Das sagen Experten zu den Öffnungsschritten in Vorarlberg

Politik / 09.12.2021 • 19:00 Uhr
Das sagen Experten zu den Öffnungsschritten in Vorarlberg
In Vorarlberg endet der Lockdown für Geimpfte am Sonntag. VOL/Mayer

In Österreich herrscht nun ein Fleckerlteppich. Sorge besteht wegen Omikron.

Wien Das Lockdown-Ende ist österreichweit höchst unterschiedlich. Während etwa Wien mit der vergleichsweise besten Corona-Lage nur schrittweise öffnet und sich Oberösterreich überhaupt etwas länger Zeit nehmen will, geht Vorarlberg trotz der höchsten Sieben-Tages-Inzidenz einen anderen Weg. Vom Handel bis zur Gastronomie, Hotellerie über Kultur- und Freizeiteinrichtungen sperren viele Bereiche gleichzeitig auf, wenn auch unter Sicherheitsvorkehrungen wie 2G-Regel oder Maskenpflicht. Dazu kommen landesspezifische Einschränkungen bei der erlaubten Gästezahl in der Gastronomie oder bei Veranstaltungen. Komplexitätsforscher Peter Klimek bezeichnet die unterschiedlichen Vorgangsweisen als schwer nachvollziehbar. Ähnlich äußert sich der Virologe Norbert Nowotny – aus seiner Sicht wäre die bundesweiten Maßnahmen ausreichend. Gesundheitsexperte Armin Fidler verweist darauf, dass die Senkung der Fallzahlen nicht die einzige Variable sein dürfe. Sorgen macht allen die neuartige Omikron-Variante des Virus.

"Natürlich muss man auch die wirtschaftliche Seite sehen", sagt Komplexitätsforscher Klimek. <span class="copyright">APA</span>
"Natürlich muss man auch die wirtschaftliche Seite sehen", sagt Komplexitätsforscher Klimek. APA

Für Klimek könnte der Bundesländer-Flickenteppich ein Hindernis sein. Die Menschen würden am ehesten die Maßnahmen befolgen, wenn sie nachvollziehbar, verständlich und konsistent seien. Das sei mit den unterschiedlichen Vorgehensweisen der Länder nicht erfüllt, betont der Forscher vom Complexity Science Hub Vienna (CSH). Dass nun Gebiete mit hohen Inzidenzen breiter öffnen als solche mit niedrigen, zeigt für ihn, dass nicht nur die Infektionskurve für die politische Schwerpunktsetzung wichtig ist. „Natürlich muss man auch die wirtschaftliche Seite sehen.“ Auch Public Health-Experte Fidler, Mitglied der Corona-Kommission, erklärt, dass weitere Variablen berücksichtigt werden müssten, um einschneidende Freiheitsbeschränkungen zu legitimieren.

Dass es nun aber mehrere Varianten zum Lockdownende in Österreich gibt, sieht Virologe Nowotny kritisch. „Mir wäre es lieber gewesen, wenn es nicht zu einem Fleckerlteppich kommt“, sagt der Experte. Die vom Bund vorgegebene Unterkante mit Regeln wie 2G, FFP2-Maskenpflicht und die Begrenzung von Versammlungen hält er für ausreichend. „Strengere Maßnahmen schaden nicht. Notwendig wären sie aber meiner Ansicht nach nicht gewesen.“

Anders argumentiert hingegen Fidler. Die unterschiedlichen Vorgangsweisen in den Bundesländern hält er für sinnvoll – immerhin gebe es in Vorarlberg mit seinen engen Verbindungen in die Nachbarländer Schweiz, Liechtenstein und Deutschland andere Bedingungen wie beispielsweise in der Steiermark.

Für Fidler sind die Voraussetzungen in Vorarlberg anders als etwa in der Steiermark.
Für Fidler sind die Voraussetzungen in Vorarlberg anders als etwa in der Steiermark.

Für Klimek ist nun die Risikoeinschätzung entscheidend. Die Immunitätsrate sei in der Bevölkerung höher – entweder durch Impfung oder Genesung. Der verweist auch darauf, dass die Kontaktreduktionen durch den Lockdown noch nachwirken. Die große Frage sei, wie schnell die Intensivstationen in den kommenden Wochen entlastet werden.  Die derzeit vorherrschende Delta-Variante sei mit den Einschränkungen wohl noch einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Als große Unbekannte bezeichnet Klimek Omikron.

Das gibt auch Nowotny zu bedenken. „Wir wissen noch nicht, ob sich Omikron in wenigen Wochen auch in Österreich deutlich auszubreiten beginnt. Davon wird viel abhängen.“ Sollten die Zahlen ansteigen, sei als Plan B zu überlegen, nach Weihnachten bis 6. Jänner wieder eine Art Weihnachtsruhe einzuführen. „Aber nur wenn es absolut notwendig ist. Das werden wir bis Weihnachten sehen.“

Auch Fidler blickt mit Sorge auf die neue Mutation. Er gibt zu bedenken, dass Lockdowns zwar noch immer zu einem gewissen Ausmaß funktionierten, aber nicht mehr so stark wie das früher der Fall gewesen sei. „Wir können auch nicht permanent zusperren.“ Möglicherweise werde das früher oder später ohnehin wieder wegen Omikron drohen.