NATO: Rakete in Polen nicht aus Russland

Politik / 16.11.2022 • 22:40 Uhr
An der Einschlagstelle der Rakete im polnischen Dorf Przewodow nahe der Ukraine laufen die Untersuchungen.AFP
An der Einschlagstelle der Rakete im polnischen Dorf Przewodow nahe der Ukraine laufen die Untersuchungen.AFP

Laut USA und Polen stammt die Rakete von der ukrainischen Luftabwehr.

Kiew Die NATO hat nach Angaben ihres Generalsekretärs Jens Stoltenberg keine Hinweise darauf, dass der tödliche Raketeneinschlag in Polens Grenzgebiet zur Ukraine ein vorsätzlicher Angriff war. Nach vorläufigen Analysen sei der Vorfall wahrscheinlich durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht worden, sagte Stoltenberg nach einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch in Brüssel. Es gebe keinen Hinweis auf einen Angriff auf Polen, sagte auch der polnische Präsident Andrzej Duda.

Einen sogenannten Bündnisfall nach Artikel 5 sieht die Allianz demnach nicht. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass das ein beabsichtigter Angriff war“, sagte Stoltenberg. „Aber was wir wissen ist, dass der wahre Grund für den Vorfall der russische Krieg in der Ukraine ist.“ Die Ermittlungen seien zwar noch nicht abgeschlossen. „Das ist aber nicht die Schuld der Ukraine.“ Russland müsse diesen „sinnlosen Krieg“ beenden. Nach bisherigen Erkenntnissen sei die Flugabwehrrakete eine S-300 aus russischer Produktion, die in den 70er-Jahren hergestellt wurde.

Duda gab Entwarnung

Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats gab Duda Entwarnung für die polnische Bevölkerung. Es bestehe derzeit keine „eindeutige oder bekannte direkte Gefahr“ für das Land und seine Bürger, sagte der polnische Präsident in Warschau. Es gebe außerdem auch keine Signale dafür, dass sich ein derartiges Ereignis wiederholen könnte. 

Die Ukraine bat um Zugang zur Einschlagstelle. Die Ukraine strebe eine gemeinsame Untersuchung des Vorfalls an. Nach Angaben der polnischen Regierung war am Dienstag eine „Rakete aus russischer Produktion“ in ein Getreidedepot im ostpolnischen Przewodow sechs Kilometer von der Grenze entfernt eingeschlagen. Nach Feuerwehrangaben wurden dabei zwei Menschen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb getötet. Russland hatte in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine am Dienstag einen massiven Raketenangriff auf die Energieversorgung des Landes durchgeführt. Nach ukrainischer Zählung feuerten die russischen Streitkräfte mehr als 90 Raketen sowie Kampfdrohnen ab. Für etwa zehn Millionen Menschen fiel zeitweise der Strom aus.

Auch US-Präsident Joe Biden hatte zuvor erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass diese Rakete in Russland abgefeuert wurde, und von einem Zwischenfall an der polnischen Grenze zur Ukraine durch eine fehlgeleitete ukrainische Luftabwehrrakete gesprochen.

Ukraine beschuldigt Russland

Die Ukraine reagierte mit der Feststellung, Russland sei für jeden Raketen-Zwischenfall verantwortlich. Der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Mychailo Podoljak, betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, es könne nur an einer Logik festgehalten werden, dass der Krieg von Russland begonnen worden sei und von Russland geführt werde.

„Wir haben eine weitere hysterische, wahnsinnige russophobe Reaktion erlebt, die nicht auf echten Fakten beruht“, sagte der Sprecher des Präsidialamts, Dmitri Peskow, vor Journalisten in Moskau.