip sei das der „perfekte Sturm“, sagt Fidler. „Es ist daher zielführend, auf der Hut zu sein, zu testen und zu sequenzieren.“