Warum Deltakron kein Thema ist

Mischvariante mit vielen Fragezeichen. Omikron dominiert noch immer Infektionsgeschehen.
Bregenz Immer wieder machen Meldungen über eine Kombination der Delta- und der Omikron-Variante des Coronavirus die Runde. Die inoffizielle Bezeichnung lautet Deltakron. Die Supervariante soll so krank machen wie Delta und so ansteckend sein wie Omikron. Doch rund um die Verbreitung sind noch viele Fragen offen. In Vorarlberg ist Deltakron jedenfalls kein Thema, wie die Abwasseranalyse zeigt. Public Health-Experte Armin Fidler spricht zum aktuellen Zeitpunkt von einer hypothetischen Fragestellung.
Irrtum im Labor
Anfang des Jahres wollten zunächst Forscher aus Zypern den Nachweis einer Kombination der beiden Varianten Omikron und Delta festgestellt haben. Allerdings stellte sich heraus, dass es sich wohl um einen Irrtum wegen einer Verunreinigung im Labor handelte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtete zumindest eine sogenannte Kombination aus je einem Subtyp von Delta (AY.4) und Omikron (BA.1). Das Fachkürzel lautet XD. Erste Proben dazu stammten im Jänner aus Frankreich. Der WHO zufolge gab es bislang aber keine Anzeichen einer größeren Verbreitung. Der Begriff Deltakron wird nicht verwendet. Dieser gilt nämlich als ungenau – immerhin wird dieser nicht nur für XD genutzt, sondern für unterschiedliche Mischformen aus Delta und Omikron.
Gesundheitsexperte Armin Fidler bezeichnet Deltakron nur als „potenzielle Gefahr“. Mit Blick auf neue Varianten stelle sich immer die Frage, ob ein Selektionsvorteil bestehe. Derzeit gebe es keine wissenschaftliche Evidenz, dass eine Mischvariante aus beiden Mutationen irgendwo gehäuft grassiere. Auch in Vorarlberg habe es keine Deltakron-Fälle gegeben. „Es handelt sich derzeit um eine hypothetische Fragestellung.“ Trotzdem müsse man wachsam bleiben und die Sequenzierung ausbauen, um neue mögliche Varianten frühzeitig erkennen zu können.
Delta nicht mehr nachweisbar
In Vorarlberg ist derzeit Omikron die dominierende Variante, wie die Abwasseranalyse aufzeigt. Derzeit werden sechs Kläranlagen untersucht, deren Einzugsgebiete rund drei Viertel der Bevölkerung abdecken, erklärt Christoph Scheffknecht, Leiter des Umweltinstituts. Das veranschaulichen Daten von Mitte März. „Die Auswertung der Ganzgenomsequenzierung weist bei allen Vorarlberger Kläranlagen Omikron als dominante Variante aus. Der Anteil der Subvariante BA.2 hat mittlerweile BA.1 überholt.“ Delta oder andere Varianten seien seit mehreren Wochen nicht mehr nachweisbar.
Das Monitoring zeigt auch, dass die Virenlasten im Abwasser derzeit sinken. Der Trend deute auf ein abnehmendes Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet der untersuchten Kläranlagen hin, sagt Scheffknecht. Die sinkende Sieben-Tages-Inzidenz in Vorarlberg, also die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Bewohner in sieben Tagen, sei also nicht nur auf die geringere Anzahl an Tests zurückzuführen.