So stark hat die Infektionswelle Vorarlberg im Griff

Politik / 22.12.2022 • 18:30 Uhr
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Auch in Vorarlberg sind derzeit viele Menschen krank. APA/Gindl

Grippe, Corona und RS breiten sich aus, die Krankenstände sind deutlich angestiegen.

Marlies Mohr, Magdalena Raos

Schwarzach Momentan leiden besonders viele Menschen an Atemwegsinfektionen. Das Virentrio Corona, Grippe und RS wütet. Das zeitigt auch in den Spitälern Folgen. Zudem gibt es Engpässe bei bestimmten Medikamenten.

Drei Viren

In den Spitälern des Landes ist der Umtrieb von speziell drei Viren spürbar. Hans Hirschmann von der Hygieneabteilung im Landeskrankenhaus Feldkirch spricht von einer leichten Steigerung der Corona-, Influenza- und RS-Erkrankungen.  „Noch ist die Situation aber nicht wie in anderen Bundesländern grenzwertig, sondern machbar“, bestätigte er auf VN-Anfrage. Im Landeskrankenhaus Feldkirch beispielsweise gibt es seinen Aussagen zufolge aktuell neun Fälle von Covid-19, an einer Influenza laborieren elf Patienten, und mit dem RS-Virus infiziert sind zehn Personen. Bei Letzteren handelt es sich vorwiegend um Kinder. Vereinzelt werde das RS-Virus aber auch bei Erwachsenen festgestellt.

Hans Hirschmann von der Hygieneabteilung des LKH Feldkirch sieht eine bewältigbare Situation. Grenzwertig wie in anderen Bundesländern sei es nicht.<span class="copyright">KHBG</span><span class="copyright"></span>
Hans Hirschmann von der Hygieneabteilung des LKH Feldkirch sieht eine bewältigbare Situation. Grenzwertig wie in anderen Bundesländern sei es nicht.KHBG

Kommen Patienten mit den für solche Infektionen typischen Symptomen wie Fieber und Atemproblemen ins Spital, werden sie automatisch auf Covid, Grippe und RS getestet. Laut Hirschmann liegen einige der Betroffenen aufgrund einer anderen Erkrankung stationär. Die Infektionen sind praktisch eine Nebenerscheinung, wie das bei Covid-19 immer häufiger der Fall ist.

Ein höheres Infektionsgeschehen in den kälteren Monaten sei erwartbar gewesen, sagt Gesundheitsexperte Armin Fidler. „Die Ausprägung ist jedes Jahr unterschiedlich. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Virulenz der Virenstämme, dem Wetter oder der Impfbedeckung, die in Österreich sehr schlecht ist.“  Nun seien mit Corona, Influenza und RS auch gleichzeitig verschiedene Viren aktiv. Vieles komme zusammen.

Der Mediziner verweist auf unterschiedliche Risikofaktoren. Hauptsächlich Kinder und Babys erkrankten schwer an einer RSV-Infektion, Covid19 treffe vor allem ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen. Bei der Influenza sei das quer durch der Fall. Es drohen schwere Lungenentzündungen. Dass aktuell so gut wie keine Corona-Vorkehrungen mehr gelten, macht die Sache nicht einfacher. „Wir haben gemerkt, dass die Maßnahmen nicht nur gegen Corona wirken, sondern auch gegen andere Viren“, sagt Fidler, und nennt etwa die Maske oder Handhygiene als Beispiel. Das fällt jetzt meistens weg. Mehr Ansteckungen sind die Folge.

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Das aktuelle Infektionsgeschehen hat bereits zu einer Zunahme an Krankenständen geführt. Vergangene Woche wurden 5126 grippale Infekte gemeldet, darunter waren 302 Grippefälle. Zum Vergleich: Eine Woche davor meldete die ÖGK für Vorarlberg noch 77 Grippefälle bei 2731 Meldungen. Inklusive der Covidfälle (744) kamen allein bei den ÖGK-versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht weniger als 13.444 Arbeitsunfähigkeitsmeldungen zusammen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab es laut ÖGK-Statistik gerade einmal fünf Influenzafälle.

Gesundheitsexperte Armin Fidler verweist auf unterschiedliche Risikofaktoren.
Gesundheitsexperte Armin Fidler verweist auf unterschiedliche Risikofaktoren.

Dazu kommen momentan zunehmend Arzneimittel-Engpässe. Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen listete am Donnerstag in seiner Datenbank über 500 Arzneien auf, die nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind. Auch bei Vorarlberg LIVE sprach Apothekerkammerpräsident Christof von Dellen diese Woche von Lieferschwierigkeiten bei gewissen Medikamenten. Apothekerinnen und Apotheker könnten auf andere Präparate als Alternative zurückgreifen. Engpässe sind den Schilderungen zufolge grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Das komme immer wieder vor, betonte van Dellen. Da viele Viren im Umlauf seien, merke man das momentan aber sehr stark. In der Sendung verwies er auch auf die Auslagerung der Produktion in den asiatischen Raum, insbesondere nach China und Indien. Die Patientenversorgung in Österreich ist dem Vorarlberger Apothekerkammerpräsident zufolge aber nicht gefährdet.

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Verschiedene Präparate

Ähnlich sieht das Public Health-Experte Fidler. Es werde oft schon als Mangel bezeichnet, wenn nicht genau das Medikament vorliege, das verschrieben wurde. Von den unterschiedlichen Gruppen gebe es aber verschiedene Präparate. „Ich glaube nicht, dass es sich um ein Risiko für die Bevölkerung handelt.” Fehlende Markennamen könnten meist ersetzt werden. „Aber es mag Ausnahmefälle geben.“