Energiewende in Österreich: “300 Millionen werden nicht reichen”

Umweltökonomin Sigrid Stagl weist darauf hin, dass es nun einer detaillierten Planung bedarf.
Wien 300 Millionen Euro soll es heuer noch für Investitionen in Photovoltaik, Wasser- und Windkraft und Biomasse zur Verfügung. Das verkündete Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Mittwoch nach dem Ministerrat. Sie habe eine Verordnung zur Förderung von Erneuerbaren Energien erlassen. Die Ministerin betonte die Relevanz, anlässlich der “schmerzhaften Abhängigkeit Österreich von russischem Erdgas”. Die Ministerin betonte die Relevanz, anlässlich der “schmerzhaften Abhängigkeit Österreich von russischem Erdgas”.
Sonne, Wind, Wasser und Biomasse “schicken uns dafür keine Rechnung, sie erpressen uns nicht. Russland tut das schon”, so Gewessler. Jedes Windrad, jede Solaranlage würde Österreich “aus der Klammer von Wladimir Putin” befreien. Österreich könne und wolle jedoch noch nicht auf russisches Gas verzichten.
Stromproduktion von einer Terawattstunde ermöglicht
Die Förderung könnte vor allem in kleinere und mittlere Kraftwerke fließen, deutlich mehr als noch in der Begutachtungsfassung. Damit werde eine Stromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern im Ausmaß von rund einer Terawattstunde (TWh) ermöglicht. Für jede Technologie wurde ein eigener Starttermin festgelegt. Am 21. April startet der erste Call für Photovoltaik. Von der Fördersumme entfallen allein 240 Mill. Euro auf diese Technologie.
Rückschritt Pendlerpauschale
“Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber reichen wird das nicht”, sagt Umweltökonomin Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Abhängigkeit wird das nur ein bisschen reduzieren, ebenso die Klimagase, betont sie. Ihr fehlt ein detaillierterer Pfad, wie Österreich bis 2030 energieautark werden soll. Stagl nennt ein Beispiel: Die Umstellung von Strom auf 100 Prozent Erneuerbare klinge nicht so schwierig, da Österreich schon rund 75 Prozent erreicht habe. “Nur geht es nicht um die aktuelle Basis: Denn wenn wir Heizen und Mobilität ebenfalls zu einem Großteil auf Strom umstellen, dann ist das eine ganz andere Grundlage”, so Stagl. Wichtig sei nun, dass man zumindest keine Rückschritte macht, wie das mit der Klimapauschale passiert ist, sagt die Umweltökonomin.
Diese Herausforderungen zeigen sich auch mit Blick auf die Zahlen: Es müssten bis 2030 noch einmal 27 Terawattstunden an Erneuerbaren hinzu kommen, wenn Österreich damit seine Stromversorgen bestreiten will.
Es sei nun vor allem sinnvoll, eigene Produktionskapazitäten aufzubauen, erklärt Sigrid Stagl: “Das Klimaschutzministerium hatte ja diesbezüglich die Sorge, dass es zu Förderungen kommt, die nur zu Preissteigerungen führen. Es ist ein Trauerspiel. Denn die Kapazitäten sind kurzfristig nicht aufbaubar.” Über 30 Jahre habe man hier versäumt zu investieren und Signale zu senden.
Es gebe aber auch gute Nachrichten: So habe es bei Wärmepumpen einen enormen technologischen Schub in Österreich gegeben. Einige innovative Firmen hätten den Wirkungsgrad “beeindruckend” in die Höhe geschraubt, berichtet Stagl. Sie seien nun wenig aufwendig und viel günstiger in der Anschaffung. Aber nun sei es notwendig, die Technologie großflächig auf den Boden und in die Wohnungen zu bringen.