Angebot für Schwangerschaftsabbrüche: Umsetzung in Vorarlberg ist im Gange

Politik / 14.09.2022 • 05:30 Uhr
Bei einer ungeplanten Schwangerschaft handelt es sich oft um eine Verhütungspanne. <span class="copyright">AFP</span>
Bei einer ungeplanten Schwangerschaft handelt es sich oft um eine Verhütungspanne. AFP

Ärzteschaft, Politik und KHBG beraten: Gespräche liefen konstruktiv, mehrere Varianten möglich.

Schwarzach Es gibt mehrere Varianten, was das künftige Angebot für Schwangerschaftsabbrüche in Vorarlberg betrifft. Diese reichen von einer eigenen Privatklinik bis hin zum Angebot im Krankenhaus. Bis Jahresende soll geregelt sein, welche Lösung umgesetzt wird. Mehr will Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) bislang noch nicht dazu sagen. Die Gespräche mit den Systempartnern liefen konstruktiv. Es sei aber nicht zielführend, alle Treffen öffentlich zu kommentieren, sagt Rüscher.

Landesrätin Martina Rüscher verspricht eine Lösung bis Jahresende. <span class="copyright">VN</span>
Landesrätin Martina Rüscher verspricht eine Lösung bis Jahresende. VN

Fest steht, am Montagabend trafen sich rund 60 Ärztinnen und Ärzte der Fachgruppe Gynäkologie mit der Landesrätin, dem Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch und Benedikt-Johannes Hostenkamp. Letzterer ist der einzige Arzt im Land, der derzeit Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Der 70-Jährige steht aber kurz vor seiner Pension.

Noch ist unklar, in welchem Ausmaß die Krankenhäuser an der Umsetzung beteiligt sind, sagt KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch. <span class="copyright">KHBG</span>
Noch ist unklar, in welchem Ausmaß die Krankenhäuser an der Umsetzung beteiligt sind, sagt KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch. KHBG

„Das Treffen war ein sehr guter gemeinsamer und wertschätzender Austausch von Standpunkten“, berichtet Fleisch. „Mögliche Varianten wurden skizziert.“ Antworten auf Detailfragen gibt es derzeit nicht. Dafür sei es noch zu früh, hält Rüscher fest. Die Obfrau der Fachgruppe Gynäkologie in der Ärztekammer, Sibylle Spiegel, betont, dass die Bereitschaft „eine gemeinsame Lösung im Sinne der Frauen sowie Ärztinnen und Ärzte zu finden, von allen Seiten gegeben“ war. Landespolitik und KHBG müssten die Rahmenbedingungen vorgeben. Diese würden in weiterer Folge diskutiert. „Es ist uns natürlich bewusst, dass es für die Möglichkeit in Vorarlberg Abtreibungen durchzuführen immer auch Ärzte braucht – Gynäkologen und Anästhesisten. Wobei es die freie Entscheidung jedes Arztes und jeder Ärztin ist, wie sie mit dem Thema umgehen“, sagt Spiegel.

"Es ist die freie Entscheidung jedes Arztes und jeder Ärztin, wie sie mit dem Thema umgehen", sagt Sibylle Spiegel, Obfrau der Fachgruppe Gynäkologie. <span class="copyright">Jonas Jungblut</span>
"Es ist die freie Entscheidung jedes Arztes und jeder Ärztin, wie sie mit dem Thema umgehen", sagt Sibylle Spiegel, Obfrau der Fachgruppe Gynäkologie. Jonas Jungblut

Für die KHBG steht noch nicht fest, in welchem Ausmaß sie bei der Umsetzung beteiligt sein wird. „Das werden die weiteren Gespräche der nächsten Wochen zeigen“, erklärt Fleisch. Landesrätin Rüscher wiederholt auf VN-Nachfrage: „Unser Ziel ist es unverändert, dass wir bis Ende des Jahres eine gute Lösung für die Nachfolge gefunden haben.“

Die Fristenlösung

Grundsätzlich steht in Österreich auf eine Abtreibung eine Freiheits- oder Geldstrafe, außer der Schwangerschaftsabbruch erfolgt innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft (Fristenregelung). Eine Abtreibung zu einem späteren Zeitpunkt ist nur erlaubt, wenn eine ernste Gefahr für die Schwangere besteht, sie jünger als 14 Jahre ist oder eine schwere geistige oder körperliche Behinderung des Kindes zu erwarten ist. Die Kosten werden von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen notwendig ist.