Darum sollte man getestet zur Weihnachtsfeier kommen

Omikron zwingt auch Geimpfte, vorsichtig zu sein, sagt Gesundheitsexperte Czypionka.
SCHWARZACH Der Tsunami ist zunächst unsichtbar. Das Prognosekonsortium des Gesundheitsministeriums geht davon aus, dass die vierte Welle in den nächsten Tagen weiter zurückgehen wird. Dann aber werde eine fünfte kommen, die von Omikron angetrieben wird und die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu so vielen Neuinfektionen wie noch nie führen werde. Nachsatz: „Dies könnte unter pessimistischen Annahmen bereits Anfang Jänner eintreten.“
Umso bemerkenswerter ist, dass Thomas Czypionka, Gesundheitsexperte am Institut für Höhere Studien, die Frage, ob der nächste Lockdown schon fix sei, nicht mit Ja beantwortet. Möglicherweise könne ein solcher verhindert werden: „Aber dann müssen wir alle notwendigen Maßnahmen maximal befolgen.“
Lüften, lüften, lüften
Diesbezüglich sieht Czypionka großen Handlungsbedarf: „Bei vielen Sachen hat sich ein gewisser Schlendrian eingestellt.“ Es geht um Banales, das nicht mehr so selbstverständlich praktiziert wird wie zu Beginn der Pandemie. Neben dem Maske tragen, das vorgeschrieben ist, sind dies Abstand halten, Hände waschen und lüften. Diesbezüglich habe man es sogar verabsäumt, verfügbare Hilfsmittel zu organisieren: „Es gibt noch immer nicht in allen Schulklassen eine CO2-Ampel, die daran erinnert, wenn es Zeit ist, die Fenster zu öffnen.“ Auch in anderen Bereichen wäre mehr möglich, wie Czypionka betont: „Beschränkungen für Familienfeiern zu Weihnachten werden nicht durchsetzbar sein, davon wird sich niemand abhalten lassen. Es sollte aber selbstverständlich sein, dass sich vorher alle einem PCR-Test unterziehen.“

Hochansteckend
Die Virusvariante Omikron ist hochansteckend. Daher wird erwartet, dass sich sehr viele Menschen infizieren werden. Erste Erfahrungsberichte verdeutlichen das Potenzial: An einer Firmenfeier in Oslo haben Personen teilgenommen, die zuvor in Südafrika waren. Ohne es zu wissen, schleppten sie Omikron ein und steckten nun zahlreiche andere Menschen an. Vor allem aber infizierten sich laut Czypionka auch Gäste, die nicht auf der Feier waren, sondern erst im Anschluss daran in dem betreffenden Lokal.
Außerdem gilt die politische Botschaft, wonach die Pandemie für Geimpfte vorbei sei und sich nur noch Ungeimpfte anstecken würden, weniger denn je. Anders formuliert: Wie Czypionka betont, handelt es sich um eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, die sich durch Omikron ändern. Vor allem Boostern, also dreifaches Impfen, schütze nach wie vor sehr gut vor einem schweren Erkrankungsverlauf. Folglich bleibe es so wichtig, um das Risiko eines schweren Erkrankungsverlaufs zu minimieren und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Sehr weitläufig sei aber auch bei Geimpften die Weitergabe des Virus.
Glück im Unglück
Glück im Unglück ist nach Ansicht des Gesundheitsexperten, dass die Omikron-Welle zunächst Staaten wie Großbritannien, Dänemark und Norwegen erfasst hat. Dort gebe es aussagekräftige Daten zum Geschehen. Das sollte bald zeigen, wie groß die Gefahr für bestimmte Gruppen ist, ins Spital eingeliefert zu werden. Österreich könnte Rückschlüsse daraus ziehen und rechtzeitig die erfordrlichen Schritte einleiten.