Asylzahlen: Darum fehlt es an Unterkünften im Land

Politik / 23.09.2022 • 19:00 Uhr
Das Innenministerium meldet eine deutliche Zunahme von Personen, die heuer in Österreich einen Asylantrag gestellt haben. <span class="copyright">AFP</span>
Das Innenministerium meldet eine deutliche Zunahme von Personen, die heuer in Österreich einen Asylantrag gestellt haben. AFP

Nur noch einzelne Plätze in der Grundversorgung.

Bregenz Das Land sucht weiterhin händeringend nach Quartieren. Die Zahl der Menschen in Grundversorgung habe sich praktisch verdreifacht – nicht zuletzt wegen den ukrainischen Kriegsflüchtlingen, teilt der zuständige Landesrats Christian Gantner (ÖVP) auf VN-Anfrage mit. Dabei könnten momentan aber nur einzelne freie Plätze nachbesetzt werden. Gantner zufolge gibt es auch immer weniger Bereitschaft in der Bevölkerung, Unterkünfte bereitzustellen, sowohl für Vertriebene aus der Ukraine, als auch für Asylwerbende aus anderen Staaten.

Über 56.000 Anträge in Österreich

Das Innenministerium hatte zuletzt eine deutliche Zunahme der Asylzahlen in Österreich gemeldet. Demnach sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres über 56.000 Anträge gestellt worden. Im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich um eine Steigerung von 195 Prozent. Größte Gruppe waren Personen aus Indien, die indes kaum Chance auf Asyl hätten.

In den steigenden Antragszahlen schlagen sich die Ukrainerinnen und Ukrainer aber nicht nieder. Als Kriegsvertriebene erhalten sie automatisch temporären Schutz. Laut Angaben vom Freitag befinden sich derzeit 1968 registrierte Flüchtlinge aus der Ukraine in 76 Vorarlberger Gemeinden. Gantner zufolge ist etwa die Hälfte in Privatquartieren untergebracht. „Wobei ein Trend von der Privatunterbringung in organisierte Unterbringung spürbar ist.“

Derzeit betreut das private Dienstleistungsunternehmen ORS das Erstaufnahmezentrum für ukrainische Vertriebene in Nenzing und ein Quartier im Montafon. „Solange keine geeigneten größeren Quartiere gefunden werden, ist es auch nicht zielführend, den Betreuungsantrag an die ORS auszuweiten“, heißt es von Landesseite.

Die Bereitschaft in der Bevölkerung, Quartiere zur Verfügung zu stellen, sei abnehmend, sagt Landesrat Gantner. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Bereitschaft in der Bevölkerung, Quartiere zur Verfügung zu stellen, sei abnehmend, sagt Landesrat Gantner. VN/Paulitsch

Insgesamt befänden sich 2794 Personen aktuell in der Grundversorgung. Vorarlberg erfüllt seine Quote zur Aufnahme zu knapp 70 Prozent, und nimmt im Bundesländervergleich den siebten Platz ein, teilt Gantner weiter mit. Berücksichtige man aber, dass es in den übrigen Ländern auch Bundesbetreuungseinrichtungen gibt, liege Vorarlberg – was die reine Landes-Grundversorgung betrifft – besser, nämlich auf Platz fünf. Die Suche nach Quartieren gestalte sich jedenfalls als sehr schwierig. Nicht nur weil die Hilfsbereitschaft abgenommen habe, auch der Wohnungsmarkt in Vorarlberg ist angespannt, bei den Mietpreisen gebe es ein starkes Ost-West-Gefälle in Österreich.

Keine längerfristigen Möglichkeiten

Dass es im Frühjahr auch zur Ablehnung von privaten Angeboten kam, begründet Gantner mit fehlenden längerfristigen Lösungen. Wohnungen und Einzelzimmer seien teilweise nur befristet angeboten worden, auch hätten sich die Möglichkeiten hauptsächlich auf Einzelpersonen aus der Ukraine bezogen. Gesucht wurden aber Plätze für Frauen mit Kindern. Asylwerbende würden in Vorarlberg ausschließlich in organisierten Unterkünften und nur in Einzelfällen in privaten Unterkünften betreut. „Was derzeit dringend benötigt wird, sind organisierte Quartiere und Wohnmöglichkeiten, die den Vertriebenen und anerkannten Flüchtlingen längerfristig zur Verfügung stehen.”

SPÖ-Mandatarin Manuela Auer will wissen, warum Vorarlberg das einziges Bundesland ohne Bundesbetreuungseinrichtung ist. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
SPÖ-Mandatarin Manuela Auer will wissen, warum Vorarlberg das einziges Bundesland ohne Bundesbetreuungseinrichtung ist. VN/Hartinger

Die angespannte Situation war für die SPÖ jedenfalls Grund, eine parlamentarische Anfrage an den Landesrat zu stellen. Darin will die geschäftsführende Klubobfrau Manuela Auer unter anderem wissen, wie es um den aktuellen Stand bei der Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen aus der Ukraine nach Gemeinden steht, ob private Unterkunftgebende künftig stärker gefördert werden könnten und warum Vorarlberg das einzige Bundesland ohne Bundesbetreuungseinrichtung ist.