Bei der Onlinepressekonferenz mit dem Bundeskanzler und polternden Journalisten

Politik / 16.04.2022 • 09:00 Uhr
Bei der Onlinepressekonferenz mit dem Bundeskanzler und polternden Journalisten
Karl Nehammer lud nach dem Gespräch mit Wladimir Putin zu einem turbulenten virtuellen Hintergrundgespräch.REUTERS/Maxim Shemetov

Nach dem Gespräch mit Putin wartete am Montagabend die nächste Herausforderung auf den Bundeskanzler: Journalisten und ihr Umgang mit digitalen Kommunikationsräumen.

Wien, Moskau Nach zwei Jahren Pandemie sollte man meinen, dass der Umgang mit virtuellen Kommunikationsformen sitzt. Videochats prägen den beruflichen, aber auch privaten Alltag, seit persönliche Kontakte heruntergeschraubt werden mussten. Doch die österreichische Journalistenelite belehrte diese Woche eines Besseren. Bundeskanzler Karl Nehammer hatte nach einem ungewöhnlichen Auslandsbesuch zu einem ebenso ungewöhnlichen Hintergrundgespräch geladen. Also versammelten sich Montagabend zahlreiche Chefredakteure und Redakteure aus dem In- und Ausland im Zoom-Meeting. Allein, die Sache mit dem Mikrophon-stumm-Schalten funktionierte so gar nicht. Da wurde geschmatzt, gehustet, geraschelt, getippt, kommentiert, telefoniert, während Karl Nehammer von „harten Gesprächen“ mit dem russischen Präsidenten und Kriegsverbrechen auf ukrainischem Boden berichtete. Zeitweise lief (zum Glück nur) ein Wasserhahn. Den „digitalen Newcomer-Preis“ des Abends nahm jedoch die ARD mit, die einige Male ihren Livestream der Nachrichten laut einspielten. Das Spektakel wurde live von einigen Fernsehsendern, darunter Puls 24, übertragen. Kanzlersprecher Daniel Kosak versuchte tapfer, Ordnung in die wild gewordene Journalistenmeute zu bringen, indem er gefühlte zehn Mal auf die Stummschaltfunktion hinwies, die nur eines kurzen Klicks bedarf. Man kann nur hoffen, dass das Gespräch mit Putin mehr langfristige Effekte zeigt. VN-JUS