Hammer zur Energiewende: “Macht unabhängig und schafft Arbeitsplätze”

Politik / 25.08.2022 • 05:30 Uhr

Das Stilllegen von Gasheizungen ist in den kommenden Jahren technisch möglich und rentabel, sagt der grüne Klimasprecher.

Wien In Österreich gibt es fast eine Million Gasheizungen und mehr als 600.000 Ölheizungen. Die Frage sei nicht mehr ob, sondern wie schnell der Umstieg gelingt, sagt Lukas Hammer, Klimasprecher der Grünen im VN-Gespräch: “Wir wollen bis 2040 klimaneutral werden. Das bedeutet, dass wir auch im Gebäudebereich aus Öl, Kohle und Gas aussteigen müssen.“ Die Sozialbau AG, ein Verbund von Wiener Wohnungsunternehmen, der aktuell fast 53.000 Wohnungen verwaltet, habe in einem mehrgeschossigen Wohnbau gezeigt, wie ein Umstieg technisch und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann. Dort wurden einzelne Gasheizungen der Mieter nach und nach auf zentralisiertes und nachhaltiges Heizsystem umgestellt.

Gasheizungen bis 2040 stilllegen

Doch die Eigentümerstrukturen sind sehr unterschiedlich. Daher sei es wichtig, mit dem Erneuerbaren-Wärme-Gesetz (EWG) den gesetzlichen Rahmen für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen festzulegen. Der EWG-Entwurf, auf den sich die Regierung bereits geeinigt hat, sieht vor, dass alle Gas- und Ölheizungen bis 2040 stillgelegt werden sollen. Der Entwurf liegt in der Begutachtung. „Ein Viertel unseres Gasverbrauchs geht für Heizen um Warmwasser drauf. Dort können wir schneller als in der Industrie auf Gas verzichten“, sagt Hammer.

“Wir sehen wieder einmal: Der Markt allein regelt es nicht.“

Lukas Hammer, grüner Klimasprecher

Konkret sieht der EWG-Entwurf weiter vor, dass es keine neuen Öl-, Gas- oder Kohleheizungen ab 2023 mehr geben darf. Ab 2025 soll es eine altersbedingte Stilllegung für Gas- und Ölheizungen mit mehr als 45 Jahren geben. „Das Wichtigste ist ein Erneuerbarengebot. Es geht auch darum den Tausch von Öl- auf Gasheizungen unmöglich zu machen“, sagt Hammer. Der Grüne weist darauf hin, dass im Vorjahr 100.000 neue Heizkessel eingebaut wurden und 49.000 davon laufen mit Erdgas: “Wir sehen wieder einmal: Der Markt allein regelt es nicht.“ Viele Landesenergieversorgungsunternehmen hätten den Menschen Prämien sogar gezahlt, wenn sie von Öl auf Gas umgestiegen sind – im Jahr 2022, während des Ukrainekriegs.

Wertschöpfung in Österreich

Das EWG gebe Investitions- und Planungssicherheit. “Es macht uns unabhängiger als Volkswirtschaft von Gas, schafft langfristig viele Arbeitsplätze”, sagt Hammer. Es gebe 6000 österreichische Installateursbetriebe, Wärmepumpenproduzenten, Kesselhersteller für Pelletöfen, Firmen, die nach Geothermie bohren können. „Die Wertschöpfung bliebe nach der Umstellung zu einem sehr großen Teil in Österreich. Bislang wurden jährlich zwei Milliarden Euro für Heizen und Warmwasser ‚rausgeblasen‘, weil 90 Prozent des Gases aus dem Ausland zugekauft werden muss“, sagt Hammer.

Der nächste Schritt sei, dass der EWG-Entwurf eine Regierungsvorlage wird, die mit der SPÖ verhandelt werden kann. Denn es handelt sich um Zweidrittelmaterie. Hammer hofft auf Unterstützung, da auch die Stadt Wien aus dem Gas aussteigen möchte: “Das EWG ist für alle ein Vehikel, die aussteigen wollen und das damit auch können.” Hammer erwartet sich dennoch einen langen Prozess, bis das EWG steht: “Für mich wird es immer unverständlicher in einer Zeit, in der uns diese Abhängigkeit noch mehr weh tut, auch was die Heizkosten betrifft, dass weiter gebremst wird. Es ist auch eine Bürde für die Menschen, mit Öl und Gas heizen zu müssen.” Längerfristig kann der Umstieg sogar günstiger sein, wie die Erfahrungen der Sozialbau AG zeigen, sagt Hammer.