Ab heute wird ausbezahlt: Das geben Ihnen Bund und Land von der Inflation zurück

Energie, Miete, Lebensmittel: Die Österreicher spüren die Teuerung. In den kommenden Monaten gibt es zahlreiche Finanzhilfen.
Julia Schilly, Birgit Entner-Gerhold
Wien, Bregenz Die Teuerung ist deutlich spürbar: Nach 8,7 Prozent im Juni dürfte die Inflationsrate im Juli auf durchschnittlich 9,2 Prozent gestiegen sein, wie aus Berechnungen der Statistik Austria im Rahmen einer Schnellschätzung hervorgeht. Das ist der höchste Wert seit März 1975. Die VN bieten einen Überblick, welche Finanzhilfen in den kommenden Monaten gegensteuern sollen.

Auszahlungen im Sommer
Zuschüsse für Familien
Als einen der ersten Schritte werden ab August an alle Familien in Österreich 180 Euro “Sonderfamilienbeihilfe” pro Kind überwiesen. Machen muss man dafür nichts, die Auszahlung passiert automatisch, informierte Familienminister Susanne Raab (ÖVP). 1,8 Millionen Kinder in 1,1 Millionen Familien würden davon profitieren, so Raab.
Insgesamt werden dafür 340 Millionen Euro in die Hand genommen. Zusätzlich gibt es ab 16. August noch 100 Euro pro Kind als Schulstartgeld.
Ab September 2022
Ebenfalls noch vor Herbst bekommen “besonders betroffene Gruppen” wie Mindestpensionisten oder Studienhilfebezieher 300 Euro ausgezahlt.

Ab Oktober 2022
Klima- und Teuerungsbonus
Jeder bekommt 500 Euro, pro Kind gibt es noch einmal 250 Euro zusätzlich. Die CO2-Bepreisung, die klimaschädliches Verhalten verteuern soll, wurde hingegen von Juli auf Oktober verschoben. Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) bekräftigte im VN-Interview, dass diese Steuer ab Oktober fix kommen werde.
Was 2022 noch kommt
Mehr Familienbonus
Den höheren Familienbonus gibt es nun ein Jahr früher als geplant, statt für 2023 kann er bereits ab 2022 mittels Veranlagung beantragt werden, das bringt eine Steuerbegünstigung für Familien von bis zu 2000 Euro pro Kind (bisher: 1500 Euro). Ausbezahlt wird das im kommenden Jahr. Gleiches gilt für den höheren Kindermehrbetrag (550 Euro).
Anpassung der Familienbeihilfe
Die Höhe der Familienbeihilfe wird mit Jahresende valorisiert und damit der Inflation angepasst. So steigt die Beihilfe in Österreich dauerhaft an.

Unterstützung für Firmen
Für Unternehmen ist eine Milliarde Euro für Entlastungsmaßnahmen vorgesehen. Sie bekommen eine Strompreiskompensation, für energieintensive Firmen sind Direktzuschüsse vorgesehen. Die Mittel zur Bedeckung der Förderungen sind mit 75 Prozent der Einnahmen aus den Versteigerungserlösen des Jahres 2021 begrenzt. Auch die Lohnnebenkosten werden gesenkt.

Ausblick auf 2023
Abschaffung der Kalten Progression
Durch die Abschaffung der Kalten Progression ab 1. Jänner 2023 sollen die Österreicherinnen und Österreicher bis 2026 18 Milliarden Euro weniger an den Fiskus zahlen müssen als bisher, zwei Drittel davon sollen direkt und automatisch an die Steuerzahler zurückgegeben werden. Das weitere Drittel, also rund 600 Millionen Euro im Jahr 2023, soll besonders Erwerbstätige und Pensionistinnen entlasten. Je höher die Inflation, desto höher das Volumen, sagte IHS-Direktor Klaus Neusser. Für das Jahr 2023 rechnet das WIFO mit Nettolohnsteigerungen von 5,3 Prozent, während die Bruttolöhne nur um 1,3 Prozent steigen sollen.
Weitere Hilfen
Der Digi-Scheck für Lehrlinge, der bis zu drei Mal 500 Euro pro Jahr bringt, wird bis 2024 verlängert. Auch der Wohnschirm zum Schutz gegen Delogierung. Der Absatzbetrag für 2022 wird um 500 Euro erhöht.

Hilfen in Vorarlberg
Seit Juli 2022
Höhere Wohnbeihilfe
Wer bereits Wohnbeihilfe bezieht, bekommt seit 1. Juli automatisch mehr Geld. Gleichzeitig wird der Bezieherkreis für die Wohnbeihilfe erweitert und die Einkommensgrenze dazu angehoben. Die Wohnbeihilfe ist auf gewisse Eckpunkte wie Wohnungsgröße und Haushaltseinkommen abgestimmt, berechnet sich also individuell. Ein Beispiel: Eine Alleinerzieherin lebt mit ihren zwei Kindern in einer 80 Quadratmeter großen Mietwohnung. Haushaltseinkommen inklusive Sonderzahlungen: 2000 Euro netto monatlich. Miete: 800 Euro. Die Wohnbeihilfe erhöht sich von 220 auf 480 Euro.

Ab Oktober 2022
Erhöhte Fördersätze beim Familienzuschuss
Den Familienzuschuss gibt es unmittelbar im Anschluss an das Kinderbetreuungsgeld für maximal 18 Monate. Er liegt bislang zwischen 51 und 505,50 Euro, je nach Höhe des Nettoeinkommens der Familie. Ab Oktober will das Land Vorarlberg den Mindestzuschuss von 51 auf 150 Euro anheben und den Höchstzuschuss von 505 auf 600 Euro. Zusätzlich ist darüber hinaus eine einmalige Zahlung für Bezieher des Zuschusses geplant.
Mehr Heizkostenzuschuss
Der Heizkostenzuschuss, der ab 17. Oktober beantragt werden kann, wird vom Land Vorarlberg von 270 auf 330 Euro erhöht. Ebenso soll der Bezieherkreis ausgeweitet werden, indem die Einkommensgrenzen steigen – bei Alleinstehenden von 1279 auf 1371 Euro netto, bei zwei Erwachsenen mit einem Kind zum Beispiel von 2180 auf 2469 Euro netto. Die Landesregierung geht davon aus, dass dann 17.000 Personen in Vorarlberg – statt bisher 12.000 Personen – anspruchsberechtigt sind.

Ab Jänner 2023
Höhere Richtsätze für Kinder in der Sozialhilfe
Für Familien, die Sozialhilfe beziehen, gibt es mehr Geld. Konkret beschloss die Vorarlberger Landesregierung, die Kinderrichtsätze um fünf Prozent anzuheben. Das heißt, dass jedes Kind, das im Bezug einer Sozialhilfeleistung ist, künftig monatlich um rund 29 Euro mehr bekommen wird. Die Anpassung des Sozialleistungsgesetzes ist in Umsetzung. Die erhöhten Richtsätze sollen ab 1. Jänner 2023 in Kraft treten.
Strombonus auf der Jahresrechnung
Die illwerke vkw werden einen Strombonus an die Vorarlberger Haushalte ausschütten. Bei der kommenden Jahresrechnung werden den Kundinnen und Kunden des landeseigenen Energieversorgers automatisch 40 Euro abgezogen. Einkommensschwache Haushalte, die von der GIS-Gebühr befreit sind, erhalten 120 Euro zurück.

Fleckerlteppich Finanzhilfen?
Neben den bundesweiten Maßnahmen gibt es auch innerhalb der Bundesländer eigene Hilfen. Daran wird auch Kritik laut: Es erinnere an den Pandemie-Fleckerteppich an Maßnahmen. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) widersprach bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Susanne Raab: Bundesweit wurde schnell und umfassend gegengelenkt. “Wenn die Bundesländer zusätzlich etwas machen, finde ich das gut.”