Mehr Asylanträge, fehlende Unterkünfte

Allein seit Jahresbeginn gab es mehr Asylanträge als im gesamten Jahr 2020.
Bregenz Die Zahl der Asylanträge beschäftigt derzeit wieder die Politik. Allein bis Ende April gab es 16.000 Asylansuchen in Österreich. Dies sind etwa 40 Prozent der Ansuchen von 2021 und mehr als im gesamten Jahr 2020. 15.275 von ihnen sind Erstantragssteller, knapp 4800 Minderjährige.
Ukrainer fallen nicht in Statistik
Die Kriegsvertriebenen aus der Ukraine werden aufgrund ihres Sonderstatus in der Asylstatistik nicht berücksichtigt. Aus dem kriegsgebeutelten Land, dessen Westgrenze in etwa gleich weit von Wien entfernt liegt wie Imst in Tirol, befinden sich derzeit allein 40.022 Menschen in der Grundversorgung. Sie stellen damit über die Hälfte der Grundversorgten. Abgesehen davon stammen die meisten Asylwerber heuer bislang auf Afghanistan (4246), Syrien (3919) und Tunesien (1520).

Die Statistik sorgte über Pfingsten für Unfrieden in der Bundesregierung. Anlass war eine Formulierung von ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner, die in einer Aussendung meinte, dass Österreich an der pro Kopf zweithöchsten Belastung durch Asylanträge in der gesamten EU „leide“ (ohne die Ukrainer, da diese nicht um Asyl ansuchen müssen). Mehrere Abgeordnete der Grünen rückten daraufhin aus, um ihre Empörung zu äußern. Sachslehner formulierte daraufhin um.
Herausfordernde Lage in Vorarlberg
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sieht das Asylsystem überlastet und plädiert für Auffanglager in Drittstaaten. Angespannt ist die Lage in Vorarlberg tatsächlich – aufgrund des Mangels an Quartieren für Asylwerber. Bereits seit Jahren gelingt es von allen Bundesländern nur Wien, seine Quote an Flüchtlingsunterkünften zu erfüllen.

Dies kann auch Bernd Klisch bestätigen, Fachbereichsleiter der Caritas-Flüchtlingshilfe: “Der Bedarf an Unterkünften ist groß, für alle Geflüchteten.” Die Caritas betreut Flüchtlinge aus 46 Nationen, in der öffentlichen Wahrnehmung ist jedoch nur die Ukraine präsent. “An die Zustände in Afghanistan haben wir uns gewöhnt, über Syrien berichtet man gar nicht mehr”, schildert er die Umstände, andere Nationalitäten tun sich schwerer. “Unterkünfte werden hauptsächlich für ukrainische Kriegsvertriebene offeriert”, bestätigt das Büro des zuständigen Landesrats Christian Gantner. Doch gerade Syrer seien nach einem Jahrzehnt Krieg gesundheitlich und materiell besonders schlecht aufgestellt und hilfsbedürftig, warnt Klisch.
Vor allem für unbegleitete Minderjährige fehlt es an Betreuungsplätzen und -personal. Hier braucht es Wohneinheiten, die ausreichend Platz bieten und qualifizierte Betreuer, auch in der Nacht und an Wochenenden. Hier spricht das Büro von Landesrätin Katharina Wiesflecker von einer „großen Herausforderung“. Klisch freut sich, dass man erst im Herbst eine Unterkunft für 16 unbegleitete Jugendliche schaffen konnte. Dennoch, gerade der Fachkräftemangel bleibt spürbar.
Caritas bittet um Unterkünfte
Das Land Vorarlberg ist mit seinen Systempartnern schon seit Juni 2021 intensiv auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften für Asylwerbende. Verschärft wird die Situation dadurch, dass das Land für die nächsten Wochen und Monaten mit einem weiteren Zustrom rechnet, sowohl aus der Ukraine wie auch aus anderen Gebieten.
Derzeit verhandelt die Caritas mit den Eigentümern, für die Ukrainer angebotene, geeignete Wohnungen auch für andere Flüchtlingsgruppen nutzen zu dürfen. Doch auch für die Ukrainer selbst dürfte man in Zukunft weitere Unterkünfte brauchen. „Denn wie lange der Krieg noch andauert, wissen wir nicht“, betont Klisch. Die Caritas sucht daher händeringend nach möglichen Unterkünften für alle zu betreuenden Flüchtlingen. „Sie brauchen alle unsere Unterstützung“, betont der Fachbereichsleiter.