Darum wirft Omikron schon seine Schatten voraus

Zahl der täglichen Neuinfektionen in kurzer Zeit deutlich angestiegen. Schneller Zuwachs bei Omikron-Fällen in Vorarlberg.
Wien, Bregenz Trotz Warnungen vor der herannahenden Omikron-Welle blieb das Infektionsgeschehen zuletzt vergleichsweise ruhig. Von einer Ruhe vor dem Sturm oder einer Atempause war die Rede. Doch diese Phase könnte nun vorbei sein. Das legt zumindest die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Österreich vom Mittwoch nahe. Sie lag bei 3251 Fällen und hat sich innerhalb von zwei Tagen mehr als verdoppelt. Wahrscheinlich spielt Omikron eine wichtige Rolle bei diesem Trend, sagt Gesundheitsexperte Armin Fidler, der auch Mitglied der Corona-Kommission ist. „Wir haben einen Anstieg zum Jahresende erwartet.“ Es gebe aber noch Unsicherheiten.
Der Mediziner gibt zu bedenken, dass sich auch die Weihnachtsfeiertage mit vielen Familienfesten auf das Infektionsgeschehen auswirken könnten. „Ohne Sequenzierung bleibt es letztlich Spekulation.“ Allerdings kam es zuletzt auch in vielen anderen europäischen Staaten zu einem deutlichen Anstieg wegen Omikron. Im der Schweiz zum Beispiel hielt das Bundesamt für Gesundheit erst kürzlich fest, dass die neue Mutation bereits mehr als die Hälfte der Neuinfektionen ausmacht. Auch in Wien ist sie bereits dominant.
Nach dem AGES-Dashboard befindet sich Vorarlberg mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 245 zwar immer noch deutlich über dem Österreich-Schnitt von 179. Es ist aber mittlerweile von Tirol mit dem bundesweit höchsten Wert (286) abgelöst worden. In Wien verschlechterte sich die Inzidenz zuletzt hingegen deutlich (214). Spitzenreiter ist das Burgenland (133). Rückläufig entwickelt sich unterdessen die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern. In Vorarlberg berichtete die Krankenhausbetriebsgesellschaft am Mittwoch von 46 Betroffenen, die stationär behandelt werden. Zwölf befänden sich auf einer Intensivstation.
Hohe Dunkelziffer
Im Nachbarland Schweiz hielt das Bundesamt für Gesundheit erst kürzlich fest, dass die neue Mutation schon mehr als die Hälfte der Neuinfektionen ausmache. Auch in Wien ist sie bereits dominant. Was Vorarlberg angeht, glaubt Fidler an eine hohe Dunkelziffer. „Omikron ist sicherlich schon weit verbreitet. Dass die Variante verstärkt auftritt, ist eine Sache von Tagen.“ Mit Stand Mittwochmittag berichtete das Land auf VN-Anfrage von 103 bestätigten Omikron-Fällen seit 25. November. Zwei Tage zuvor, am Montag waren es erst 45 gewesen. Elf Personen seien zwischenzeitlich genesen, 92 befänden sich in Quarantäne.
Erkenntnissen aus anderen Ländern zufolge könnte Omikron deutlich mildere Krankheitsverläufe auslösen. Das zeigten etwa erste Erhebungen der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA vor Weihnachten. Im Vereinigten Königreich, wo sich die Variante bereits deutlich ausbereitet hat, waren zuvor bereits zwei Studien veröffentlicht worden, die nahelegten, dass Omikron-Infektionen zu weniger Krankenhausaufenthalten führen. Dies deckt sich mit Erkenntnissen aus Südafrika.
Wegen der hohen Ansteckungsrate warnen Experten, darunter auch Fidler, aber vor zu großem Optimismus. „Wirklich viele Daten haben wir nicht. Auch unterscheiden sich Populationen deutlich voneinander, in der einen gibt es etwa einen hohen Prozentsatz an Delta-Genesenen, andere haben einen sehr guten Impfstatus.“ Natürlich bedeuteten die Erkenntnisse eine gewisse Entwarnung. „Doch bei einem exponenziellen Wachstum hilft uns das nicht weit, dann gibt es viel mehr Fälle zur gleichen Zeit.“